"WeltRaum Frauenberg"

Internationale WG: Interkultureller Austausch und soll Fachkräftemangel lindern

Freuen sich auf den Start der internationalen WG auf dem Frauenberg: antonius-Jahrler aus Indien, Guardian Pater Cornelius (Vierter von links) und Verantwortliche von antonius.
Foto: Antonius

19.09.2023 / FULDA - Vielfalt, interkultureller Austausch und Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Das ist die Basis des Projekts "WeltRaum Frauenberg", das kürzlich vorgestellt wurde.

Die internationale WG soll jungen Menschen aus aller Welt ein stabiles Fundament für eine berufliche Zukunft in Deutschland bieten und dabei helfen, den Fachkräftemangel in der Region zu mildern. Gleichzeitig will die WG ein Beleg dafür sein, dass es sich lohnt, die Kooperation zwischen den Franziskanern und antonius auf dem Frauenberg fortzusetzen und in eine langfristig gesicherte Zukunft zu führen. Die Bezeichnung "WeltRaum" weist zum einen auf den weltumspannenden Charakter des Vorhabens hin, aber auch auf seinen Anspruch, den beteiligten jungen Menschen einen Raum zur Entfaltung und Gestaltung ihres persönlichen und beruflichen Lebensweges zu bieten.

"Wir Franziskaner haben schon lange Kontakte in viele Teile der Welt", betont Pater Cornelius, Guardian der Franziskaner auf dem Frauenberg. So seien 1907 Brüder nach Japan und 30 Jahre später nach Brasilien gegangen, um ihren Orden weltweit zu vertreten. Jetzt würden junge Menschen aus Brasilien, Afrika und Indien, wo die Franziskaner ebenfalls zu Hause sind, nach Osthessen kommen. Im ersten Jahr absolvieren die Jugendlichen den Freiwilligendienst antonius-Jahr. Er bietet ihnen die Chance, in der Gemeinschaft von antonius, den Franziskanern und den indischen Schwestern, die bei antonius wirken, anzukommen, sich zu orientieren, die Sprache zu lernen, Bande zu knüpfen und Gemeinschaft zu erleben. Aus Indien sind bereits im vergangenen Jahr junge Menschen nach Fulda gekommen und beginnen nach ihrem antonius-Jahr jetzt eine Ausbildung. Nun kommen vier Brasilianer ins Kloster.

Vertrauensvolle Aufnahme

"Auf dem Frauenberg finden sie nicht nur für ein oder zwei Jahre eine Unterkunft, sondern echte Aufnahme", betont Silke Gabrowitsch vom antonius-Führungsteam. Entscheidend sei, die jungen Leute nicht nur als willkommene Arbeitskräfte zu sehen, sondern sie umfassend und vertrauensvoll aufzunehmen, ihnen Orientierung und Halt zu geben, bis sie mehr und mehr bereit und in der Lage sind, ihr Leben in ihrer neuen Heimat eigenverantwortlich und selbständig zu gestalten. Ohne diese Begleitung, ohne ein soziales Netz und einen seelischen Rahmen wird ihre Integration in unsere Gesellschaft und den Arbeitsmarkt nicht gelingen, sind Pater Cornelius und Silke Gabrowitsch überzeugt. Dies sei die Lehre aus vielen gescheiterten Bemühungen in ganz Deutschland, ausländische Arbeitskräfte dauerhaft heimisch werden zu lassen.

Das Projekt "WeltRaum Frauenberg" hingegen soll für beide Seiten ein Gewinn sein: Einerseits führt die internationale WG junge Menschen aus vielen Teilen der Welt nach Fulda und eröffnet ihnen eine neue Lebensperspektive. Andererseits bereichert ihr kultureller Erfahrungsschatz nicht nur unsere Gesellschaft, sondern sie helfen darüber hinaus, den Fachkräftemangel in verschiedenen Berufsfeldern zu mildern. Denn nach dem Ende des antonius-Jahres können die Jugendlichen eine Ausbildung bei antonius im Bereich der Pflegeberufe beginnen. Es steht ihnen aber auch frei, sich auf jede andere Stelle auf dem Fuldaer Ausbildungsmarkt zu bewerben. In ihren Bemühungen setzen die Franziskaner und antonius auf die Zusammenarbeit mit bewährten Akteuren der Region: dazu gehören die Stadt und der Landkreis Fulda, die Hochschule Fulda oder das Unternehmernetzwerk Perspektiva.

Fortbestand der Kooperation

Christian Bayer vom antonius-Führungsteam weist auf die Bedeutung des Projekts "WeltRaum" für den Fortbestand der Kooperation von Franziskanern und antonius hin. Im Klostergarten, der Schneiderei und im Café Flora arbeiten mittlerweile über 100 Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam. "Wir wünschen uns eine Fortführung dieser Kooperation über das Jahr 2027 hinaus. Dafür müssen aber einige Hürden genommen werden, denn die Franziskaner sehen sich nicht in der Lage, über dieses Datum hinaus die Baulast für das Kloster zu tragen", sagt Bayer. Man sei aber optimistisch, zusammen mit der Stadt Fulda und dem Bistum letztlich eine Lösung zu finden, die den Frauenberg als Zukunftsort für Inklusion und künftige Fachkräfte erhält. (pm) +++