Heute Nachmittag offizielle Einweihung

"Schmittsche Villa": Neue Ausstellungsräume für Franz Erhard Walthers Werke

Franz Erhard Walther und seine Ehefrau Susanne.
Alle Fotos: Martin Engel

24.09.2022 / FULDA - Der 83-jährige Franz Erhard Walther gilt als einer der bedeutendsten Fuldaer Künstler, dessen Wirkung seit Langem weit über die Grenzen der Region hinausreicht.  In der umgestalteten "Schmittschen Villa" am Paulustor 4 wird zukünftig eine Sammlung mit Werken Walters zu sehen sein, Träger des "Goldenen Löwen" der Biennale von Venedig 2017. In Anwesenheit der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, soll die VILLA am heutigen Samstagnachmittag in Verbindung mit einer Feierstunde in der Orangerie offiziell ihrer neuen Bestimmung übergeben werden. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der "Franz Erhard Walther Foundation" und der Stadt Fulda. 

Die korrekte Bezeichnung lautet "VILLA Franz Erhard Walther - Collection Seng". Am Donnerstag gab es für Journalisten eine Vorbesichtigung der Ausstellungsräume. Der vordere Bereich der VILLA ist als Platz gestaltet und durch die Raumform, einem Kunstwerk von Walther, eingefasst.

Dessen Werk zeichnet sich seit den Anfängen seiner künstlerischen Praxis in Fulda der späten 1950er Jahre durch eine radikale Offenheit aus, die zunächst Materialprozesse und später die Betrachterinnen und Betrachter als aktiven Teil der Werkentstehung einbezieht. Ausgehend von dem Konvolut der Sammlung Seng, präsentiert die VILLA in wechselnden Werkpräsentationen mit Leihgaben aus der Franz Erhard Walther Foundation und weiteren Leihgaben die Arbeiten, die Franz Erhard Walther in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren produziert hat.

Die VILLA knüpft an den spezifischen Entstehungsort und Zeitraum an, begreift Walthers Werk zugleich in seiner gegenwärtigen Relevanz. Alle Aktivitäten der VILLA basieren auf den Grundprinzipien der Schaffenskraft Walthers. Es ist ein Raum, in dem sich das Werk immer wieder aufs Neue realisiert und aktualisiert – ein unabgeschlossener Raum, in dem die frühen Arbeiten in immer neuen Konstellationen gezeigt werden.

Zwischen den wechselnden Werkpräsentationen, finden jährlich Ausstellungsprojekte statt, die Franz Erhard Walthers Frühwerk in transkulturelle und generationsübergreifende Dialoge stellen und Bezüge zum spezifischen Entstehungsort Fulda und der Rhön herstellen. In einer für 2023 geplanten Ausstellung begegnen sich Franz Erhard Walthers und Lygia Clarks frühen Arbeiten. 2024 findet eine Ausstellung mit Jimmy Robert statt, in der sich der Künstler unter anderem auf die florierende Jazzszene Fuldas in den 1950er Jahren bezieht. 2025 widmet sich der Umsetzung der unrealisierten Ausstellung Gelb, die Franz Erhard Walther 1965 für die Galerie Junge Kunst in Fulda geplant hatte.

Historie

Im Sommer 1958 lernte der Kunstrestaurator Gisbert Seng (geboren 1933) in der ersten Ausstellung des von Franz Erhard Walther mitgegründeten Jungen Kunstkreises in Fulda zunächst Walthers Arbeiten und kurz darauf den damals 19-jährigen Künstler kennen. In einem Umfeld, in dem Walthers Arbeiten auf Ablehnung und Unverständnis trafen, gehörten Gisbert Seng und seine erste Frau Helga Seng zu den wenigen, mit denen Walther seine Überlegungen zu seiner Kunst und zu Fragen der Kunst im Allgemeinen teilen konnte.

Mit Johanna Frieß waren die Sengs die einzigen, die 1962 Walthers Papierkonzert in der Galerie Junge Kunst in Fulda besuchten. In diesen Jahren verbrachten die beiden Paare gemeinsame Zeit in der Rhön, wo sie Walthers erste Werksatzstücke aktivierten. In dem Zeitraum vor dem Umzug der Walthers nach New York im Jahr 1967, bewahrte Gisbert Seng eine Auswahl wichtiger Werke auf, die sonst verloren gegangen wären.

Nach der Rückkehr Walthers aus New York, schenkte er den Sengs weitere frühe Werke mit der Idee, eine Sammlung zusammenzutragen, die eines Tages in Fulda gezeigt würde.

Nachdem Gisbert Seng über 50 Jahre mit diesen Arbeiten gelebt und sie aufbewahrt hatte – mit Unterstützung von seiner zweiten Frau Katharina Bongartz – übergab die Familie Seng das Konvolut 2019 als Teil-Schenkung an die "Franz Erhard Walther Foundation", mit dem Wunsch, dass die Arbeiten in Fulda, dem Ort ihrer Entstehung gezeigt werden. 

Öffnungszeiten sind Freitag und Samstag von 14 bis 20 Uhr und an Sonntagen von 11 bis 18 Uhr. Im ersten Monat bis 30. Oktober ist der Eintritt frei. Infos auch unter www.villa-few.com. (bl/pm) +++