"Deutschsommer" für Grundschulkinder

Ferien, die schlau machen mit Theater, Tanz und Gesang

Bei einem Besuch in der Stiftsruine konnten die Kinder des "Deutschsommers" ihr einstudiertes Theaterstück auf der Bühne präsentieren
Fotos: Christopher Göbel/Privat

12.08.2022 / BAD HERSFELD - Drei Wochen lang verbrachten 26 Grundschulkinder in Bad Hersfeld beim "Deutschsommer". Das Modellprojekt der "Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main" soll Kindern der dritten Klasse dabei helfen, ihre Sprachkompetenz zu verbessern. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist es der erste "Deutschsommer", der von Peter Bikoni (Staatliches Schulamt Bebra) und Karina Schnaar, der Schulleiterin der Ernst-von-Harnack-Schule koordiniert wird.

"Teilnehmen können Kinder, die einen Bedarf an Sprachförderung haben", so Schnaar. Die ersten drei Ferienwochen verbrachten die Kinder in der Gruppe, betreut von insgesamt acht Erwachsenen. Neben den beiden Koordinatoren waren Deutschlehrerinnen, theater- und sozialpädagogische Kräfte im Einsatz. Die Kinder kamen von der Ernst-von-Harnack-Schule, der Linggschule, der Wilhelm-Neuhaus-Schule, der Grundschule Bebra und der Haunetalschule. "Wir haben vorher in den Grundschulen des Landkreises für das Projekt geworben. Die Lehrkräfte erhalten nach Abschluss auch eine Rückmeldung von uns", so Bikoni. 

Theater, Tanz und Gesang

"Die Kinder bekommen viel Sprach-Input", sagt Schnaar. Im Laufe der Zeit hätten die Kinder untereinander mehr Deutsch gesprochen. "Vor allem bemerken wir, dass sich das Selbstbewusstsein vieler Kinder stark entwickelt hat", fügt Bikoni hinzu. In Theaterprojekten, Tanz und Gesang sowie weiteren Aktionen im Wald und zwei Workshops im "wortreich" lernten die Kinder viel über Gemeinschaft und Sprache. Das Projekt wurde auf Deutsch und Russisch umgesetzt, wobei die Theaterpädagogin Regina Winter übersetzte.

Gearbeitet wurde in der Gruppe, in Kleingruppen und auch einzeln mit den Kindern. Das Ziel war eine eigene Theateraufführung, die am Donnerstag vor den Eltern präsentiert wurde. Einen ersten Einblick erhielt jedoch Festspiel-Intendant Joern Hinkel, der die Kinder zu einem Besuch in der Stiftsruine eingeladen hatte. Auf der großen Bühne führten  die "Deutschsommer"-Teilnehmer:innen dann ihr Stück über Freundschaft vor, das das Lied "Ich bin anders" von Robert Metcalf beinhaltete - inklusive Stückkritik des Fachmanns: "Viele von euch waren die ganze Zeit voll bei der Sache, manche waren aber abgelenkt, wenn sie gerade nicht dran waren."

Zuvor hatte Hinkel den Kindern ein wenig über den Theaterbetrieb im Sommer erzählt und sie hinter die Bühne geführt. Dort entdeckten die Kinder unter anderem die große Glocke aus dem Festspielstück "Notre-Dame" und den Brunnen in der Krypta. "Die Glocke ist aus Styropor, die dürft ihr vorsichtig anfassen", sagte Hinkel. Eine echte Bronzeglocke wäre viel zu schwer und würde die Stiftsruine zum Einsturz bringen, erklärte er den Kindern.

Für die Teilnahme am "Deutschsommer" kamen nur Kinder infrage, die tatsächlich der sprachlichen Förderung bedurften. "Wir haben mit den Lehrkräften und Eltern gesprochen. Wir mussten auch ein paar Kinder ablehnen", so Schnaar. Spielerisch und mit vielen Aktivitäten bildete das Projekt einen gleichzeitig unterhaltsamen wie auch lehrreichen Umgang mit der deutschen Sprache. "Die Kinder haben jedem neuen Tag entgegengefiebert", so Bikoni. 

Zum Abschluss des Projekts besuchten die Kinder am letzten Tag, dem heutigen Freitag, eine Filmvorführung von "Ronja Räubertochter" im Kinocenter Bad Hersfeld. "Davor zeigten wir ihnen einen kurzen Film, den wir bei den Workshops im ,wortreich' aufgenommen haben", sagt Bikoni. "Wir waren das erste Mal bei diesem Projekt dabei, aber nach den sehr guten Erfahrungen in diesem Sommer können wir uns gut vorstellen, das in den kommenden Jahren zu wiederholen", so der Koordinator. (Christopher Göbel) +++