✕

Bundesliga-News

TTC-Präsident Stefan FRAUENHOLZ: "Fühlen uns in Dortmund-Rolle wohl"



14.08.2014 / TISCHTENNIS - Gut zwei Wochen vor dem Start der Tischtennis-Bundesligasaison 2014/15 gehen die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit in ihre heiße Phase. Der Präsident des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell gibt einen Ausblick auf die kommende Spielzeit, die Chancen des TTC RhönSprudel und sein neu formiertes Team.



Frage: Seit dem Bundesliga-Finale in Frankfurt am Main sind gut zwei Monate vergangen. Haben Sie die Tischtennis-freie Zeit genossen?

„Auch wenn letztendlich keine Meisterschaftsspiele mehr anstanden, an eine längere Pause ist eher nicht zu denken. Nach dem Endspiel bzw. dem Ende der regulären Ligarunde beginnen die Saisonvorbereitungen für die neue Spielzeit, welche das gesamte Management des TTC RhönSprudel wie in jedem Jahr vor neue Herausforderungen stellt. Auch in diesem Jahr war wieder einiges zu tun. Aber trotzdem bleibt natürlich auch Zeit für einen Urlaub mit der Familie.“

Frage: Wann starten die Spieler des TTC RhönSprudel in ihre Saisonvorbereitung für die neue Spielzeit?


„Die Vorbereitungen haben die Spieler individuell aufgenommen. Während die deutschen Nationalspieler in DTTB-Lehrgängen schon frühzeitig wieder gefordert waren, hat Wang Xi während seines China-Urlaubs mit dem Training begonnen. Mitte August sind alle Spieler spätestens wieder in Fulda und bereiten sich gemeinsam auf den Ligastart vor.“

Frage: Zur neuen Saison wird der Plastik-Ball in der Tischtennis Bundesliga eingeführt und wird den Zelluloid-Ball ersetzen. Welche Auswirkungen erwarten Sie auf ihre Mannschaft?

„Mit wirklicher Sicherheit kann man noch nicht sagen, wie sich der neue Ball auswirkt. Ich denke, dass es im Profibereich nur Nuancen sein werden. Spannend werden vor allem die Auswirkungen des neuen Balls auf das Spielsystem unserer beiden Abwehrspieler, Ruwen Filus und Wang Xi. Nach einer gewissen Gewöhnungsphase sollten sich die Profis jedoch bestens auf den neuen Ball eingestellt haben. Zudem schläft die Tischtennis-Industrie ja auch nicht, was die Herstellung von Material für den Plastik-Ball anbelangt. Auch mit dem neuen Ball wird ein guter Spieler ein guter bleiben.“

Frage: Die zurückliegende Saison 2013/14 war die erfolgreichste der Vereinsgeschichte des TTC RhönSprudel. Wie bewerten Sie die Spielzeit?

„Wir können mit großer Genugtuung auf die letzte Runde zurückblicken. Wir haben eine grandiose Runde gespielt, waren Tabellenführer der TTBL seit November 2013 und konnten schließlich auch zwei Endspiele, das Pokalfinale und das Endspiel um die Mannschaftsmeisterschaft erreichen. Neuzugang Ruwen Filus hat eine exzellente Runde gespielt, zudem war auch bei Patrick Franziska eine merkliche Steigerung festzustellen. Mit Wang Xi konnten wir erneut auf einen extrem zuverlässigen Spitzenspieler bauen. Mit großem Trainingsfleiß und Disziplin hat die Mannschaft sich hervorragend entwickelt.“

Frage: Letztendlich musste man in beiden Endspielen jedoch dem Rekordmeister aus Düsseldorf gratulieren, obwohl man sie zweimal in der Punktrunde besiegen konnte.

„In beiden Endspielen hat die individuelle Weltklasse von Timo Boll den Ausschlag gegeben, ihn in einem Endspiel zu knacken ist richtig schwierig und erhöht natürlich den Druck in den Einzeln ohne seine Beteiligung. Zudem hat Borussia Düsseldorf jedes Jahr eine wirklich starke Mannschaft, die nicht leicht zu schlagen ist. Zusätzlich konnte die Borussia in den letzten Jahren nicht in der Champions League glänzen, was natürlich den Fokus auf die nationalen Titel lenkt. Wir haben in beiden Endspielen dem hohen Favoriten einen starken Fight geboten, konnte ihn aber leider nicht zum Fallen bringen.“

Frage: Gleich an zwei Positionen haben Sie die Mannschaft verändert. Mit Patrick Baum und Christian Süß kommen zwei deutsche Nationalspieler in die Domstadt, während Patrick Franziska der Verein verließ. Haben Sie zwei Wunschspieler verpflichtet?

„Mit Patrick und Christian haben wir zwei sehr spielstarke Neuzugänge verpflichten können und haben damit den Verlust von Patrick Franziska mehr als aufgefangen. Beide bringen die notwendige spielerische Klasse und internationale Erfahrung mit, um weiterhin in der Spitzengruppe in der Bundesliga standhalten zu können. Wir sind mehr als zufrieden mit diesen beiden Verpflichtungen.“

Frage: Der Manager von Borussia Düsseldorf, Andreas Preuß, verglich jüngst den Wechsel von Patrick Franziska zum Rekordmeister aus Düsseldorf mit einem Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern München. Ist diese Einschätzung zutreffend?

„Richtig ist zunächst, um beim Fußball zu bleiben, dass Borussia Düsseldorf das Bayern München des Tischtennis ist. Von der Titelsammlung, den heutigen und früheren Spielern sowie dem finanziellen und organisatorischen Rahmen ist diese Analogie die wohl zutreffendste. Weiterhin denke ich, dass man unsere Rolle in der TTBL schon mit der von Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga vergleichen kann. Zuletzt ist ja auch ein Spieler von uns dem Ruf nach Düsseldorf gefolgt, was sich beim Fußball entsprechend auch öfters ergibt. Wir waren in den beiden zurückliegenden Jahren der nationale Herausforderer Düsseldorfs und wollen weiterhin am Thron des Rekordmeisters rütteln, auch wenn dies eine überaus schwierige Aufgabe ist. Wir fühlen uns in der Dortmund-Rolle ziemlich wohl.“

Frage: Der TTC RhönSprudel geht nun in seine zehnte Saison in der Tischtennis-Bundesliga nach dem Aufstieg im Jahre 2005. Wenn man zurückblickt, wie bewerten Sie das Projekt Tischtennis-Bundesliga in Fulda?

„Ich denke, wir haben eine nachhaltige und langfristig angelegte Entwicklung vollzogen und können mit Stolz auf das Zurückliegende blicken. Die Rahmenbedingungen konnten kontinuierlich ausgebaut werden und inzwischen sind wir eine der ersten Adressen für Profi-Tischtennis in Deutschland. Wir haben immer auf Beständigkeit in unserer Mannschaft gesetzt, was man auch an unserer Kaderzusammenstellung ablesen kann. Unsere langjährigen Spitzenspieler Jan-Ove Waldner, Robert Svensson oder auch Wang Xi und Trainer Qing Yu Meng sind Beispiele hierfür. Und genau diesen Weg wollen wir auch weitergehen.“

Frage: Warum verzichtet der TTC RhönSprudel auf einen Start in der Champions League, obwohl man sich sportlich dafür qualifiziert hat?

„Wir haben im Management schon vor einigen Jahren beschlossen, von einer Teilnahme am Europapokal abzusehen, weil unsere bisherigen Erfahrungen, speziell in der Champions League, eher mäßig waren. Wir können bei den Wettbewerben der ETTU keine zusätzliche Attraktivität erkennen. Der organisatorische und finanzielle Mehraufwand steht in keinem Verhältnis mit dem Gewinn an Renommee für uns als Verein. Mit dieser Einschätzung stehen wir übrigens nicht alleine, wie man in der Vergangenheit immer wieder bei der Anzahl der Bewerbungen für die europäischen Wettbewerbe gesehen hat.“

Frage: Die erste Chance für einen Titelgewinn bietet sich schon im Dezember beim Pokalfinale, ausgerechnet in Fulda vor heimischer Kulisse. Ein Pokalsieg vor den eigenen Fans, klingt das nicht verlockend?

„Zugegeben, diese Vorstellung ist schon reizvoll. Zunächst sind wir natürlich froh, dass das Pokalfinale für uns zum Heimspiel werden kann. Für die gesamten Sportfans der Region wird dies sicherlich ein großartiges Highlight. Aber bis in den Dezember ist noch viel Zeit. Wir hoffen alle natürlich auf einen großen Event mit einem sportlich erfolgreichen Ausgang für uns.“  


Das vorliegende Interview wurde der Redaktion in schriftlicher Form so zur Verfügung gestellt (rd).  +++



X