Offshore-Windpark Borkum
Drohen RhönEnergie weitere Verluste?
23.06.2014 / REGION -
Kurz nach der Eröffnung des Nordseewindparks in Borkum, an dem auch die RhönEnergie beteiligt ist, warnt der FDP-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, vor "massiven Verlusten" der Investoren und beschuldigt die Verantwortlichen, wirtschaftliche Risiken zu verschweigen. Günter Bury, Sprecher der RhönEnergie-Geschäftsführung, entgegnet, dass keine Verlust, nur die ursprünglich prognostizierten Renditen nicht mehr erreicht werden würden. Im Folgenden die Presseerklärungen beider Seiten im Wortlaut:
Mario Klotzsche (FDP): RhönEnergie drohen weitere Verluste
"Der kommunale Energieversorger RhönEnergieFulda, vormals ÜWAG, rechnet bekanntlich mit 55 Millionen Euro Verlust aus unwirtschaftlichen Beteiligungen an Kohle- und Gaskraftwerken in den nächsten Jahren. Mario Klotzsche, FDP Fraktionsvorsitzender im Kreistag, erwartet nun auch massive Verluste aus der Beteiligung am Nordseewindpark in Borkum. „Bis heute werden von den Verantwortlichen die wirtschaftlichen Risiken des Offshore-Projektes der ÜWAG bei Borkum verschwiegen.“, so Klotzsche. Vor wenigen Tagen hat die Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda die Installation des letzten Windrades gefeiert. Die eigentliche Inbetriebnahme der Anlage steht aber noch immer aus. Ursprünglich war die Fertigstellung zwei Jahre früher geplant. Auch die Baukosten sind aus dem Ruder gelaufen und stiegen von ursprünglich 500 Millionen Euro auf nunmehr rund eine Milliarde Euro an.
Genau um diese verschleierten finanziellen Bomben in der Unternehmensbilanz zu entdecken, haben wir in der letzten Kreistagsitzung eine Sonderprüfung der Bilanz der RhönEnergie Fulda durch ein unabhängiges renommiertes Wirtschaftsprüfungsinstitut gefordert. CDU, Grüne und Landrat haben alle Aufklärungsversuche abgeblockt und erklärt, dass alle Fakten längst bekannt seien. Nun wird deutlich, dass nach wie vor dringender Aufklärungsbedarf besteht. Die RhönenergieFulda gehört nicht einer Partei, sondern den Bürgern von Stadt und Kreis Fulda“, so Klotzsche weiter. Für die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verheißen diese Neuigkeiten nichts Gutes. Im letzten halben Jahr ist der Strompreis an der Börse weiter gefallen, was die Verluste aus den Kraftwerksbeteiligungen noch weiter über die 55 Millionen Euro erhöhen kann.
Stellungnahme von Günter Bury, Sprecher der RhönEnergie-Geschäftsführung: "Keine Verluste, nur weniger Rendite"
"Die Stadtwerke (SW) Flensburg sind, ebenso wie die RhönEnergie Fulda GmbH mit 6,15 Prozent an der Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co KG (TWB) beteiligt. Dies entspricht einem Eigenkapital von 18,3 Millionen Euro. So viel zu den Gemeinsamkeiten. Wie bekannt ist, verzögerte sich die Errichtung des Windparks mehrfach, dies hing ganz wesentlich mit dem versprochenen, aber nicht zum vorgesehenen Termin fertig gestellten Netzanschluss des Übertragungsnetzbetreibers TenneT zusammen. Diese Verzögerungen hatten Kostensteigerungen zur Folge. Der Windpark wurde mit seinen 40 Anlagen nun zum 1. Juni 2014 fertiggestellt und hat etwas über 1 Milliarde Euro gekostet. Die Kostenüberschreitungen werden noch Gegenstand zahlreicher rechtlicher Auseinandersetzungen mit TenneT und anderen Lieferanten sein, da die Mehrkosten zunächst alleine von der Projektgesellschaft und den Gesellschaftern getragen wurden und jetzt natürlich Rückforderungen im Raum stehen.
Um den Windpark bis zum Ende durchfinanzieren zu können, mussten also die Gesellschafter so genannte „Nachfinanzierungen“ durchführen. Hierzu wurden Darlehen von allen Gesellschaftern – außer den SW Flensburg – an die TWB bereitgestellt. Diese Gesellschafterdarlehen wurden auf gemeinsamen Beschluss hin mit einem deutlich über dem Markt liegenden, hohen Zins versehen, quasi als wirtschaftlicher Anreiz zur Teilnahme. Infolgedessen kommen die SW Flensburg als Einzige auch nicht in den Genuss der hohen Zinsen für die Gesellschafterdarlehen, sondern erhalten nur die nachrangigen Ausschüttungen auf das Eigenkapital. Für alle übrigen Gesellschafter ergibt sich hingegen eine Rendite auf das Offshore-Projekt, die sich zusammensetzt aus der reinen Eigenkapitalverzinsung und der guten Verzinsung der Gesellschafterdarlehen. Für die meisten Gesellschafter bedeutet das Projekt daher nach wie vor keinen Verlust, auch wenn natürlich die ursprünglich prognostizierten Renditen nicht mehr erreicht werden.
Während die SW Flensburg aufgrund der Verweigerung der Nachfinanzierung eine teilweise Abschreibung ihres Eigenkapitalansatzes vornehmen mussten, ist dies bei der RhönEnergie Fulda nicht der Fall. Im gerade zurück liegenden Jahresabschluss 2013 hat die verantwortliche Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft mit ihrem uneingeschränkten Testat bestätigt, dass bei der TWB-Beteiligung der RhönEnergie Fulda kein Abwertungsbedarf besteht. Durch die jetzt erfolgte Fertigstellung des Windparks ist das Risiko der Beteiligung zudem deutlich gesunken. Wir erwarten aus dem Windpark in den nächsten Jahren positive Ergebnisse – daher kann von Verlusten keine Rede sein. Die von Herrn Klotzsche gemachte Aussage, fast das gesamte Eigenkapital der Gesellschafter sei verloren und keiner der Gesellschafter könne seine Investitionen refinanzieren, ist falsch.
Der am Windpark seit 2013 gemessene Windertrag liegt um ca. 15 Prozent höher als zum Baubeschluss geplant. Diese Fakten zeigen, dass die von Herrn Klotzsche angebrachte Kritik an unserer Investitionsentscheidung keine Grundlage hat. Vielmehr ist der Windpark ein von allen Seiten der Politik geforderter, wichtiger Baustein für die Umsetzung der Energiewende. In einem Verbund kommunaler Versorger haben wir uns dazu entschieden, die Energiewende in Deutschland mitzugestalten und dieses Feld nicht den vier Großkonzernen zu überlassen. Dieses Engagement wird uns derzeit nicht leicht gemacht – aber wir gehen davon aus, dass es sich schon mittelfristig lohnen wird." +++