✕

KOMMENTAR

Wenn die Final-Arena zur Großraumsauna wird


Fotos: Hans-Hubertus Braune, Julius Böhm

16.06.2014 / TISCHTENNIS - Sind wir doch mal ehrlich: aus Fuldaer Tischtennis-Sicht war der Finaltag um die Deutsche Tischtennismeisterschaft (Pfingstsonntag) ein Tag zum Vergessen. Wieder waren es diese verflixten Düsseldorfer. Die Jungs mit Superstar Timo Boll an der Spitze machten dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell einen Strich durch die Rechnung. Die Niederlage im alles entscheidenden Spiel. Keiner mag die Bayern im Fußball mit all ihren teuren Topstars und der obligatorischen Arroganz - so ähnlich ist es wohl mit den Borussen vom Rhein im Tischtennissport.



Doch Halt: Wir Fuldaer sollten nicht übermütig werden. Da hat TTC-Vize Claus Dieter Schad völlig Recht: "Wenn wir jetzt anfangen, uns nur noch über Pokale und Titel zu freuen, dann können wir den Laden hier zumachen. Immerhin war das die beste Saison unserer Vereinsgeschichte." So oder so können wir stolz auf den TTC sein. Fulda hat sich zu einer Tischtennis-Macht hinauf katapultiert.

Doch nicht nur der bittere Ausgang des Endspiels hat für einen, sagen wir, durchwachsenen Nachmittag in der Frankfurter Fraport-Arena gesorgt: Tropische Temperaturen, totales Chaos beim Catering, wenig Ordnung und dafür Sichtbehinderung in der Halle waren nur die Spitze des Eisbergs. TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle durfte sich am Sonntagnachmittag so einiges anhören: Es hagelte Kritik - und das auch zu Recht. Es kann nicht sein, dass man bei einer Sportveranstaltung mit 3.500 zahlenden Zuschauern vergisst, die Halle zu kühlen. Es war schließlich kein Geheimnis, dass am Pfingstwochenende der Hochsommer seine erste Visitenkarte in Deutschland abgeben wird. Hier hat der Veranstalter vor Ort schlicht falsch gehandelt.

Nicht nur den Tischtennis-Profis standen die Schweißperlen auf der Stirn. Die armen Kerle mussten Weltklasse-Sport abliefern und kämpfen - bei gefühlten 40 Grad an der Platte. Noch ärmer waren aber wohl die Zuschauer in den obersten Reihen dran. Die Fraport-Arena wurde zur Schwitz-Arena. Alles schön und gut, kann ja mal passieren. Dann hole ich mir eben an den Fressbuden etwas gegen die Dehydrierung und gleich noch eine Brezel hinterher, um den Elektrolyt-Haushalt in die Waage zu bringen. Dumm nur, dass die Warteschlangen vor den drei Catering-Stellen (für 3.500 Zuschauer !) schon während der Spiele gut 20 Meter lang waren. Zur Halbzeitpause brach dann alles zusammen. Und der Gipfel: ein Teil der angebotenen Speisen war prompt ausverkauft. Schlechte Kalkulation. Hallo? - Die Tickets wurden im Vorverkauf abgesetzt.

Dass Zuschauer in den untersten Reihen nichts vom Spiel sehen konnten, weil eine blinkende 1,30 Meter hohe Werbebande installiert wurde und dass in den Pausen hunderte Fans im Innenraum herumsprangen, war wohl nur das "Sahnehäubchen". Die Kirsche obendrauf gab es für die Presse: Keine vernünftigen Arbeitsplätze - man sollte sich auf einem normalen, engen Tribünenplatz setzen und mit dem Laptop auf dem Schoß arbeiten. Wir von osthessen-news.de können uns nur bei den Kollegen vom ZDF bedanken, dass sie uns an ihrem Tisch ein Plätzchen abgegeben haben. Sonst wäre die ON-Berichterstattung wohl etwas mau ausgefallen.

Die TTBL kann von Glück reden, dass die Akteure mit ihrem Weltklasse-Tischtennis einiges wett gemacht haben: Das Duell zwischen Timo Boll und Wang Xi war wohl eines der besten Spiele, die je auf deutschem Boden ausgetragen wurden. Da vergisst man schon mal die Querelen rundherum und genießt den Sport. Bis zum nächsten Großevent hat das Management noch jede Menge Arbeit und Lernbedarf, damit so ein Chaos nicht wieder passiert und sollte dies mit dem örtlichen Veranstalter analysieren. Schließlich soll auch das nächste Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft 2015 in der Frankfurter fraport-Arena ausgetragen werden. Dieses Mal gab es dafür nur die Note 6 - für die Sportler beider Mannschaften dagegen die 1 für Klasse-Tischtennis unter extremen Bedingungen. (Julius Böhm / Christian P. Stadtfeld). +++

X