"Nicht einfach, cool zu bleiben"
Neu-Nationalspieler Skhodran MUSTAFI im Exklusiv-Interview - mit VIDEO
Fotos: Hans-Hubertus Braune
21.05.2014 / FUSSBALL -
ON: Herr Mustafi, in welcher Verfassung befinden Sie sich nach der langen Saison und Ihrem ersten Länderspieleinsatz? Sind Sie fit?
Mustafi: In dieser Saison ist wirklich eine Menge los gewesen. Erst die lange und harte Saison für Sampdoria Genua und nun auch noch mein erstes Länderspiel für die Deutsche Nationalmannschaft - ich habe in dieser Saison deutlich mehr erreicht, als ich mir ursprünglich vorgenommen hatte - das motiviert natürlich und gibt Kraft für die kommenden Aufgaben.
ON: Nun zu Ihnen und der Nationalmannschaft: Joachim Löw hat Sie für das Spiel gegen Chile erstmals zur Nationalelf berufen. Sie stehen sogar im vorläufigen WM-Kader. Können Sie Ihren kometenhaften Aufstieg schon realisieren?
Mustafi: Es ist nicht so einfach bei den Dingen, die in den letzten Wochen passiert sind, cool zu bleiben. Wird man aufgeregt, passieren aber wieder Fehler, die einem nicht weiterhelfen. Als Fußballprofi muss man lernen mit Druck umgehen zu können. Ich habe es auch geschafft, den Durchbruch bei Sampdoria Genua zu verarbeiten - ich hoffe das gelingt mir wieder.
Mustafi: Bisher hatte ich nur drei Trainingseinheiten mit der Nationalmannschaft zu absolvieren. Ich freue mich auf das Trainingslager. Man lernt die Abläufe besser kennen, weiß was der Trainer will - ich hoffe einfach, dass ich mich für die WM empfehlen kann.
Mustafi: Wir sind ja alles keine Jugendspieler mehr. Man ist sofort ein Teil des Teams und wird ernst genommen. Für mich persönlich ist es noch einmal etwas anderes, da ich im Ausland spiele. Die anderen Jungs kennen sich fast alle aus dem Ligaalltag. Aber mit Mario Götze und Marcell Jansen aus alten HSV-Zeiten verstehe ich mich sehr gut.
ON: Charakterliche Stärke und beide Beine am Boden - das zeichnet Sie aus. So jedenfalls beschrieb sie Juniorennationalcoach Horst Hrubesch. Welche Rollen spielen da Ihre waldhessischen Wurzeln?
Mustafi: Das Gute ist, dass mich meine Eltern immer gleich behandelt haben. Auch wenn ich Fußballer war, wurde ich meinem Bruder gegenüber nie bevorzugt. Es ist natürlich immer wichtig zu wissen, wo man herkommt. Ich bin gerne in der Heimat bei meiner Familie und meinen Freunden. Mir wird auch immer bewusst wenn ich im Landkreis Hersfeld-Rotenburg bin, was das "normale" Leben ausmacht. Das hält mich auf dem Boden bei all dem was ich als Fußballprofi erleben darf.
ON: Sie sagen es - Ihnen ist der Traum vom Profisport gelungen - Was können Sie osthessischen Nachwuchskickern mit auf den Weg geben?
Mustafi: Wenn man versucht, sein Verhalten und seine Fehler zu entschuldigen hat man schon verloren. Es ist wichtig sich immer Ziele zu setzten und alles dafür zu geben, diese zu verwirklichen. Man muss aber auch kritisch zu sich selbst sein. Ich will den Kindern und Jugendlichen einfach zeigen, dass man es weit bringen kann. Keiner soll denken, dass er seine Ziele nicht erreichen kann, nur weil er aus der kleinen Region Hersfeld-Rotenburg stammt. Ich habe den großen Sprung geschafft - sie sollen sich wünschen, die nächsten zu sein. Ich genieße den Kontakt in die Heimat und bin auch sehr gerne hier.
ON: Nach Ihrem Nationalelf-Debüt brodelt die Gerüchteküche: Viele Bundesliga-Vereine, ja sogar die alte Dame aus Turin soll an Ihnen interessiert sein. Gibt es schon Wasserstandsmeldungen zu Ihrer Zukunft?
Mustafi: Ich habe mit dem Trainingslager in Tirol noch große Aufgaben vor mir, auf die ich mich konzentrieren will. Sollte mich Joachim Löw tatsächlich mit nach Brasilien nehmen, gilt meine ganze Aufmerksamkeit der WM. Ist dies nicht der Fall, werde ich mich nach meinem Urlaub mit meinem Vater und meinem Berater zusammensetzten und alle Angebote durchgehen. Wir werden schauen, was am besten für mich ist und dann entscheiden.
ON: Gibt es denn eine Traumstation?
Mustafi: Mein Traum war es immer Fußball auf der großen Bühne spielen zu dürfen. Wer sich meine bisherigen Stationen anschaut sieht, dass es mir eigentlich egal ist wo ich spiele. Aber die WM in Brasilien wäre schon ein Traum.
ON: Zum Abschluss: Ihr WM-Tipp?
Mustafi: Deutschland ist eine Turniermannschaft - schon immer gewesen. Ich denke die Mannschaft wird auch in Brasilien sehr weit kommen. Die Konkurrenz ist zwar groß, aber wir haben große Spieler in unseren Reihen.
ON: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen viel Glück beim Trainingslager in Südtirol und wünschen Ihnen natürlich, dass Sie am siebten Juni im Flieger gen Zuckerhut sitzen und Osthessen beim größten Fußballereignis der Welt vertreten. (Julius Böhm) +++