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KOMMENTAR

RESPEKT oder logische Konsequenz? Der "Fall" HOENEß

Uli Hoeneß im März 2011 bei seinem Auftritt in Fulda. Hier im Interview mit osthessen-news-Reporter Hans-Hubertus Braune
Archivfoto: Hendrik Urbin

14.03.2014 / REGION - Der neue "Atemlos in den Knast"-Hit wird überall angestimmt , Uli in gelb-schwarzer Gefängniskleidung, im Knastzimmer ein Bild von Erzfeind Jürgen Klopp - was musste der Präsident des FC Bayern München in den vergangenen Tagen an Hähme nicht alles hinnehmen. Das ist er gewohnt. Wenn 30.000 BVB-Anhänger von der Dortmunder Südtribüne aus "Hoeneß - Du Arschloch" brüllten - dem 62-jährigen Wurstfabrikanten hat das zumindest äußerlich überhaupt nicht gejuckt. Uli Hoeneß - ein Mann der austeilt und polarisiert. Nun ist der so tüchtige Bayer am Boden: Drei Jahre und sechs Monate Stadelheim statt VIP-Louge in der Allianz-Arena. 3,5, 19, 27,2 oder 28,5 Millionen Euro Steuern soll er hinterzogen haben. Wie viel genau - wer weiß das schon. Sicher nicht mal er selbst. In der Millionärs-Liga hält man sich offenbar nicht mit dem einen oder anderen Milliönchen auf. Mehr soll es werden - egal wie und wo. Da kommt die Schweiz doch gerade recht. Reichtumsoptimierung leicht gemacht - mal ehrlich, wer würde da nicht schwach werden?



Gut, wir als Ottonormalbürger, die sich freuen, wenn sie auf dem Schützenfest eine Plastikrose gewinnen, können sich das nicht so richtig vorstellen. Wir freuen uns, wenn am Monatsende noch ein "H" auf dem Kontoauszug steht, andere - Leute wie Uli Hoeneß - freuen sich, wenn die Gewinnmaximierung stimmt. Gestern hat er dafür sein Urteil vom Münchener Landgericht II bekommen: Haftstrafe statt Freispruch. Das Urteil hat Hoeneß offenbar tief ins Mark getroffen. Ein Manager, der genau wusste, wie er seine Fans und die Bevölkerung im Allgemeinen um den Finger wickelt, soll ins Gefängnis. Tür an Tür mit Schwerverbrechern, mit Mördern, mit Vergewaltigern?

Dem FC Bayern zu Weltruhm verholfen

Kaum jemand konnte sich das bis heute morgen vorstellen, dass Hoeneß nicht doch noch einen Ausweg sucht, um dies zu verhindern. Revision hieß das Zauberwort, Hoffen auf den Bundesgerichtshof. Doch Hoeneß hat die Reißleine gezogen. Schluss, Aus, Vorbei. Alle Ämter bei seinem geliebten FC Bayern niedergelegt. Zu Weltruhm hat er der Mia san Mia-Meute verholfen. Wirtschaftlich wie sportlich eine Macht im Fußball des 21. Jahrhunderts. Und jetzt? Was will Hoeneß mit seinen überraschenden Schritten bewirken? Weiß er, dass eine Revision keinen Sinn macht? Gibt es noch mehr Konten, die bislang im Verborgenen geblieben sind? Ist es die Aussichtslosigkeit?

Ich denke, dass auch dieser Schritt wohl überlegt ist und kein Akt der Gutmütigkeit - eher wohl kalkuliert und eher dem Druck der Geschäftspartner geschuldet. Es ist ein Akt der Verzweiflung. Ein Untergang, der in die Wirtschafts- und Sportgeschichte eingehen wird. Viele Bayern-Fans erheben den Finger und sagen, dass die Berichterstattung, die Hetzjagd auf Hoeneß ungerecht sei. Mörder, Kinderschänder, Vergewaltiger - darüber schert sich die Öffentlichkeit nicht. Ganz klar: man darf Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Mörder, Kinderschänder, Vergewaltiger - für die kann keine Strafe hart genug sein. Da gibt es kein Pardon, keine Weichspüler.

"Wer austeilt..."

Im Fall Hoeneß ist es doch so: Jahrelang hat es der Bayern-Präsident verstanden, seinen Klub, seine Strategie, sein Wirken bei Veranstaltungen - etwa 2011 in der Esperantohalle in Fulda oder 2012 in Bad Hersfeld - zu verkaufen. Mit wohl kalkulierten, wortgewaltigen Sprüchen. Ehrlich, mich - der auch weiter inbrünstig den Toten Hosen-Anti-Bayern-Song mitbrüllt - hat er damals auch zumindest beeindruckt. Er hat polarisiert - und zwar bewusst. Nun bekommt er die Keule zu spüren. Wie heißt es doch: wer austeilt...

Aber damit muss jetzt Schluss sein. Hoeneß hat das Urteil angenommen und seine Konsequenzen gezogen. Was bitte, soll er noch mehr machen? Die Steuerschuld samt Zinsen zurückzahlen. Selbstverständlich. Der 62-Jährige hat praktisch sein Lebenswerk, sein tägliches Handeln aufgegeben - das trifft ihn sicher am härtesten. Ich glaube zwar nicht, dass er wirklich in Stadelheim oder sonst wo in einem Knast in Deutschland einsitzen wird. Offener Vollzug nennt man die moderne Form. Er ist bestraft, es besteht wohl kaum Fluchtgefahr - und dies unterscheidet den Mann von der Strahlkraft eines Uli Hoeneß von anderen Steuersündern. Im ersten Moment nach dieser Nachricht habe ich auch von Respekt gegenüber seiner Entscheidung gesprochen - doch mittlerweile meine ich: Es ist eine logische Konsequenz. Mit seiner Geldgier - nichts anderes ist Steuerhinterziehung - hat er sein Ansehen, seine Wohltaten leichtfertig verzockt.

Wir kleinen Leute können jetzt nur hoffen, dass dieser Prozess ein gehöriger Warnschuss ist für all die Manager, Reichen dieser Republik. Zahlt Eure Steuern - so wie wir. Wir sorgen immerhin mit unserem Konsumrausch für Eure dicken Konten. Aber, es wird sein wie immer. In zwei, drei Wochen spricht keiner mehr von Uli Hoeneß. Und in den Steueroasen dieser Welt paffen die Millionaros weiter genüßlich ihre Bossner-Zigarren - es geht einfach weiter in dieser Zockerwelt. Und die Deppen sind und bleiben auch weiterhin die kleinen Steuerzahler. (Hans-Hubertus Braune) +++

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