✕

Entführung auf die grüne Insel:

Irische Tänzer "Magic of the Dance" begeistern



04.02.2014 / FULDA - Schneller, immer schneller klackten die Sohlen der Tänzer auf dem Bühnenboden. Unweigerlich spannten sich die Rücken der Zuschauer, der eine oder andere Fuß wippte mit. Die Magie des irischen Tanzes schwappte tatsächlich schon nach wenigen Minuten auf das Publikum über. Mit unglaublicher Kraft und Behändigkeit wirbelten die Künstler von „Magic oft the Dance" umher, stets das Tempo und die Verve steigernd. Die Geschichte, die die irischen Tanzarten erzählen, soll den Bogen von traditionellem Ursprung der gälischen Tänze und dem Irland des 20. Jahrhunderts spannen.



Die Stimme von Sir Christopher Lee (bekannt aus „Herr der Ringe" und „Star Wars") nimmt das Publikum mit auf eine Zeitreise: Bevor sie aus dem von der großen Hungersnot geplagten Dublin gen „Neue Welt" flüchten, verlieben sich die Protagonisten (Collette Dunne, Ciaran Maguire) während des Abschiedsfestes ineinander. Ihre irischen Dämonen (Michelle Lawrence, Brian Berry) sollen Leid, Armut und Hunger der Heimat darstellen. Nach der Ruhepause für Tänzer und Zuschauer ging es auf der Bühne amerikanisch zu: Im „Cotton Club" wurde gesteppt, wie die Amerikaner es eben tun. Im Smoking, mit Lackschuhen und zu obligatorischem Jazz auf Tonnen, Holzhockern und auf dem Boden. In der folgenden Tanz-Battle, in der die Iren mit „ihrem" Stepptanz gegen die Amerikaner antreten, stellten die Solisten ihre Fertigkeiten unter Beweis. Bisweilen kam das Auge kaum mit den schnellen Bewegungen der Füße mit. Mit Witz und Gelenkigkeit wurde selbst der letzte Tanzmuffel im Saal überzeugt.

In der nicht ganz gefüllten Esperantohalle vermisste ich am Montagabend eines: Die ganz besondere Atmosphäre, die solche Abende haben sollten. Schlagen die Karten mit 60 Euro zu Buche, ist es mit dem ganzen Drumherum eben kein ganz preiswertes Vergnügen. Ein weiterer (erheblicher) Nachteil war die mir deutlich zu laute Musik mit Stepp-Klackern vom Band. Die dadurch entstandenen Irritationen konnten sogar die wirklich auf den Punkt synchron tanzenden Künstler nicht überbrücken. Die eingespielten Taps wären auch gar nicht nötig gewesen, waren die Schuhe selbst schon mit Mikrofonen zur Verstärkung ausgestattet. Das Scheppern in meinen Ohren konnten nur die Tänzer selbst vertreiben, als sie vollkommen ohne Musik-Keule und pyrotechnische Knalleffekte ihre Füße sprechen ließen und die Freude am Steppen die Bühne erfüllte. Die Show sollte sich ins fast Unermessliche steigern, was leider der Qualität nicht zu Gute kam. Ciaran Maguire hätte keine brennenden Füße gebraucht, um mich zu begeistern. (Anna Medlin)+++

X