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Bunte Mützen und laute Ratschen - Reportage TEIL 1 // Osthessen|News
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Biathlon-Weltcup

Bunte Mützen und laute Ratschen - Reportage TEIL 1

Fanclub aus Niedersachsen
Fotos: Barbara Enders

09.01.2014 / OBERHOF - Es stand erst nicht fest - wird der Biathlon stattfinden, wird er nicht stattfinden. Die Oberhofer haben es geschafft, ihn doch in das thüringische Wintersportmekka zu holen. Rhön-aktuell Mitarbeiterin Barbara Enders war vor Ort und hat sich einmal an zwei eingefleischte Fans rangehängt. Lesen Sie heute den ersten und morgen den zweiten Teil ihrer Reportage:



Katja und Harald aus Iphofen sind echte Biathlon-Fans. Veranstaltungsorte wie Antholz oder Ruhpolding werden ihnen im Winter fast zur zweiten Heimat. Wir treffen die beiden beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Wir sind zum ersten Mal hier, für die beiden ist es der 15. Besuch in Oberhof.

Ihr Outfit spiegelt ihre Leidenschaft wieder. Neben unbedingt nötiger dicker Jacke, Mütze und Schal trägt Harald einen rot-weißen spitzen Hut, über und über mit Anstecknadeln vieler Veranstaltungen bedeckt. Die breite Krempe schmücken kleine Spielzeugmännchen als Skiläufer, Fahnenträger oder ein Moderatorenmännchen mit Mikrofon. Dass der Moderator eigentlich einen „Anheizer" oder Animateur darstellen soll, merken wir, als wir uns an langen Reihen von Essens-, Getränke- und Souvenirständen vorbei bis zu unserem Block durchgekämpft haben, so nennen sich die einzelnen Zuschauerbereiche in der Oberhofer Sportarena. Direkt vor uns liegen Start- und Zielbereich. Die anderen Blöcke links von uns münden in einer 90°-Kurve, die neben dem Schießstand endet.

Es kann nichts schief gehen

Als wir unseren Stehplatz eingenommen haben, ganz oben im Block, der guten Sicht wegen, haben wir endlich Zeit, uns ausgiebig umzuschauen. Seit unserer Ankunft in Zella-Mehlis, wo wir in den Shuttle-Bus umgestiegen sind, gibt es ständig etwas zu bestaunen. Zuerst ist uns die große Polizeipräsenz aufgefallen. Wir können uns richtig sicher fühlen, hier kann ja gar nichts passieren.

Am Parkplatz wurden wir von vielen freundlichen Helfern eingewiesen, gleich am Straßenrand war mit rot-weißem Trassierband ein langer schmaler Gang abgesteckt, hier stellten wir uns hinter gefühlten 200 anderen Leuten an, um in den Bus einzusteigen. Es ging entgegen unserer Befürchtung richtig flott, ein Bus nach dem anderen nahm die Flut von Besuchern auf, die alle die gleiche Idee wie wir gehabt haben.

Mit dem Shuttle zum Cup

In Oberhof wurde es interessant. Kurz vor dem Wettkampfareal stauten sich die anreisenden Fahrzeuge. Uns ließ das kalt, wir hatten ja ein (Großraum-)Taxi und bestaunten die Kennzeichen der am Straßenrand geparkten Fahrzeuge, die aus ganz Deutschland kommen!Beim Betreten des Sportgeländes wurden unsere Eintrittskarten gescannt, ein Sicherheitsmann kontrollierte unseren Rucksack. Die Wasserflasche musste draußen bleiben, die Thermoskanne wurde uns großzügig gelassen.

24.000 Besucher

Bei diesen Menschenmassen wundern wir uns, wie geordnet das alles abläuft. Die Haupttribüne, auf der wir uns jetzt befinden, fasst laut unsere Informationen 8000 Besucher, eine weitere mobile Tribüne zu unserer rechten bietet nochmals Platz für 4.000 Besucher und die dahinterliegende Waldtribüne fasst 1.500 Gäste, allesamt Stehplätze. An diesem Tag sind wir zusammen mit 24.000 Besuchern hier in der Oberhofer Skiarena. Von der Waldtribüne aus hat man nicht die tolle Sicht, wie wir sie vom Block G genießen können, dafür gibt es dort ebenso wie in der Mitte der Arena eine große Videowand, die allerdings etwas verzögert überträgt. Das wird uns später bewusst, als die Athleten auf die Bahn geschickt werden und zum ersten Liegendschießen ins Stadion kommen.

Anheizer zum Aufheizen

Vor Beginn der Veranstaltung trainieren die Anheizer mit uns Zuschauern das Anfeuern der Sportler. „Hey"! sollen wir rufen, wenn die Sportler mit ihrem Schuss ins Ziel treffen und laut jubeln, wenn sie fertig sind. Zwischen den Anheizern hüpfen einige Maskottchen in Schneemannkostümen herum. Zwischendurch gibt es Laola-Wellen von der Kurve bis zur Waldtribüne und immer wenn man das Gefühl hat auszukühlen, wird mitreißende Musik eingespielt und eine riesige Menschenmenge singt und tanzt sich warm und vertreibt sich die Zeit bis zum Wettkampfstart.Auch die Athleten laufen sich warm und kommen dabei immer wieder durch die Arena. Überall stehen Kameraleute und Fotografen und drüben im Pavillon auf der Holzbrücke leuchtet der rote Haarschopf von Kati Wilhelm, angestrahlt von den Scheinwerfern der Fernsehkameras.

Und bei all dieser bis ins letzte, hochtechnisierten Organisation fällt und die harte Handarbeit auf, ohne die es glücklicherweise doch noch nicht geht: Auf der Strafrunde drehen wohl auch zwei Helfer ihre Strafrunde und ziehen eine mit länglichen Gegenständen beschwerte Platte hinter sich her, gefolgt von Helfern, die aus großen Eimern schwungvoll Streusalz auf die Loipe werfen.

Das Rennen beginnt

Endlich ist es soweit. Die Norweger Ole Einar Björndalen und Emil Hegle Swendsen gehen als erste in die Loipe, Martin Fourcade folgt nach nur wenigen Sekunden. Natürlich kommen sie auch in der gleichen Reihenfolge wieder zum Schießen in die Arena. Der Stadionsprecher lenkt die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer auf die Schießbahnen 1 bis 3, aber nur solange, bis der erste Deutsche im Schießstand eintrifft. Jetzt lenkt der Sprecher das allgemeine Interesse auf Arnd Peiffer, der auf der 7 schießt. Fourcade, der spätere dritte Sieger, ist vergessen, die Aufmerksamkeit aller liegt neben Peiffer auf der Matte und verfolgt jeden Schuss auf genaueste.

Erst beim dritten Schießen, dem ersten Stehendschießen, bleibt der Sprecher bei den Führenden des Wettkampfes, denn Björndalen macht zwei Schießfehler und muss in die Strafrunde, gute Gelegenheit für Swendsen, in Führung zu gehen. Fourcade kann trotz guter Leistung keinen Platz mehr gutmachen und erreicht als dritter hinter den beiden Norwegern das Ziel. Bester Deutscher wird Christoph Stephan aus Oberhof auf Platz 11 vor Arnd Peiffer. Dessen Fanclub, ganz in Rot gekleidet, jubelt. 

Überhaupt ist die Bekleidung bei diesem Event etwas ganz besonderes. Ohne lustige bunte Mütze scheint hier gar nichts zugehen! Wenn es kein Spaßhut sein soll, muss es zumindestest eine Kopfbedeckung vom DSV-Fanshop sein, die Preise liegen bei 40 Euro, uns genügen die mitgebrachten Wärmehüllen. (Barbara Enders)

Lesen Sie morgen den zweiten Teil der Reportage.  +++

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