✕

Bangen um das „Lädchen für alles": Anfang Dezember fällt Entscheidung

Sandra Meyer, selbst Eichhöferin, arbeitet mit Freude an der Aufgabe, ihren Kunden einen guten Einkauf und freundliche Begegnungen zu ermöglichen
Fotos: Stefanie Harth

12.11.2013 / BAD HERSFELD - Das „Lädchen für alles" in der Bad Hersfelder Eichhofsiedlung ist wirklich alles: Einkaufsmöglichkeit, Treffpunkt, Eingliederungshilfe. Es ist ein Lebensmittelmarkt mit etwa 1.500 Produkten für den täglichen Bedarf. Eine Begegnungsstätte für die Eichhöfer sowie für andere Kunden und zugleich ein Treffpunkt für behinderte und nicht-behinderte Menschen. Ein Ort, der psychisch kranken Menschen die Möglichkeit eröffnet, ins reale Arbeitsleben hineinzuschnuppern. Eine Anlaufstelle, die eine einmalige Chance für ein soziales Miteinander bietet. Schöne heile Welt, könnte man denken. Wäre da nicht die Kasse, die ein dickes Minus aufweist, was bei den Verantwortlichen der „Brücke", dem Verein für Psychosoziale Hilfe im Kreis Hersfeld-Rotenburg, für Kopfzerbrechen sorgt.



„Sicherlich war uns - als Träger des ‚Lädchen für alles’ - von Beginn an bewusst, dass man mit einem solchen Konzept keine Rekordumsätze erzielen kann", erläutert Erwin Binkofski, geschäftsführender Vorstand der „Brücke". „Uns ging es von Anfang an vor allem um den sozialen Profit." Dennoch müssten die Geschäfte rentabel bleiben und sich die roten Zahlen in Grenzen halten. „Um den Fortbestand des Lebensmittelmarktes sichern und die laufenden Kosten abdecken zu können, bräuchten wir einen täglichen Umsatz von etwa 1.500 Euro", erklärt Erwin Binkofski. „Eine Summe, die momentan reinste Utopie ist." Dabei gebe es eine große Bereitschaft, die Betreiber des Lädchens zu unterstützen und zum Durchhalten zu bewegen. „Wir haben sehr gute Signale bekommen, dass wir weitermachen sollen. Ein Großteil der Eichhöfer, der Ortsbeirat, die Siedlungsgenossenschaft - wirklich alle stehen hinter uns", streicht der „Brücken"-Vorstand heraus.

Zudem hätten die Stadt Bad Hersfeld, die Stadtwerke und die Sozialen Förderstätten ihre Unterstützung zugesichert. Dennoch müsste in den nächsten drei Wochen eine Entscheidung gefällt werden. Und zwar am 2. Dezember. Kein leichtes Unterfangen für die Verantwortlichen. „Wir haben jetzt ein knappes Jahr lang soviel Herzblut in unser Lädchen gesteckt, dass wir in Kooperation mit tegut und in regem Austausch und enger Unterstützung durch die Siedlungsgenossenschaft Eichhof betreiben", meint Erwin Binkofski. „Alles in allem eine schöne, erfüllte und lehrreiche Zeit, wäre da nur nicht dieses dicke Minus." Man könne eben nicht alle Leute dazu zwingen, in der Eichhofsiedlung ihren Einkauf zu tätigen und das Prinzip des „Lädchen für alles" wertzuschätzen.

Ein soziales Prinzip, das breiten Anklang findet - aber wohl dennoch nicht genug, damit die Vision vom „lebendigen Lädchen" für lange Zeit erfüllt wird. Bleibt nur die Hoffnung, dass sich ein Silberstreif am Horizont zeigt. Doch bis dahin gilt es, Solidarität für das „Lädchen für alles" zu bekunden. Neben dem täglichen Einkauf bietet sich dafür am Donnerstag, 14. November, eine gute Gelegenheit, wenn das Team des Lädchens ab 12 Uhr zum Suppentag bittet. Sich Geschäftsräume und Pavillon mit Leben füllen, Zeit für ein Schwätzchen bleibt und soziales Miteinander gepflegt wird. (Stefanie Harth) +++

X