Performance Fibers GmbH: Große Sparmaßnahmen in der Welt der Fäden
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08.11.2013 / BAD HERSFELD -
Hoechst, Hoechst Trevira, Kosa, Invista Resins & Fibers, Performance Fibers – der Bad Hersfelder Kunstfaser-Hersteller hatte schon viele Namen. Und stand – schenkt man den Klatschgeschichten aus dem letzten Jahrzehnt Gehör – mindestens viermal kurz vor der Schließung. Jetzt brodelt es abermals am Standort am „Hoechster Kreisel". Der Grund: Die Geschäftsführung möchte drastische Sparmaßnahmen durchsetzen. Von fünf Millionen Euro ist dabei die Rede. Entsetzen bei den rund 330 Mitarbeitern, die sich nun täglich fragen: „Um welchen Preis?"
„Fakt ist, dass die Unternehmensleitung einen eigenen Haustarif – mit massiv reduzierten Leistungen – erwirken will", erläutert Volker Weber, Landesbezirksleiter für Hessen und Thüringen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). „Angeblich möchte sie damit erreichen, den Standort Bad Hersfeld wettbewerbsfähiger zu machen." Von einer Absenkung oder Anpassung jeglicher tariflicher Leistungen sei dabei die Rede. Konkret stehen eine dauerhafte Gehaltsabsenkung um zehn Prozent, eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 39,4 Stunden, eine Reduzierung der Feiertags- und Schichtzulagen sowie Kürzungen des Jahresurlaubs im Raum. „Eine angebliche Entlastung des Arbeitgebers, der zu einer höheren Belastung der Beschäftigten führt", stellt Volker Weber klar. „Mehr Arbeit, weniger Einkommen – damit ist die Belegschaft schon seit Langem in Vorleistung gegangen: In den letzten drei Jahren hat Performance Fibers auf diese Weise fast neun Millionen Euro eingespart." Neun Millionen Euro, die nicht (merklich) in die Zukunftserhaltung des Standortes investiert worden seien.
Bislang seien die Verhandlungen mit der Geschäftsführung bzw. der „Haustarifkommission" sehr zäh verlaufen. Der IG BCE-Landesbezirkschef verlangt vor allem eines: mehr Transparenz. „So konkret die Forderungen des Arbeitgebers sind, so nebulös werden die Aussagen, wenn es im Gegenzug um Garantien für den Erhalt der Arbeitsplätze geht", erklärt er. „Es scheint, als habe die Geschäftsleitung am hiesigen Standort kaum Spielraum für Verhandlungen." Am kommenden Montag, 11. November, sei eine weitere Gesprächsrunde angesetzt. Bis dahin, werde man sich entscheiden, ob es überhaupt sinnvoll sei, diesen Termin wahrzunehmen sowie auf der jetzigen Grundlage zu konferieren.
Spätestens Ende 2017 wird sich somit zeigen, ob der neue Kurs, den Performance Fibers einschlagen will, Früchte trägt und die Fäden im krisengeplagten Werk noch immer rundlaufen: Vorausgesetzt, dass sich die Fronten zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft klären. (Stefanie Harth)+++