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Länger Party gemacht oder länger geschlafen? - Uhren in der WINTERZEIT

In der Nacht von Samstag auf Sonntag springt um Punkt 3 Uhr der Zeiger zurück auf 2 Uhr

27.10.2013 / REGION - Und halbjährlich grüßt das Murmeltier: Wir hatten den letzten Samstag des Oktobers und das bedeutet, dass die Uhren in dieser Nacht, von Samstag auf Sonntag, auf „Winterzeit" zurückgestellt wurden. Konkret bedeutete das, dass der Stundenzeiger aller Uhren um drei Uhr morgens auf zwei Uhr zurücksprangen. Einige Feierwütige freuten sich auf eine Stunde Extra-Party in den Fuldaer Kneipen und Clubs. Wieder andere genossen eine geschenkte Stunde Schlaf, die nach einer anstrengenden Arbeitswoche sicher gut tat. Doch die meisten werden sich fragen, was es mit der „Winterzeit", die eigentlich „Normalzeit" heißt, eigentlich auf sich hat.


Im Jahre 1916 wurde die „Sommerzeit" zum ersten Mal im damaligen Deutschen Reich eingeführt. Kurze Zeit später auch Großbritannien und Irland, die die Zeitumstellung mit „Daylight Saving Time" – zu Deutsch: Tageslichtsparende Zeit – umschrieben. Die aktuell gültige Zeitumstellung wurde in Deutschland mit dem sogenannten „Zeitgesetz" 1980 eingeführt. Ziel war es, durch bessere Ausnutzung des Tageslichtes, Energieeinsparungen zu verzeichnen. Seit jeher wird über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme diskutiert, da die Vorteile der Zeitumstellung als umstritten gelten.

So belegen Statistiken des Bundesumweltamtes, dass durch die Umstellung der Uhren auf "Sommerzeit" abends zwar weniger Lichtstrom verbraucht werde, dafür jedoch in den kälteren Monaten, wie März und Oktober, Heizkosten anstiegen. Insgesamt steige der Energieverbrauch sogar an. Deshalb glauben auch zwei Drittel der Deutschen, laut einer Umfrage der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK) nicht an eine Einsparung von Ressourcen. 

Mediziner stehen dem Wechsel von Sommerzeit (MESZ) auf Normalzeit (MEZ) deutlich kritischer gegenüber und warnen: Der Mensch ist ein Lebewesen, welches einer inneren Uhr folgt, die durch Hormone gesteuert werden. Besonders der Dunkel-Hell-Rhythmus beeinflusst die Ausschüttung des „Schlafhormons" Melatonin, welches bremst und müde macht. Schon kleine Schwankungen können diesen Rhythmus durcheinanderbringen. Schlafstörungen, mangelnde Konzentration und ein ganztägiges Müdigkeitsgefühl können die Folge sein. Zwischen vier und 14 Tagen dauert in der Regel die Anpassungsphase. Nur die Wenigsten bleiben unbeeinflusst. Senioren, Kinder und erkrankte Menschen sind häufig besonders betroffen. Kurios ist auch, dass an Montagen nach der Zeitumstellung mehr Verkehrsunfälle passieren, als an "gewöhnlichen" Montagen.

Die Deutsche Bahn hat auch so ihre Probleme mit der Zeitumstellung. Die Einhaltung der ohnehin schon engen Zeitpläne wird durch die Sommerzeit erschwert, bzw. schlichtweg unmöglich gemacht, weil eine Stunde fehlt. Zur Winterzeit lässt die Bahn ihre Nachtzüge in der Nacht zum Sonntag an einem Bahnhof entlang der Reisestrecke anhalten um sicherzustellen, dass sie ihre Ziele fahrplanmäßig erreichen. S-Bahnen machen keine Pause, sondern setzen ihre Fahrt ohne Unterbrechung fort. In den Bahnhöfen und Diensträumen, in Automaten und Steuerungssystemen mussten etwa 120.000 Uhren eine Stunde zurückgestellt werden. Dies geschah meist automatisch.

Nun stellt sich auch die Frage wie Unternehmen und Institutionen im Schichtdienst auf die Extra-Arbeitsstunde reagieren. "Wir haben bei der Polizei ein computergesteuertes Zeitmanagement-Programm, welches die Arbeitszeiten der Kollegen genau erfasst. Somit sammeln alle Polizeibeamten, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag für unsere Sicherheit unterwegs sind, eine Überstunde", erklärte Martin Schäfer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen. Bei der Feuerwehr Fulda sieht das anders aus: "Bei uns wird diese Stunde nicht erfasst", berichtete Bernd Gottschalk, Leiter der Fuldaer Leitstelle. "Unsere Mitarbeiter bekommen keine Gutschrift." - Pech gehabt.

Den Partylöwen und Feierwütigen wird es egal sein: Für sie stand eine Stunde Extra-Party im Fuldaer Nachtleben auf dem Programm. Vergessen Sie also nicht ihre Uhren "zurückzustellen" - nicht dass Sie beim Brunch am heutigen Sonntag zu früh erscheinen und ihre kostbare Zusatzstunde damit verschenken. (jub)+++



Bilder: Julius Böhm

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