Feuerrede: Gereimtheiten & Ungereimtheiten, heiße Eisen & Samthandschuhe
21.10.2013 / BAD HERSFELD -
Ein Bagger rollte an. In seiner Schaufel transportierte er genügend Erde, um später das noch schwach lodernde Lullusfeuer zu ersticken. Mehrere mit Wasser gefüllte Eimer standen ebenfalls bereit, das zusätzlich der Flammenglut zu Leibe rücken sollte. Die letzten mitgebrachten Kastanien landeten zielgerichtet in der Feuergrube, aber ihr sonst so fröhliches Knistern blieb aus. Es war noch eine Stunde Zeit bis zur ersten Ansprache des Feuermeisters, aber hinter der Absperrung sammelten sich bereits viele „Herschfeller" und sicher auch „Hergeloffene", um hautnah den mit Spannung erwarteten gereimten Worten von Klaus Otto, mit der er die Geschehnisse in der Lullusstadt im vergangenen Jahr kommentiert, zu lauschen.
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Kurz vor 19 Uhr an diesem milden Sonntagsabend bahnte sich der Feuermeister an der Seite von Bürgermeister Thomas Fehling und dem Ersten Stadtrat, Prof. Lothar Seitz, gefolgt von den Honoratioren der Stadt den Weg durch die Menschenmenge, angekündigt durch den Trommelwirbel einiger Musiker vom Stadtmusikverein. Bevor er die „Hersfelder Geschichten" auspackte und letzte Attacken erschallten, wurde es noch einmal still rund um das Lullusfeuer. Klaus Otto erinnerte in einem Nachruf zunächst an den am 15.06. dieses Jahres verstorbenen Alt-Bürgermeister Hartmut-Henning Boehmer, der in den 27 Jahren seiner Amtszeit die Geschicke der Lullusstadt ganz entscheidend geprägt habe.
Dann kamen nach und nach die Aufreger zur Sprache wie der unsägliche Streit zwischen Rechtsanwalt „Kreissl" und Kreisanzeiger-Redakteur „Fröhnert" übers deutsche Rechtssystem, für den sich der Feuermeister „heut´ noch schämt". Ganz klar sprach er sich gegen den geplanten Windpark am Wehneberg aus und vermutet, dass sich mancher damit wohl die „eigenen Kippen voll machen will". Zustimmender Applaus. Die Umbenennung des Schilde-Parks in „Harmut-Henning Boehmer Park", die ja inzwischen vom Tisch ist, thematisierte er ebenso wie die Wiedereröffnung des Restaurants „Konrads", bei dem man auf der Terrasse auch bei Regen im Strandkorb den Blick auf den Schilde-Park genießen kann. Das neue Geschäfts- und Einzelhandelshaus, das im alten HZ-Gebäude in der Klausstraße entstehen wird, ist nach seiner Einschätzung ein Segen für die Unterstadt.
Neben dem Lullusfest haben die Bad Hersfelder Festspiele eine ganz besondere Strahlkraft. „Respektlos" empfindet Klaus Otto die unsäglichen Diskussionen und Streitereien hinter und neben der Bühne und mahnt alle handelnden Personen, sich ihre Verantwortung bewusst zu machen.
Die heftige Rauchentwicklung rund um die Feuergrube ließ eine freie Sicht auf eventuell betretene Gesichter, weil Mitwirkende am öffentlichen „Possenspiel", nicht zu. Kaum hatte er das eine Trauerspiel abgehakt, merkte er an, dass aus dem Lullusfestzug kein Trauerzug werden sollte. Es fehlen Kapellen, er ist zu kurz und braucht neue Ideen.
Langsam neigten sich die „Grabrede" und damit das friedlich verlaufende Lullusfest 2013 dem Ende zu. „Mit Wasser und mit Erden" wurde das Lullusfeuer begraben und der „Lollsfrieden" gleich mit. Die Honorationen der Stadt griffen beherzt zu den obligatorischen Schaufeln und Bürgermeister Thomas Fehling goss nicht Öl, sondern Wasser in die Feuerglut. Ein allerletztes Mal erschallte ein kräftiges „Enner, zwoon, dräi – Bruder Lolls", während auf dem Rummel noch reger, vergnüglicher Betrieb herrschte. Herzlicher Applaus, aber kein frenetischer Jubel, für die erste Lollsrede von Feuermeister Klaus Otto, bei der er manch „heißes Eisen" angepackt hat, aber vielfach noch mit Samthandschuhen (Gudrun Schmidl). +++