15.10.2013 / BAD HERSFELD -
Das Imitat aus Pappmaschee in Bronzeoptik – aber in Originalgröße – baute mit viel Geschick und Kreativität Abt Klausius, der im wahren Leben auf den Namen Klaus Strippel hört. An den Geschäftsmann richtete vor knapp zehn Jahren der damalige städtische Touristik-Fachmann Sigurd Koch die Anfrage, ob er als Mönch werbewirksam für das berühmte, im Jahr 769 von Erzbischof Lullus gegründete Kloster auftreten würde. Die Idee gefiel dem „Auserwählten", aber allein wollte und konnte er das nicht machen. Er fragte im Freundeskreis und bekam noch am gleichen Tag eine erste Zusage von Gärtnermeister Henner Göbel, ebenfalls ein Hersfelder Urgestein. Fleischermeister Udo Baumgardt, der zehn Jahre lang das ehrenvolle Amt des Feuermeisters ausübte, gehört ebenfalls zur Stammbesetzung.
Zahlreiche weitere Klosterbrüder bilden die ansehnliche Statisterie bei öffentlichen Auftritten. In ihren eigenen oder von der Stadt Bad Hersfeld zur Verfügung gestellten schlichten Mönchskutten, die aus dem Fundus der Festspiele ergänzt werden, bringen die Mönche einen Hauch Mittelalter in die Stadt. „Die Novizen müssen keine „echten Herschfeller" sein", betont Henner Göbel und ergänzt: „Sie müssen allerdings die Kutte tragen und ehren können". Es ist den Männern sehr wichtig, dass sie sich nicht permanenten, sondern nur zu besonderen Anlässen zur Verfügung stellen. Jedes Jahr zur Festspieleröffnung ist es ihre Aufgabe, die Honoratioren der Stadt und die Ehrengäste vom Rathaus zum Festakt in die Stiftsruine und nach der Premiere im Fackelschein zur Feier in die Schilde-Halle zu begleiten.
Wenn die Mönche nicht reden, dann singen sie. Unvergessen ihr Auftritt mit gregorianischen Gesängen auf der Geburtstagsfeier ihres Bruders Reinhardus (Reinhard Rauche), der sich im wahren Leben besonders gut mit Weinen auskennt. Er hätte sicher fachkundig den Weinkeller und die Brauerei des Klosters betreuen können. Auch Udo Baumgardt hätte das echte Leben im Mittelalter gern mal ausprobiert. Henner Göbel winkt ab, erinnert an das Keuschheitsgebot und zitiert Papageno aus der Oper „Die Zauberflöte": „Immer ohne Weibchen leben, wäre wahrlich Höllenglut". Wärmende Feuerglut lockt seit gestern, heute und in den nächsten Tagen die Lollsbesucher und natürlich auch die „Hersfelder Mönche" ans „Fierche". „Lolls liegt allen Alt-Hersfeldern im Blut", versichert Udo Baumgardt, der sich an die Zeit erinnert, als er in Bayern gelebt hat. „Das tut weh, wenn man nicht dabei sein kann. Ein Jahr ohne Lolls ist ein verlorenes Jahr. Jetzt mit den Mönchen geht es noch tiefer rein." (Gudrun Schmidl) +++