Elektromobilität trifft Handwerk:
Enders zeigt in Fulda, was moderne Nutzfahrzeuge können
Fotos: Marvin Hucke
06.11.2026 / FULDA -
Ein Transporter ist längst nicht mehr einfach nur ein Transporter. Ob Handwerksbetrieb, Lieferdienst oder Dienstleistungsunternehmen: Die Anforderungen an gewerblich genutzte Fahrzeuge sind so unterschiedlich wie die Branchen selbst. Hinzu kommt eine Frage, die zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie alltagstauglich sind elektrische Nutzfahrzeuge mittlerweile? Antworten darauf gab es am Donnerstag beim Gewerbeabend von Enders Automobile in Fulda. Neben zahlreichen maßgeschneiderten Fahrzeugumbauten wartete auf die Besucher auch ein besonderer Ausblick in die Zukunft der Elektromobilität.
Unter dem Motto "Nutzfahrzeuge auf Level 2.0" hatte das Autohaus in der Kohlhäuser Straße seine Gewerbekunden eingeladen, um ihnen die neuesten Entwicklungen rund um leichte Nutzfahrzeuge, alternative Antriebe und individuelle Fahrzeuglösungen näherzubringen. Dabei sollte es keineswegs bei theoretischen Überlegungen bleiben: Gleich neun unterschiedliche Sonderumbauten gab es zu entdecken.
Das Besondere: Bei den ausgestellten Umbauten handele es sich um Einzelanfertigungen, die speziell für bestimmte gewerbliche Anforderungen konzipiert worden seien. "Man kann diese Fahrzeuge, die heute hier ausgestellt sind, nicht einfach so auf dem Markt kaufen", erklärte Peters.
Den fachlichen Mittelpunkt der Veranstaltung bildete die Elektromobilität im gewerblichen Einsatz. Als Gastredner war Matthias Born, Geschäftsführer des auf leichte Nutzfahrzeuge spezialisierten Unternehmens VanSelect, nach Fulda gekommen. Gemeinsam mit Frank Teichmann, Verkaufsleiter des zur Enders-Gruppe gehörenden Autohauses Ehrlich in Würzburg, widmete er sich den Chancen und Herausforderungen elektrisch betriebener Transporter.
Born beschäftigt sich nach eigenen Angaben bereits seit vielen Jahren intensiv mit leichten Nutzfahrzeugen und deren individuellen Auf- und Umbauten. Die Entwicklung der Elektromobilität beobachtet er dabei mit besonderem Interesse. Während sich elektrische Antriebe bei Pkw längst etabliert hätten, nehme die Entwicklung im Nutzfahrzeugbereich gerade deutlich Fahrt auf. "Die Autos funktionieren, die Anwendungsfälle funktionieren", zeigte sich Born überzeugt.
Allerdings sei die Technik noch nicht für jeden denkbaren Einsatzzweck gleichermaßen ausgereift. Genau darum gehe es bei der Veranstaltung: aufzuzeigen, welche Anwendungen bereits heute sinnvoll umgesetzt werden können und wo noch Herausforderungen bestehen.
Denn für einen Gewerbebetrieb zählen neben der Reichweite auch die Nutzlast, die Lademöglichkeiten und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit. Ein Elektrotransporter muss sich schließlich im täglichen Einsatz bewähren – und nicht nur auf dem Papier überzeugen.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte ein Fahrzeug, das regulär noch gar nicht auf dem deutschen Markt erhältlich ist: der neue Renault Trafic E-Tech elektrisch. Der vollelektrische Transporter, der bereits zum "International Van of the Year 2027" gekürt wurde, durfte in Fulda exklusiv den eingeladenen Gewerbekunden präsentiert werden. Möglich gemacht habe dies die Zusammenarbeit mit Renault, wie Jonas Peters berichtete. Entsprechend groß sei die Freude darüber gewesen, das neue Modell schon vor dem regulären Marktstart ausstellen zu können.
Technisch hat der neue Trafic einiges zu bieten. Renault verspricht je nach Batterievariante eine Reichweite von bis zu 470 Kilometern nach WLTP-Messverfahren. Hinzu kommt eine moderne 800-Volt-Architektur, die besonders schnelle Ladevorgänge ermöglichen soll. Auch die praktischen Anforderungen des Gewerbes wurden berücksichtigt: Bis zu drei Europaletten finden im Laderaum Platz, die maximale Nutzlast liegt bei rund 1,25 Tonnen.
Der Marktstart erfolgt gestaffelt. Die Variante mit kleinerer Batterie soll im Frühjahr 2027 folgen. Damit könnte das Modell künftig insbesondere für Handwerksbetriebe, Lieferdienste und andere Gewerbetreibende interessant werden, die ihre Fahrzeugflotten schrittweise elektrifizieren möchten.
Doch nicht nur neue Technologien und außergewöhnliche Fahrzeugumbauten standen im Mittelpunkt des Gewerbeabends. Auch der persönliche Austausch zwischen Autohaus und Gewerbekunden spielte eine wichtige Rolle. Für das leibliche Wohl sorgte dabei "T-BORN finest BBQ".
Enders Automobile vertreibt am Standort Fulda die Marken Renault, Dacia, Kia und Alpine. Mit Renault Pro+ verfügt das Unternehmen zudem über ein spezielles Angebot für gewerbliche Nutzfahrzeugkunden. Ergänzt wird der Fahrzeugverkauf durch Werkstattleistungen, Wartung und Reparaturen.
Nach Angaben von Jonas Peters beschäftigt die gesamte Enders-Gruppe rund 1.000 Mitarbeiter. Jährlich kämen etwa 70 bis 80 neue Auszubildende hinzu, unter anderem in den Bereichen Kfz-Mechatronik, Lagerlogistik und Automobilhandel. Für Peters steht dabei vor allem eines im Vordergrund: der Anspruch, Kunden auch nach dem Fahrzeugkauf zuverlässig zur Seite zu stehen. Bei Problemen wolle man möglichst schnell helfen und gemeinsam passende Lösungen finden.
Dass Elektromobilität und individuelle Fahrzeugumbauten längst keine voneinander getrennten Themen mehr sind, machte der Gewerbeabend deutlich. Für viele Unternehmen stellt sich inzwischen weniger die grundsätzliche Frage, ob elektrische Nutzfahrzeuge eine Zukunft haben, sondern vielmehr, unter welchen Bedingungen sich ihr Einsatz bereits heute lohnt.
Matthias Born zeigte sich jedenfalls beeindruckt von der Ausstellung in Fulda. Eine derart große Auswahl umgebauter Nutzfahrzeuge sei für ein Autohaus alles andere als selbstverständlich.
Mit der Veranstaltung bot Enders seinen Gewerbekunden somit nicht nur die Gelegenheit, außergewöhnliche Fahrzeuge aus nächster Nähe kennenzulernen, sondern auch, sich über die Möglichkeiten und Grenzen neuer Antriebstechnologien auszutauschen. Denn bei aller Begeisterung für technische Innovationen bleibt eine entscheidende Frage bestehen: Welches Fahrzeug passt tatsächlich zum jeweiligen Betrieb? (Marvin Hucke) +++