✕

Jüngster F1-Champion

Weltmeister mit Herz: "Bambino-Champion" Kimi Antonelli

Ein Moment für die Ewigkeit - Kimi Antonelli ist Formel-1-Weltmeister.
Foto: Eduardo Verdugo/AP/dpa

02.11.2026 / MEXICO-STADT - Was für Emotionen: Kimi Antonelli begeistert und rührt die gesamte Formel 1. Der Jüngste ist mehr als ein würdiger neuer Weltmeister, gerade mal 20 Jahre und 68 Tage alt. Was ihn so besonders macht. Auf den letzten Kilometern konnte Kimi Antonelli kaum noch etwas sehen vor Tränen, auf dem riesigen Podium brach es wieder aus ihm heraus. Ausgerechnet die Opernarie "Nesun dorma", die sein Opa so gern hörte, hallte über das Autódromo Hermanos Rodríguez.



"Er wäre stolz auf mich", sagte Antonelli. Wieder stockte die Stimme, wieder wurden die Augen feucht. "Ich heule heute zu viel", meinte er und lächelte. Er hatte allen Grund für einen nicht endenden Gefühlsrausch. Mit 20 Jahren und 68 Tagen krönte sich der Italiener in Mexiko-Stadt zum jüngsten Weltmeister in 76 Jahren Formel 1. Im ohrenbetäubend lauten Foro Sol - einem ehemaligen Baseballstadion – wartete seine stolze Familie. "Wir haben großes Glück und das ist das größte Geschenk, das man meinem Sohn machen kann: die Beziehung, die wir haben", sagte Papa Marco Antonelli, ergriffen daneben standen Mama Veronica und Schwester Maggie. Daheim in Bologna strömten die Menschen auf die Straßen. Im Teatro Laura Betti gab's Public Viewing.

Gratulation von Vettel: "Wow"

Umarmungen, Küsschen, Tränen. Antonelli ist ein Weltmeister der Herzen mit Herz. "Campione del mondo. Wow. Das schaffen nur sehr wenige von uns, und niemand hat es in so jungen Jahren geschafft wie du", sagte Sebastian Vettel in einer Grußbotschaft – der deutsche Ex-Rennfahrer und viermalige Weltmeister war bis Sonntag der jüngste Titelträger. Beim WM-Gewinn 2010 war er 23 Jahre alt.

Antonelli hat das deutlich unterboten. "Der Bambino-Champion, der die Formel 1 verzaubert hat - indem er sich selbst treu blieb", schrieb Italiens "La Gazzetta dello Sport": "Das Kind, das König wurde".

Seit 73 Jahren habe Italien auf diesen Moment gewartet, "und heute wird eine ganze Nation feiern, dass einer der ihren den absoluten Gipfel unseres Sports erreicht hat", sagte Formel-1-Geschäftsführer und Antonelli-Landsmann Stefano Domenicali. "Ein Grund für großen Stolz für unsere Nation", schrieb Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bei X - 1953 hatte Alberto Ascari als bis dahin letzter Italiener die WM gewonnen.

Für den neuen Star der Formel 1 begann eine Fiesta Mexicana mit offenem Ende. "Er trinkt ja gar keinen Alkohol, aber hier muss er noch ein bisschen erwachsen werden", sagte Teamchef Toto Wolff. "Es ist Zeit für den ersten Tequila". Den hatte Mexiko-Gewinner Max Verstappen schon vor einer Woche angekündigt, als Antonelli sich den Titel mit seinem Sieg in Austin zurechtgelegt hatte. Als es nun so weit war, freute sich auch der viermalige Champion mit dem neuen Weltmeister.

"Es ist einfach unglaublich, was für eine Saison er hingelegt hat. Das schon in so einem jungen Alter hinzubekommen, ist beeindruckend", sagte der 29 Jahre alte Niederländer. Jüngster Weltmeister zu sein, sei ziemlich phänomenal, "ich bin so dankbar, Zeuge davon geworden zu sein", betonte Hamilton (41). Das Foto, auf dem der Brite und Verstappen Antonelli auf den Schultern tragen, will sich der Italiener einrahmen und daheim aufhängen.

Für einen, der 9 von 19 Rennen in diesem Jahr gewonnen hat, waren zwei Punkte als Mindestziel keine Herausforderung. Rang neun hätte zum WM-Gewinn gereicht, so riesig war Antonellis Vorsprung. Aber er wollte den Titel mit Stil holen.

Heftige Crashs, Rote Flaggen und Safety-Car-Phasen

Von Startplatz vier aus hielt er sich zunächst etwas zurück. Zwei Unfälle, einer davon heftig, sorgten für heikle Momente. Beim Cadillac von Valtteri Bottas brach bei vollem Speed die Radaufhängung, das Fahrzeug schlug heftig in die Streckenbegrenzung. Das Rennen war insgesamt über 40 Minuten unterbrochen. Ob rote Flaggen, Re-Starts oder Safety-Car-Phasen – Antonelli blieb Herr seines WM-Geschehens.

Kontrolliert mit Kalkül steuerte er seinen Wagen in der dünnen Luft in über 2200 Metern über dem Meeresspiegel. Und wie zum Beweis seines weltmeisterlichen Talents sorgte er mit einem Überholmanöver gegen Leclerc für frenetischen Jubel auf den Rängen. Am Ende beließ es Antonelli bei Rang drei hinter Verstappen und Hamilton - mit dem Triumph des Italieners bringt es das Drei-Generationen-Trio auf dem Podium auf 12 WM-Titel in 20 Saisons. An mehr als der Hälfte war auch Mercedes-Renningenieur Peter Bonnington beteiligt - 2009 war er zudem der Renningenieur von Jenson Button bei dessen Titelgewinn im BrawnGP.

Ohne Streiche geht's nicht: Ein Gute-Laune-Weltmeister

"Ich schwebe auf Wolke sieben", sagte Bonnington nun. Angespannt hatte "Bono" vor dem Rennen gewirkt, gelöst danach. Das Verhältnis der beiden ist nach zwei Jahren bereits äußerst intensiv - auch oder gerade vielleicht. weil der Brite nicht selten Opfer der Antonelli-Streiche wird. "Er ist immer happy und ganz Instagram strahlt, wenn er Jokes macht. Er hat ein ganz neues Element ins Team gebracht".

Teamchef Wolff bezeichnete es als "Familiengefühl" dank italienischer Emotionen. "unsere englischen Mechaniker und Ingenieure, die normalerweise stocksteif dastehen und überhaupt niemanden berühren wollen. Dann kommt die ganze Familie und jeder wird umarmt, jeder wird geküsst", erzählte er und ließ sich im Überschwang sogar zu einem kleinen Tänzchen hinreißen.

Seine Startnummer 12 will Antonelli im kommenden Jahr behalten. Erstens, weil er "sehr abergläubisch" und die 1 nie eine gute Nummer für ihn gewesen sei. Zweitens, weil die 12 eine Hommage an Ayrton Senna ist. Zu dessen Ehren tritt Antonelli am kommenden Wochenende in São Paulo auch mit einer speziellen Helmlackierung an - erstmals als Weltmeister. (Von Jens Marx, dpa) +++

Drei Champions, drei Generationen auf dem Podium vereint. Zusammen stehen sie für 12 WM-Titel in 20 Saisons.
Foto: Fernando Llano/AP/dpa

X