✕

Eine Pionierin der Nierenheilkunde

"Stets eine Herzensangelegenheit": Verabschiedung von Prof. Dr. med. Haubitz

Jetzt verabschiedet sich Prof. Dr. med. Marion Haubitz nach fast 16 Jahren schweren Herzens vom Klinikum Fulda. Die 67-Jährige geht in den verdienten Ruhestand.
Fotos: Marvin Myketin

29.10.2026 / FULDA - Sie hat sich für Entwicklungen im Gesundheitswesen eingesetzt. Ihretwegen kamen Patienten aus Hannover nach Fulda. Jetzt verabschiedet sich Prof. Dr. med. Marion Haubitz nach fast 16 Jahren schweren Herzens vom Klinikum Fulda. Die 67-Jährige geht in den verdienten Ruhestand. Nach der langen, gemeinsamen Zeit fällt ihr der Abschied schwer.



Haubitz war seit 1. Januar 2011 die Direktorin der Medizinischen Klinik III, also der Nephrologie (Nierenheilkunde), Dialyse und Hochdruckkrankheiten. Im Rahmen einer offiziellen Verabschiedung am Donnerstagabend im Hörsaal des Klinikums Fulda verließ sie nun das Team. Für alle Anwesenden ein emotionaler Moment. "Wir sind heute zusammengekommen, um eine Ära zu würdigen und Danke zu sagen. Prof. Dr. Marion Haubitz hat die Entwicklung der Nierenheilkunde am Klinikum Fulda mit außergewöhnlicher Fachexpertise, Tatkraft und strategischem Weitblick geprägt", so Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, Vorstand Krankenversorgung und Sprecher des Vorstands, bei der Begrüßung.

Medizinische Klinik III entwickelte sich zu einem nephrologischen Spitzenzentrum

Menzel ging in seiner Festansprache auf zahlreiche Meilensteine der Nephrologin ein. So entwickelte sich die Medizinische Klinik III unter Haubitz zu einem nephrologischen Spitzenzentrum, das in vielen Bereichen - etwa bei Autoimmunkrankheiten oder bei komplexen Dialyseverfahren - Maßstäbe setzt. Bereits vor der feierlichen Verabschiedung hat Prof. Dr. Haubitz mit OSTHESSEN|NEWS gesprochen. Einen genauen Einblick in ihren Werdegang und ihre Gefühle erhalten Sie hier.

Bei all ihrer Arbeit fiel vor allem ihre Menschlichkeit auf. "Sie hat stets den kranken Menschen in den Mittelpunkt gestellt", lobte Menzel. Folgende Worte richtete er direkt an die Ärztin: "Sie sind immer die Ärztin geblieben, die am Krankenbett zuhört, immer dem Wohl der Patienten verpflichtet." Da sei es auch egal, dass in einigen Sitzungen auch mal ihr Handy klingelte. "Wir danken ihr von Herzen für fast 16 Jahre herausragenden Einsatz für ihre Patientinnen und Patienten und für unser Haus. Wir wünschen ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und persönliche Erfüllung."

"Zuverlässige, hochkompetente und kluge Impulsgeberin"

Den wissenschaftlichen Akzent der Verabschiedung setzte Prof. Dr. med. Armin Kurtz, emeritierter Direktor des Instituts für Physiologie der Universität Regensburg und Mitglied der Leopoldina (Deutsche Akademie der Naturforscher). In seinem Festvortrag "Zurück zu den Wurzeln - die Niere als Sensor für unseren Blutdruck" beleuchtete er die komplexen physiologischen Regulationsmechanismen der Niere. Gemeint sind Prozesse, die Vorgänge im Organ steuern, anpassen und im Gleichgewicht halten.

Auch er würdigte die wissenschaftliche Arbeit von Prof. Dr. med. Haubitz: "Marion Haubitz hat die Schnittstelle zwischen grundlagenwissenschaftlicher Nierenphysiologie und klinischer Exzellenz zeitlebens mit beeindruckender Präzision gelebt. Ihre wissenschaftlichen Beiträge und ihr klinischer Blick für die Niere als zentrales Steuerorgan unseres Herz-Kreislauf-Systems haben Maßstäbe in der Nephrologie gesetzt."

Im Namen des gesamten Kollegiums würdigte Prof. Dr. med. Gabriele Köhler, Sprecherin der ärztlichen Direktorinnen und Direktoren sowie Direktorin des Instituts für Pathologie am Klinikum Fulda, das kollegiale Wirken der 67-Jährigen. Jetzt verlasse das Klinikum eine sehr geschätzte Kollegin, die nicht nur medizinisch wegweisende Standards gesetzt habe, sondern auch innerhalb der Klinikleitung sowie in verschiedenen Gremien und beim Aufbau des Campus Fulda stets als "zuverlässige, hochkompetente und kluge Impulsgeberin" geschätzt worden sei. Köhler hob klar hervor: "Herzlichen Dank für viele Jahre der kollegialen und herzlichen Zusammenarbeit - immer mit Fokus auf das Patientenwohl." Als Pianistin bekam Haubitz schließlich Karten für ein klassisches Konzert überreicht.

Auf Haubitz folgen Benöhr und Buscher

Als Überraschungsredner trat kurzerhand der leitende Oberarzt Priv.-Doz. Dr. med. Peter Benöhr an das Rednerpult. Er wird bis zum 1. Februar 2027 die Klinik für Nephrologie kommissarisch leiten. Dann wird Prof. Dr. med. Konrad Buscher übernehmen. "In einigen Punkten gehen wir auseinander, beispielsweise bei der Musik und beim Sport. Sie kann schließlich Ski fahren und ich nicht. Trotzdem war es ein prägender Moment, als sie mich Ende 2021 angerufen hat und sagte: It's all yours for the next six weeks." Bei dieser Erinnerung musste auch Prof. Dr. med. Haubitz lachen. Doch um den Abschied kam auch Benöhr nicht herum. "Ich kann für alle der Medizinischen Klinik III sprechen, wenn ich sage: Herzlichen Dank für die fast 16 gemeinsamen Jahre." Für die Kollegen gehört ein bunter Blumenstrauß einfach zur Medizinerin dazu. So überreichten die Oberärzte zusammen mit Benöhr einen Strauß Blumen, ein Album mit vielen Erinnerungen der Abteilung, die Einladung zur gemeinsamen Schnitzeljagd sowie einen Gutschein für einen Restaurantbeusch im 1906.

Er blickt nun in eine Zukunft, in der er vorübergehend die Arbeit von Haubitz übernehmen muss. Im Gespräch mit O|N sagte er: "Das wird sicherlich eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für mich sein. Zu meiner Tätigkeit als leitender Oberarzt werde ich jetzt noch die Aufgabe der Leitung für drei Monate übernehmen. Das wird eine Challenge." Doch es gibt auch Positives: "Ich habe ein Team, das wir gemeinsam gebildet haben und worauf ich mich komplett verlassen kann. So werden wir die drei Monate gut überstehen. Wenn dann der Kollege Buscher übernimmt, wird das gut weitergehen."

Ihr großer Wunsch für alle: "Gesundheit!"

In ihrem persönlichen Schlusswort blickte die Ärztin voller Emotionen auf ihre Zeit in Fulda zurück: "Die Verknüpfung von moderner Spitzenmedizin, intensiver Forschung und menschlicher Nähe war für mich am Klinikum Fulda stets eine Herzensangelegenheit." Dabei gelte ihr besonderer Dank ihrem gesamten Team der Medizinischen Klinik III, allen Kolleginnen und Kollegen im Haus sowie dem KfH (Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation). "Gemeinsam ist es uns gelungen, für nierenkranke Menschen in der Region eine Versorgung auf höchstem Niveau aufzubauen", lobte sie. Auch ihrer Familie dankte sie für deren jahrelange Unterstützung. Jetzt blickt sie gerührt, aber auch zufrieden auf ihren neuen Lebensabschnitt. Passend zu dem Namen ihres Schlusswortes "Das Beste kommt zum Schluss" sagte sie: "Das Beste zum Schluss ist, dass Sie heute alle hier sind und meinen letzten Arbeitstag so begleiten."

Wie Menzel schon sagte, geht mit dem Ruhestand von Prof. Dr. med. Haubitz nun eine Ära zu Ende. Für alle im Klinikum ist aber klar: Ihr medizinisches Erbe und die etablierten Versorgungsstrukturen werden die Arbeit der Klinik jedoch nachhaltig prägen.

Mit Priv.-Doz. Dr. med. Peter Benöhr, leitendem Oberarzt, als kommissarischem Leiter bis Februar und dem offiziellen Nachfolger Prof. Dr. med. Konrad Buscher weiß sie die Nephrologie in guten Händen. Haubitz wünscht ihren Nachfolgern alles Gute und darüber hinaus: "Mut, Durchhaltevermögen und Glück, um die Abteilung gut durch die Stromschnellen der Gesundheitsreform zu führen." Ihr großer Wunsch für alle: "Gesundheit!" (mis) +++

X