Wir haben nachgefragt
CDU mit Verlusten: Das sagen Parteien und Politiker zum Hessentrend
Foto: Hessischer Landtag
28.10.2026 / WIESBADEN -
Der aktuelle hr-Hessentrend ist niederschmetternd für die schwarz-rote Koalition in Hessen, die nach dem Trend nun keine Mehrheit mehr hätte. Die CDU fällt auf 25 Prozent und verliert damit sieben Prozent. Die AfD kommt auf 23 Prozent und gewinnt drei Prozent dazu. Die SPD verliert einen Prozentpunkt. OSTHESSEN|NEWS berichtete bereits ausführlich. Wir haben die Statements der Parteien und Politiker dazu.
Die Landesvorsitzenden der GRÜNEN Anna Lührmann und Julia Frank sowie für die Landtagsfraktion Mathias Wagner und Miriam Dahlke:
"Gegenüber der letzten HR-Umfrage legen wir GRÜNE um zwei Prozentpunkte zu. Das gibt Rückenwind für unseren Weg zurück in die Landesregierung und bestätigt unseren Kurs seit der letzten Landtagswahl. Wir zeigen: Es gibt eine Alternative zur konzeptionslosen und rückwärtsgewandten Politik von CDU und SPD.
Auch bei den konkreten Themen verliert die Landesregierung deutlich an Zufriedenheit und Vertrauen in ihre Problemlösungs-Kompetenz. Aus unserer Sicht ist das kein Wunder. CDU und SPD waren angetreten, um die großen Probleme im Alltag der Menschen zu lösen. Nach fast drei Jahren Schwarz-Rot sind sie aber nicht kleiner, sondern größer geworden: in Kitas und Schulen, bei Bussen und Bahnen, bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen und beim Schutz unserer Umwelt."
"Die CDU ist und bleibt die stärkste politische Kraft in Hessen. Auch bei der Frage, welcher Partei die Menschen die Lösung der wichtigsten Probleme zutrauen, liegt die CDU weiterhin vorne. Zugleich zeigt sich die Stärke der Hessenunion im Vergleich zur Union im Bund. Wir liegen als Hessenunion fünf Prozentpunkte über dem Bundestrend der Union. Das ist das Verdienst von Boris Rhein und der verlässlichen Arbeit unserer christlich-sozialen Koalition.
Klar ist: Mit 25 Prozent können und wollen wir nicht zufrieden sein. Der Hessentrend ist für uns Auftrag, unseren klaren Kurs fortzusetzen: für eine starke Wirtschaft, einen Staat, der für Sicherheit und Ordnung sorgt, und eine Politik, die die hart arbeitende Mitte spürbar entlastet. Das heißt konkret: keine Steuererhöhungen, keine weitere Verunsicherung, sondern entschlossene Reformen.
Die Umfrage unterstreicht auch unseren Kurs im Umgang mit Extremisten: Abgrenzen statt ausgrenzen. Keine Brandmauern gegen Wähler bauen, sondern Brücken in die politische Mitte. Die Mitte muss die Debatten über alles, was die Menschen in unserem Land beschäftigt, wieder offen ansprechen und lösen, nicht an die Ränder verdrängen. Nur so können wir verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen."
Robert Lambrou und Andreas Lichert, Landessprecher der AfD Hessen:
"Keine andere Partei wächst in der Zustimmung der Bürger um so viele Prozentpunkte wie die AfD und das ist eine tolle Bestätigung für unseren Kurs. Die CDU verliert sieben Prozentpunkte und hatte im Hessentrend im Februar schon vier Prozentpunkt verloren – da sollte sie sich langsam wirklich fragen, ob sie politisch auf der richtigen Spur ist, ansonsten wird sie diese Reise fortsetzen. Wenn sie an der Brandmauer festhält, wird sie außerdem, sofern kein demoskopisches Wunder passiert, bei der nächsten Regierungsbildung auf dieselben Grünen angewiesen sein, die sie nach der vergangenen Landtagswahl vor den Kopf gestoßen hat.
Immer mehr Bürger wollen, dass mit der AfD zusammengearbeitet wird. Auch hier sind viele der anderen Parteien noch in einer Denk-Blase gefangen, denn die Bürger interessiert es nicht, wer ihre Probleme löst, sondern nur, dass sie gelöst werden. Wir stehen dafür bereit."
Die Generalsekretärin der SPD Hessen, Dr. Josefine Koebe:
"Die Ergebnisse des aktuellen HessenTREND stimmen nachdenklich. Mit 15 Prozent Zustimmung können wir uns als SPD nicht zufriedengeben, sie entsprechen nicht unserem Selbstverständnis als progressiver Volkspartei, und sie spiegeln auch nicht unsere engagierte Arbeit als Regierungspartei wider, die Verantwortung für Hessen übernimmt.
In der Koalitionsarbeit gehen wir genau diese Themen an, weil unser Anspruch an gutes Regieren eine spürbare Verbesserung des Alltagslebens der Menschen ist. Gerade in den Bereichen Bildung, Verkehr, Wohnen und Wirtschaft haben wir bereits viel auf den Weg gebracht. Wir müssen aber anerkennen, dass diese Initiativen noch keine Änderung des Stimmungsbildes bei den Bürgerinnen und Bürgern gebracht haben.
Gleichzeitig sehen wir die steigenden Zustimmungswerte zur AfD mit großer Sorge. Für uns als SPD gehört eine antifaschistische Haltung zur DNA unserer Partei. Das schließt jegliche Form der Zusammenarbeit mit der AfD aus! Konsequente Abgrenzung allein ist aber noch kein Allheilmittel in einer Zeit, in der gerade von rechten Kräften im In- und Ausland die Polarisierung von Gesellschaften vorangetrieben wird. Wir müssen uns auch mit der Frage auseinandersetzen, warum das Vertrauen in die Lösungskompetenz der demokratischen Parteien immer weiter schwindet, und wir müssen darauf Antworten geben.
Für uns heißt das, dass wir noch genauer hinhören, den Austausch mit den Menschen suchen und gemeinsam mit unserem Koalitionspartner noch gezielter an Verbesserungen arbeiten werden. Denn die Hessinnen und Hessen messen Politik nicht an der Anzahl von Gesetzesvorhaben, sondern daran, dass sie ihr Leben zum Besseren verändert."
Jennifer Gießler, CDU-Landtagsabgeordnete:
"Mit 25 Prozent können und wollen auch wir nicht zufrieden sein. Wir nehmen dieses Ergebnis und die damit verbundenen Erwartungen der Menschen sehr ernst. Gleichzeitig ist eine Umfrage eine Momentaufnahme und kein Wahlergebnis. In den Zahlen spiegelt sich sicherlich auch die Arbeit der Bundesregierung in Berlin wider. In Hessen stehen wir mit Ministerpräsident Boris Rhein für eine verlässliche Politik und eine gute Zusammenarbeit innerhalb der Landesregierung."
Sebastian Müller, CDU-Landtagsabgeordneter:
"Der neue Hessentrend zeigt deutlich, dass die Stimmung aktuell nicht gut ist. Ich bin davon überzeugt, dass die Hauptgründe dafür weniger in Hessen als im Bund zu suchen sind. Trotzdem heißt es nun auch in Hessen: Wir müssen unsere CDU Positionen stärken. Dazu gehört die Anliegen der Menschen in echte Realpolitik umzusetzen.
- Gute Bildungspolitik – Hessen hatte noch nie so viele Lehrerinnen und Lehrer.
- Konsequente Migrationspolitik – seit der Landtagswahl in Hessen werden keine Asylbewerber ohne Bleibeperspektive mehr auf die Kommunen verteilt.
- Entbürokratisierung – Baurecht, Denkmalschutz und Steuererklärung vereinfachen und einen Beratungsanspruch beim Umgang von Behörden mit Bürgerinnen und Bürgern einführen.
- Stabile Finanzen – Einhaltung der Schuldenbremse für die kommenden Generationen und starke Investitionen in die Infrastruktur.
- Innere Sicherheit – starke Polizei, Sicherheitspaket und Unterstützung für Feuerwehr und Katastrophenschutz.
- Wirtschaft und Landwirtschaft – Planungssicherheit für unsere Betriebe und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Thomas Hering, CDU-Landtagsabgeordneter:
"Die Zahlen stimmen mich unzufrieden und sind zugleich Ansporn, weiter direkten Kontakt zu den Menschen meiner Region zu halten und Anliegen bzw. Unzufriedenheiten klar zu benennen. Ohne ausweichen zu wollen, sehe ich für Hessen von der Bundespolitik abweichende, positive Wahrnehmungen und Rückmeldungen. So überraschen die heutigen Zahlen insbesondere mit Blick auf Hessens Rolle und Entwicklung als Richtungsweis über Hessen hinaus. Unter anderem bei den Themen Sicherheit und Migration, Wirtschaft, Gesundheit und Bildung, Vereins- und Brauchtumsstärkung. Realpolitik, bei der nicht zu viel versprochen wurde, aber alles gehalten.
Dazu setze ich für meine CDU vor Ort sowie für mich persönlich auf menschliche Nähe, Offenheit und Ansprechbarkeit, Gestaltungskraft sowie gerne klare Worte zur Vermittlung auf allen Ebenen. Also anstelle panikartiger Zermürbungen weiter auf engen Austausch, Sacharbeit und die richtigen Prioritäten."
Maximilian Ziegler, SPD-Landtagsabgeordneter:
"Der Hessentrend zeigt, wie dringend wir das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zurückgewinnen müssen. Dazu gehört auch, dass wir unsere politische Debattenkultur hinterfragen. Viel zu häufig bestimmen die nächste Provokation und die nächste Empörung die öffentliche Diskussion. Dabei geraten die Themen aus dem Blick, die für die Zukunft unseres Landes entscheidend sind: eine funktionierende Infrastruktur, gute Bildung, bezahlbarer Wohnraum und sichere Arbeitsplätze.