Sechs Millionen Euro Investition
RhönEnergie startet Bau von Hessens erster kommerzieller Agri-PV-Anlage
Fotos: RhönEnergie
23.10.2026 / FULDA -
Fulda‑Maberzell wird zum Schauplatz eines echten Zukunftsprojekts: Auf rund 14 Hektar entsteht Hessens erste kommerzielle Agri‑Photovoltaik‑Anlage, die Landwirtschaft und Energieerzeugung miteinander verbindet. Die RhönEnergie Gruppe und Landwirt Philipp Hütsch setzen dabei auf ein innovatives Konzept: Über den Feldern mit schwarzen Johannisbeeren in Bioqualität sollen schwenkbare Solarmodule klimafreundlichen Strom produzieren. Insgesamt investieren der Energieversorger und der Biohof rund sechs Millionen Euro in das Vorhaben – ein starkes Signal für die Energiewende in der Region.
Verantwortliche der RhönEnergie und der Stadt Fulda sowie Landwirt Hütsch gaben jetzt den Startschuss für die Montage der Module. "Heute schreiben wir ein kleines Stück hessische Energiegeschichte. Wir verbinden erneuerbare Energieerzeugung und Landwirtschaft auf derselben Fläche – und zeigen damit ganz konkret, dass die Energiewende und die landwirtschaftliche Nutzung keine Gegensätze sein müssen", sagt Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda. "Dieses Vorhaben ist ein Beispiel dafür, wie wir die Energiewende gemeinsam mit regionalen Partnern voranbringen."
Doppelte Nutzung, doppelter Nutzen
Auf dem Areal werden 15.600 Photovoltaikmodule installiert. Sie sollen künftig jährlich etwa 13 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom erzeugen. Das entspricht rechnerisch dem jährlichen Strombedarf von 4.100 Haushalten. Die Module sind ost-west-ausgerichtet und schwenkbar: Sie erzeugen den Strom vor allem morgens und abends - und nicht nur mittags wie Anlagen mit Südausrichtung. Anders als bei herkömmlichen Solarparks bleibt die Fläche landwirtschaftlich nutzbar. Philipp Hütsch, dessen Familie das Grundstück gehört, wird die schwarzen Johannisbeeren in Reihen zwischen den Modulen anbauen und pflegen. Noch für dieses Jahr ist die Pflanzung von rund 55.000 Johannisbeerpflanzen geplant, die erste Ernte dann im Sommer 2028. Hütsch rechnet mit bis zu 15 Tonnen Ertrag. Experten des Fraunhofer-Instituts haben berechnet, dass dieser deutlich über dem einer "normalen" Ackerfläche liegen wird, weil sich die Module u.a. durch ihre Schattenwirkung günstig auf den Wasserhaushalt im Boden und damit auf das Wachstum der Pflanzen und Beeren auswirken werden.Ein starkes Signal für Fulda und die Region
Auch die Stadt Fulda begrüßt das Vorhaben. Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld sieht in der Anlage ein beispielhaftes Zusammenspiel von Klimaschutz, wirtschaftlicher Perspektive und regionaler Verantwortung. "Es ist großartig, dass ein alteingesessener landwirtschaftlicher Familienbetrieb ein solches Zukunftsprojekt anpackt. Energiegewinnung und Landwirtschaft stehen häufig in Konkurrenz zueinander. In Maberzell bringen wir beides in Einklang", sagt der OB. Er betonte die Bedeutung der Flächeneffizienz: "Die Anlage ist ein konkretes Beispiel dafür, wie wir erneuerbare Energien ausbauen und zugleich wertvolle landwirtschaftliche Flächen schonen können."Perspektive für die grüne Wärmeversorgung
Die Anlage soll nicht nur zur regionalen Stromerzeugung beitragen, sondern langfristig auch die Wärmewende in Fulda unterstützen. Zunächst wird der erzeugte Strom in das Netz der RhönEnergie-Netzgesellschaft OsthessenNetz (ON) eingespeist. Dafür hat die ON in etwa einem Kilometer Entfernung, am Gelände des Fernheizwerks Münsterfeld, jetzt eine 22 Tonnen schwere Übergabestation installiert. Perspektivisch soll der Strom direkt vor Ort im Heizwerk Münsterfeld genutzt werden. Dort plant die RhönEnergie, die Wärmeerzeugung auf eine Großwärmepumpe umzustellen. Der erneuerbare Strom aus Maberzell soll dann dazu beitragen, die Wärmeversorgung des angeschlossenen Nahwärmenetzes klimafreundlicher zu gestalten.Ein Meilenstein für innovative Energieprojekte
Geplant und verantwortet wird das Vorhaben von der RhönEnergie Erneuerbare GmbH (REE). Die Umsetzung vor Ort übernimmt die RhönEnergie Effizienz + Service GmbH (RES). Die Geschäftsführer Stefan Fella (REE) und Ralf-Stefan Stöppler (RES) sehen in dem Projekt einen Meilenstein für innovative Energielösungen in der Region.Die Anlage in Maberzell ist Hessens erste kommerzielle Agri-PV-Anlage. Die erste Agri-PV-Anlage des Landes entstand zuvor als Forschungsprojekt der Universität Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis. Auch über Hessen hinaus besitzt das Vorhaben besondere Bedeutung: Es gehört zu den zehn größten Agri-PV-Anlagen Deutschlands. Betrachtet man ausschließlich Anlagen mit Beerenanbau, ist das Projekt – nach einer Anlage in Wadersloh im Münsterland – das zweitgrößte seiner Art in Europa. (mis/pm) +++