✕

Förderung für Zufluchtsort

Neues Frauenhaus bietet 20 Schutzplätze im Vogelsbergkreis

Simone Häcker, die Leiterin des Frauenhauses, führt Sozialministerin Heike Hofmann, den Ersten Kreisbeigeordneten Patrick Krug und den Leiter des Amtes für Soziales und Ausländerrecht, Rene Lippert (von links), durch das Haus und zeigt ihnen unter anderem dieses noch nicht bezogene Appartement.
Foto: Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

23.10.2026 / REGION VB - Gut 20 Jahre gab es im Vogelsbergkreis kein Frauenhaus. Nun finden Frauen und Kinder, die vor häuslicher Gewalt fliehen, wieder ein Schutzangebot im Kreis. Die neue Einrichtung bietet 20 Plätze. Bei ihrem Besuch überreichte Hessens Sozialministerin Heike Hofmann (SPD) einen Förderbescheid über 140.000 Euro für die Innenausstattung.



Das Frauenhaus soll laut der Mitteilung des Landkreises nicht nur einen sicheren Ort bieten. Die Mitarbeiterinnen unterstützen die Frauen auch dabei, sich ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt aufzubauen. Das Angebot reicht von der ersten telefonischen Beratung bis zur Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung der Kinder.

"Jede Frau, die zu uns kommt, hat ihre eigenen Geschichte. Doch eines haben viele gemeinsam: Sie mussten erleben, dass der Ort, der eigentlich Sicherheit bieten sollte - das eigene Zuhause -, zu einem Ort der Angst geworden ist", wird Leiterin Simone Häcker zitiert.

Appartements bieten Raum für einen Neustart

Die Einrichtung verbindet das Wohnen in Appartements mit gemeinschaftlich genutzten Lebensräumen. So sollen die Bewohnerinnen Privatsphäre haben und zugleich anderen begegnen können. Diese Kombination fördere die Selbstbestimmung und erleichtere den Zugang zu Unterstützungsangeboten, erläuterte Häcker.

"Die Unterbringung im Frauenhaus bedeutet deutlich mehr, als nur Wohnraum zur Verfügung zu stellen", betonte die Leiterin. Es gehe darum, den Frauen Orientierung und Handlungssicherheit zu geben und sie auf ihrem weiteren Weg zu begleiten.

Gewalt gegen Frauen betreffe alle gesellschaftlichen Gruppen, sagte Häcker. Viele Betroffene suchten aus Scham keine Hilfe. Deshalb brauche es niedrigschwellige Angebote, Präventionsarbeit und ausreichend Schutzplätze. "Jede Frau, die Hilfe sucht, muss die Möglichkeit bekommen, einen sicheren Ort zu finden", forderte sie.



Kreis war auf Hilfe anderer Regionen angewiesen

Der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Patrick Krug (SPD) erinnerte daran, dass der Vogelsbergkreis gut zwei Jahrzehnte ohne eigenes Frauenhaus ausgekommen war. In dieser Zeit habe der Kreis von der Solidarität anderer Kreise gelebt.

Für das neue Angebot suchte die Verwaltung einen Partner. Gefunden wurde er mit dem Haus am Kirschberg und dessen Trägerverein "Hilfe für das verlassene Kind". Mit dem Haus arbeite der Kreis bereits seit Langem in anderen Bereichen zusammen, erklärte Krug.

Mit dem Frauenhaus könne der Kreis nun ein Schutzangebot schaffen und Vorgaben der Istanbul-Konvention umsetzen. Das Übereinkommen des Europarats dient der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt.

"Wir helfen den Frauen, die vor Gewalt und Bedrohung fliehen müssen, mit einem adäquaten Schutzangebot und der nötigen Betreuung in ihrer schwierigen Lebenslage", sagte Krug.

Ministerin will Schutzangebote weiter ausbauen

Sozialministerin Hofmann bezeichnete die Einrichtung eines Frauenhauses im Vogelsbergkreis als "längst überfällig". Die bisherige Schutzlücke sei nun geschlossen. Hinter den Zahlen der Kriminalstatistik stünden Frauen und Kinder, die teils über Jahre oder Jahrzehnte Gewalt erlebt hätten.

"Wir müssen den Schutz weiter ausbauen", forderte Hofmann. Sie verwies auf das Gewalthilfegesetz und den darin vorgesehenen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung ab dem 1. Januar 2032. Die Länder müssten die Umsetzung vorbereiten und die Schutzangebote ausbauen. (pm/ksk)+++

Inoffizielle Einweihung mit Ministerin Heike Hofmann (Neunte von links, Erstem Kreisbeigeordneten Patrick Krug (Fünfter von links), Vertretern des Hauses am Kirschberg und des Trägervereins, aus der Politik und dem Amt für Soziales und Ausländerrecht.

X