Leipziger Gastronomen-Paar übernimmt
Nach kurzer Pause: Wiedereröffnung des Traditionsgasthauses Braustübchen
Fotos: Christoph Blum
23.10.2026 / SCHLITZ -
Larissa Hammerschmidt und Steven Hoffmann aus Leipzig haben das Traditionsgasthaus Braustübchen in Schlitz (Vogelsbergkreis) übernommen und am Donnerstagabend offiziell wiedereröffnet. Das Konzept bleibt: gutbürgerliche Küche mit überwiegend regionalen hausgemachten Produkten. Als Tim und Sabrina Dittrich Ende August ins neue Brauhaus im Hahnekiez umzogen, blieb in der Brauhausstraße ein Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert mit Holzofen, Klavier und 63 Sitzplätzen zurück – und zunächst die Frage, wer es weiterführt. Die Antwort kommt nun aus Sachsen.
Die eigentlich für Mittwoch geplante Eröffnung musste erstmal spontan um einen Tag verschoben werden. Ausgerechnet zur Premiere streikte im Braustübchen das Kassensystem. Ein paar Gäste hatten das nicht mitbekommen und standen trotzdem in der Tür und wurden hereingelassen. Am Donnerstag lief dann alles wie am Schnürchen und auch Michael Heil, dem das Haus gehört, ließ es sich nicht nehmen, mit den neuen Pächtern auf den Neustart anzustoßen.
Vom Privatkoch zum eigenen Restaurant
Dass die beiden ausgerechnet in Schlitz gelandet sind, hat mit Glück und Familie zu tun: Hoffmanns Bruder wohnt in der Nähe. "Da habe ich geguckt, was es hier an Lokalitäten gibt, die man mieten könnte", erzählt der 2017 ausgelernte Koch im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Zuletzt war er in Leipzig selbstständig als Event- und Privatkoch zugange, vornehmlich für Menüs bei Veranstaltern und Gästen zu Hause. Den Wunsch nach einem eigenen Restaurant trägt er nach eigener Aussage seit zehn Jahren mit sich herum. Das Braustübchen ist nun sein erstes.Larissa Hammerschmidt bringt die ergänzende Hälfte des Handwerks mit: Seit 2018 ist sie Restaurantfachfrau und hat in mehreren Betrieben gearbeitet, zuletzt im Leipziger Pentahotel. Am 3. Oktober haben die beiden den Schlüssel vom Braustübchen in Empfang genommen – Umzug nach Schlitz inklusive. Ihr erster Eindruck von der Burgenstadt: "Sehr ruhig. Doch die Leute sind sehr gesprächig, man kommt schnell in Kontakt mit den Menschen hier."
Ochsenbäckchen als Hausgericht, Allasch als Idee
An der Karte schrauben die neuen Wirte bewusst wenig. Gutbürgerlich, regional, frisch – so war es bei den Dittrichs und so kennt man das Braustübchen nun mal. "Bei uns kommt nichts aus der Tüte", sagt Hoffmann. Seine Spezialität sind geschmorte Ochsenbäckchen. Ein wenig Leipzig könnte trotzdem auf den Tisch kommen, meint Larissa: Ein Klassiker aus der alten Heimat als Tagesgericht sei denkbar, dazu vielleicht ein Glas Leipziger Allasch, der Likör der Messestadt. "Das ist aber noch eine Überlegung", hakt er ein. Beim Bier bleibt es regional – Auerhahn, Schwarzer Hahn, Pilgerstoff und Will Bräu stehen auf der Karte, dazu Apfelwein. Von Romankowitz bis Dittrich: ein Haus, vier Wirte
Das Braustübchen gehört zu den letzten klassischen Wirtshäusern der Schlitzer Altstadt. Das Fachwerkhaus am Fuß des Burgenrings stammt aus dem 16. Jahrhundert, ein paar Schritte vom alten Gelände der Auerhahn-Brauerei entfernt. Rund 20 Jahre führte Wirtin Romankowitz das Haus, danach Familie Muhl, 2021 übernahm Tim Dittrich – der schon 13 Jahre zuvor als Aushilfe dort begonnen hatte. Als ihm die 63 Plätze zu eng wurden, zog er mit seinem Team ins Brauhaus am Hahnekiez, 300 Meter die Gasse hinunter. Konkurrenz oder Nachbarschaft? Für Hoffmann ist die Sache klar: "Der Tim war der Letzte hier und hat jetzt mit dem Brauhaus was Neues. Wir führen hier einfach das Altbewährte fort."Große Werbung haben die Neuen für ihren Start nicht gemacht – kein Plakat, keine Kampagne. Ihre Rechnung geht anders: Das Braustübchen ist in Schlitz eine feste Größe, die Stammgäste wissen, wo die Tür ist. Am ersten Abend war die Gaststube noch nicht voll. Doch die Mund-zu-Mund-Propaganda, auf die die beiden setzen, funktioniert in einer Stadt mit gesprächigen Leuten bekanntlich ziemlich gut.