Reform der Kinder- und Jugendhilfe
Landkreis fordert Geld für den Ausbau früher Hilfen
Archivfoto: O|N/Constantin von Butler
22.10.2026 / REGION HEF-ROF -
Familien früh unterstützen, bevor Probleme größer werden: Das Ziel der geplanten Reform der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt der Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Er sieht jedoch Nachbesserungsbedarf bei der Finanzierung. Zusätzliche Angebote in Kitas, Schulen und im Wohnumfeld brauchen Personal und Geld. Die vom Bund erwarteten Einsparungen hält der Landkreis unter den vorgesehenen Bedingungen für nicht realistisch.
"Familien sollen früh Hilfe bekommen, möglichst dort, wo sie ohnehin sind: in der Kita, in der Schule oder im Wohnort. Das ist der richtige Ansatz", betont der Erste Kreisbeigeordnete Dirk Noll. "Aber wer diese Angebote ausbauen will, muss ihren Aufbau auch finanzieren", plädiert Noll. Prävention koste nun einmal zunächst Geld und zahle sich erst später aus. Die erwarteten Einsparungen des Bundes würden keine verlässliche Finanzierung ersetzen.
Die Bundesregierung hat den Entwurf des Ersten Kinder- und Jugendhilfestrukturreform-Gesetzes im August beschlossen. Anfang Oktober wurde er erstmals im Bundestag beraten. Bereits im April dieses Jahres hatte Noll die drei Bundestagsabgeordneten der Region angeschrieben und um Unterstützung gebeten. In persönlichen Gesprächen mit den heimischen Abgeordneten wurden die Bedenken inzwischen vertieft.
Zusätzliche Aufgaben brauchen zusätzliche Mittel
Nach dem Entwurf sollen zum Beispiel Kitas, Jugendsozialarbeit und leicht zugängliche Angebote künftig Vorrang vor Einzelfallhilfen haben, wenn sie den Bedarf gleich gut decken. Einrichtungen wie Kitas übernehmen aber schon heute viele Aufgaben. Durch den Fachkräftemangel arbeiten sie schon jetzt an der Belastungsgrenze und stehen unter erheblichem Druck. Sollen sie Familien künftig stärker unterstützen, müssen vor Ort erst die erforderten Kapazitäten geschaffen werden.Ländliche Strukturen müssen berücksichtigt werden
Auch die geplante Bildungsassistenz an Schulen und Kitas wirft aus Sicht des Landkreises Finanzierungsfragen auf. Dabei sollen Assistenzkräfte mehrere Kinder vor Ort unterstützen. Wo es fachlich passt, bündelt der Landkreis Schulbegleitungen bereits heute durch das sogenannte Pooling.Mit 27 Grundschulen und 77 Kindertageseinrichtungen stellt sich im Flächenlandkreis Hersfeld-Rotenburg jedoch besonders die Frage, wie solche Angebote bedarfsgerecht organisiert werden können. Werden Assistenzkräfte an vielen Standorten dauerhaft vorgehalten, kann das bei wenigen Kindern mit Unterstützungsbedarf teurer werden als die bisherige Einzelfallhilfe.
Die Bundesregierung erwartet durch die Reform ab 2036 bundesweite Einsparungen von rund 1,34 Milliarden Euro jährlich. Der Landkreis bezweifelt, dass diese ohne eine ausreichende Finanzierung des Umbaus erreichbar sind.
"Ein Transformationsfonds des Bundes könnte helfen, neue Angebote aufzubauen und die Übergangszeit zu finanzieren", schlägt Noll vor. "Wir brauchen eine Reform, die Kindern und Familien wirksam hilft und für die Kommunen dauerhaft finanzierbar ist. Dafür müssen die tatsächlichen Bedingungen vor Ort im weiteren Gesetzgebungsverfahren stärker berücksichtigt werden." (nia/pm) +++