Mordssprung und Flucht über die Donau
Tierschutzverein rettet entlaufenes Kalb "Toni" vor dem Schlachthof
Foto: Tierschutzverein Rüsselsheim e.V.
18.10.2026 / HÖCHSTÄDT/ALSFELD -
Eine außergewöhnliche Flucht aus fast auswegloser Lage hat das Kalb Toni hinter sich gebracht. Das sieben Monate alte Jungrind ist erfolgreich aus einer Bullenmast in Höchstädt im bayrischen Kreis Dillingen geflohen, nachdem es tatsächlich einen Mordssprung über eine anderthalb Meter hohe Holzabtrennung seiner Mastbox geschafft hatte. Der Landwirt, der die rasante Flucht bemerkte, wollte Toni mit dem Traktor noch den Fluchtweg abschneiden. Doch das Kalb rannte in Panik um sein Leben und zog sich dabei eine tiefe Wunde neben dem Auge zu. Die Verletzung hielt den jungen Burschen aber nicht davon ab, in die Freiheit loszustürmen. Während seiner mehrtägigen Flucht legte der Jungbulle eine Strecke von gut zehn Kilometern zurück und schwamm sogar durch die Donau.
Verhungern musste es bei seiner Flucht ja nicht, doch das Ziel der Reise war noch nicht ausgemacht. Auf einem Biobetrieb in Oberthürheim fand Toni dann Artverwandte und schloss sich dort einer Kuhherde an. Aber es gab leider immer noch keine Ruhe vor dem Schlachter, denn das neue Zuhause war nur vermeintlich ein sicherer Zufluchtsort. Tatsächlich wurde der "blinde Passagier" in der Herde entdeckt, kurzerhand eingefangen und wieder zu seinem Besitzer
in den Ursprungsbetrieb zurückgebracht.
An diesem traurigen Punkt kam aber zum Glück die Wende des Tierdramas. Denn jetzt schaltete sich der Tierschutzverein Rüsselheim e. V. aus Allmannshofen im schwäbischen Landkreis Augsburg ein. Dem rührigen Verein, dem das Wohl aller Tiere am Herzen liegt, ist es gelungen, das Tier zu übernehmen und damit vor dem Schlachten zu retten. Toni wurde somit dauerhaft vor der Mast und der bevorstehenden Schlachtung bewahrt.
Doris Rauh vom Verein Rüsselheim e. V. erklärt zu der spektakulären Flucht und Rettung, dass Tonis außergewöhnlicher Drang nach Freiheit den Ausschlag für das Rettungsengagement des Vereins gegeben habe. Die Geschichte zeige eindringlich das ausgeprägte Sozialverhalten und den individuellen Lebenswillen selbst sehr junger Nutztiere. Prinzipiell müsste jedem Lebewesen per se ein Recht auf Leben zugesprochen werden. (ci)+++