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Nobelpreise

Kämpferin für das Völkerrecht: Friedensnobelpreis an Pillay

Friedensnobelpreisträgerin "Navi" Pillay erfuhr in Nürnberg von der Auszeichnung.
Foto: Daniel Karmann/dpa

09.10.2026 / OSLO - "Navi" Pillay kämpft seit Jahrzehnten für das Völkerrecht, das zunehmend unter Druck steht. Nun bekommt die Juristin aus Südafrika den Friedensnobelpreis. Israel sieht die Entscheidung als Affront. Sie hat keine Scheu davor, sich mit den Mächtigen der Welt anzulegen: Für ihren Einsatz "zur Förderung von Frieden und Völkerrecht" ist die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Pillay habe "maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden", sagte der Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, in Oslo.



Die Jury lobte Pillays Unabhängigkeit, ihren "außergewöhnlichen Mut", ihre Integrität und ihren "festen moralischen Kompass". Sie haben Regierungs- und Staatschefs zur Rechenschaft gezogen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung gegeben. In einer Zeit, in der internationales Recht unter enormem Druck stehe und seine Institutionen angegriffen würden, brauche es Menschen wie Pillay, so das Komitee.

Die 85-Jährige kämpfte bereits als junge Anwältin gegen die Apartheid in Südafrika und machte später als internationale Spitzenjuristin Karriere. Sie war Richterin am UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda und am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sowie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Zuletzt leitete sie eine UN-Untersuchungskommission, die Israel 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf.

Die Ehrung ist damit auch politisch brisant: US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu haben sowohl die Arbeit der UN-Kommission zum Gazastreifen als auch internationale Gerichte infrage gestellt. Israels Außenministerium griff die Entscheidung des Nobelkomitees scharf an.

Preisträgerin wusste zunächst nichts von ihrem Glück

Erreicht hatte die Nobelpreisjury die Preisträgerin vor der Verkündung nicht. Pillay hielt sich zu dem Zeitpunkt bei einer Fachkonferenz zum Völkerstrafrecht in Nürnberg auf. Dort habe sie der Direktor des Nuremberg Forums aus einer Veranstaltung geholt und ihr gesagt, sie solle sich erst einmal setzen, beschrieb die 85-Jährige den Moment, als sie von der Auszeichnung erfuhr. Diese nannte sie "völlig unerwartet" und eine "wunderbare Überraschung".

Während die Friedensnobelpreisträgerin 2025, die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado, ihren Preis symbolisch Trump zugedacht hatte, widmete Pillay die Auszeichnung den Überlebenden internationaler Verbrechen und den Verteidigern des Völkerrechts. Deren Mitgefühl und Mut sorgten dafür, dass Straflosigkeit nicht hingenommen werde. "Wir leben in einer Zeit, in der internationales Recht und Menschenrechte unter erheblichem politischem Angriff stehen", sagte die Juristin in Nürnberg.

Vor ihrem offiziellen Statement war Pillay vor Ort mit Applaus empfangen worden. Einen kleinen Verweis auf den US-Präsidenten konnte sich die Preisträgerin nicht verkneifen: "Wenn ihr noch weiter klatscht, teile ich den Preis vielleicht mit Trump", scherzte sie nach Angaben des norwegischen Rundfunks.

Pillay ist nach Albert Luthuli, Desmond Tutu, Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk die fünfte südafrikanische Persönlichkeit, die den Friedensnobelpreis erhält.

Mächtige Botschaft zur Verteidigung des Völkerrechts

Mit dem Preis wollte die Jury "die Welt daran erinnern, dass die Stärkung des Völkerrechts ein Grundpfeiler für eine friedlichere Welt ist". Der Direktor des Friedensforschungsinstituts Sipri, Karim Haggag, sprach von einer extrem wichtigen Botschaft zur Verteidigung des Völkerrechts, während mächtige Staaten internationales Recht ignorierten und Institutionen bedrohten.

Auch Ole von Uexküll, Direktor der Right Livelihood Stiftung, die die Alternativen Nobelpreise vergibt, nannte die Ehrung "das richtige Signal zum richtigen Zeitpunkt". Pillay habe über Jahrzehnte "einige der wichtigsten Institutionen der regelbasierten globalen Ordnung" gestärkt, die "von den Autokraten dieser Welt immer aggressiver bekämpft" würden.

Der Preis sei "eine wichtige Würdigung der entscheidenden Rolle, die die internationale Justiz als Eckpfeiler eines dauerhaften Friedens spielt", sagte die Präsidentin des Strafgerichtshofs in Den Haag, Tomoko Akane. Besonders die USA setzen das Gericht unter Druck und haben Sanktionen gegen es verhängt.

Von der Busfahrertochter zur UN-Spitzenjuristin

Pillay wurde 1941 als Tochter eines Busfahrers im südafrikanischen Durban geboren. Weil sie als indischstämmige Frau während der Apartheid keine Anstellung als Anwältin fand, eröffnete sie 1967 als erste Frau in der damaligen Provinz Natal ihre eigene Kanzlei. Sie verteidigte Gegner des Apartheidregimes und setzte sich für die Rechte politischer Gefangener ein.

1995 wurde sie als erste nichtweiße Frau zur Richterin an einem südafrikanischen Obergericht ernannt. Im selben Jahr wechselte sie an das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ruanda, dem sie später vier Jahre lang vorstand. Dort wirkte sie 1998 an einem wegweisenden Urteil mit, das Vergewaltigung erstmals als mögliche Form des Völkermords anerkannte.

Von 2003 an war Pillay Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, bevor sie 2008 das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte übernahm. Bis 2014 blieb sie im Amt. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden.

2021 übernahm Pillay den Vorsitz einer UN-Untersuchungskommission zu Israel und den besetzten Palästinensergebieten. Im September 2025 kam das Gremium zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen habe. Israels Regierung wies die Vorwürfe als voreingenommen und falsch zurück. Die Vorwürfe der Voreingenommenheit wiederum wies Pillay mit Verweis auf die Beweislage von sich.

If there were an award for lies, hatred, and blood libels, Navi Pillay wouldn’t just be a contender. She’d be a frontrunner.

Her role in the relentless, politically motivated demonization of Israel and promotion of the genoLIE speaks volumes.

Awarding Pillay the Nobel Peace Prize isn’t a recognition of justice. It’s the grotesque weaponization of an award to legitimize anti-Israel hatred and prejudice.

Now that the Nobel commission has rewarded the biggest lie of the 21st century, Joseph Goebbels is certainly applauding from hell.— Israel Foreign Ministry (@IsraelMFA) October 9, 2026




Die Vergabe des Friedensnobelpreises an Pillay kritisierte Israel scharf. Das Komitee habe "die größte Lüge des 21. Jahrhunderts" belohnt, teilte das israelische Außenministerium auf der Plattform X mit. Die Entscheidung sei "die groteske Instrumentalisierung einer Auszeichnung, um antiisraelischen Hass und Vorurteile zu legitimieren". Der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels applaudiere "sicher aus der Hölle", hieß es weiter.

Streit um Pillays Haltung zu Israel sorgte auch in Deutschland für Kontroversen. 2022 sollte sie in Berlin die Otto-Hahn-Friedensmedaille erhalten. Nach lautstarker Kritik wurde die Veranstaltung im Roten Rathaus gestrichen.

Der Friedensnobelpreis gilt als wichtigste Auszeichnung der Welt. In diesem Jahr waren 287 Kandidaten für den Preis nominiert. Dotiert ist er mit umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro. (Friedensnobelpreis an Pillay
Von Christina Peters und Julia Wäschenbach, dpa) +++

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