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Zum Welthospiztag

Wenn Familien an ihre Grenzen kommen: Hospizbegleitung entlastet Angehörige

Im Qualifizierungskurs werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter umfassend auf ihre Aufgaben vorbereitet. Auch regelmäßige Reflexion und fachliche Begleitung sind bei diesem anspruchsvollen Ehrenamt unerlässlich.
Foto: Martin Luther Stiftung Hanau

10.10.2026 / HANAU - "Das Lustige daran war, dass er "You Are My Sunshine" gesummt hat", erinnert sich die 73-jährige Dagmar Ott aus Hanau. Als ehrenamtliche Sterbebegleiterin im Hospizdienst der Martin Luther Stiftung Hanau stand sie einem schwer kranken Mann zur Seite.



"Ich habe dann über mein Handy die Melodie abgespielt und habe gesungen, er hat mitgesummt." Sandra Bender (57) aus Bruchköbel berichtet von einer 85-jährigen Dame, die sie in ihren letzten Lebenswochen begleitet hat. "Wir haben gelacht, geweint, zusammen Suppe gegessen, gemeinsam mit ihrem Mann ein Konzert gehört. Schließlich ist sie friedlich eingeschlafen."

Gemeinsam lachen, singen und Erinnerungen teilen

Solche Momente gehören zum Alltag im ambulanten Hospizdienst. "Die Begleitung findet dort statt, wo die Betroffenen leben: zu Hause, in einer Pflegeeinrichtung oder im Krankenhaus", sagt Hospizdienst-Koordinatorin Janina Volz von der Martin Luther Stiftung Hanau. Sie betont: "Die Begleitung richtet sich nicht nur an schwer kranke Menschen, sondern ebenso an ihre Angehörigen."

Unterstützung für die ganze Familie

Gerade Familien stehen in dieser Lebensphase häufig vor praktischen Herausforderungen. Angehörige möchten da sein, müssen aber gleichzeitig arbeiten, ihre Kinder betreuen oder – wenn sie nicht vor Ort wohnen – weite Anreisewege zurücklegen. Volz schildert den Fall einer Familie, welche die Nachmittage bei ihrer schwer kranken Mutter untereinander aufgeteilt hatte. Für die Vormittage fehlte jedoch eine verlässliche Begleitung. Eine Ehrenamtliche übernahm diese Zeit. So wusste die Familie die Mutter begleitet und konnte die eigenen Kräfte besser einteilen.

Der ambulante Hospizdienst ergänzt dabei die medizinische und pflegerische Versorgung. "Wir nehmen uns Zeit für das, wofür Ärzte und Pflegekräfte keine Zeit haben: Wir können in Ruhe zuhören und einfach da sein", sagt Volz. Die Ehrenamtlichen unterstützen dabei nicht nur die schwer kranke oder sterbende Person. Sie helfen auch Angehörigen dabei, sich in einer oft unübersichtlichen Situation zurechtzufinden. Sie können beispielsweise dabei unterstützen, die richtigen Ansprechpartner einzubeziehen, etwa ein Palliativteam.

Wie unterschiedlich Unterstützung aussehen kann, zeigt ein weiterer Fall, von dem Volz berichtet: Die Tochter einer schwer kranken Frau lebte weit entfernt. Eine Ehrenamtliche fuhr noch am selben Tag zu deren Mutter und blieb bei ihr, um die Zeit zu überbrücken. "Die Tochter konnte währenddessen zu Hause alles Notwendige regeln und anschließend in Ruhe nach Hanau fahren", sagt Volz. Später begleiteten Tochter und Ehrenamtliche die Frau gemeinsam.

Gut vorbereitet auf schwere Begegnungen

Für diese Aufgaben werden die Ehrenamtlichen umfassend vorbereitet. Ein vorheriger Qualifizierungskurs umfasst unter anderem Kommunikation, Trauer, ethische und rechtliche Fragen, Pflegepraxis sowie praktische Einsätze. Auch nach Abschluss des Kurses werden die Ehrenamtlichen fachlich begleitet. Der ambulante Hospizdienst der Martin Luther Stiftung Hanau besteht seit zwanzig Jahren. Rund 30 ehrenamtlich Engagierte begleiten jährlich etwa 120 schwer kranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis. Die Begleitung ist kostenfrei.

Was hat Dagmar Ott in all den Begegnungen über das Sterben gelernt? "Es gehört zum Leben. Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber Respekt – und ich hoffe, dass er mich noch lange ignoriert." (js/pm)+++

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