Ganz ohne Ladebildschirm
Zu Besuch in der Trollbox: Ein Ort, an dem Erwachsene wieder analog spielen
Grafik/Fotos: O|N/Victor Brühl
11.10.2026 / PETERSBERG -
Brettspiele, Pen & Paper, Tabletop, Modellbau und jede Menge bemaltes Plastik: In der Trollbox in Petersberg-Marbach (im Landkreis Fulda) schlägt das Herz der analogen Nerd-Kultur. Betreiber Guido Hilgert hat hier aus einem jahrzehntelangen Hobby bei sich einen Treffpunkt für Gleichgesinnte geschaffen. Dabei geht es um weit mehr als Würfel, Miniaturen und den nächsten kritischen Treffer.
Warhammer 40.000, HeroQuest, Star Wars, Dune - die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wie viele unterschiedliche Produkte tatsächlich in der Trollbox stehen, weiß selbst Betreiber Guido Hilgert irgendwann nicht mehr ganz genau. "Ich habe eigentlich mal mitgezählt, aber irgendwann ging das nicht mehr", sagt der 53-Jährige und lacht. "Spiele samt Erweiterungen? Mindestens 500."
Ein Hobby mit mehr als 40 Jahren Spielzeit
Dass der 53-Jährige irgendwann einen eigenen Laden rund um Brettspiele, Tabletop und Rollenspiele betreiben würde, kommt nicht ganz aus dem Nichts. Schon Mitte der 1980er-Jahre spielte er Rollenspiele wie DSA (Das Schwarze Auge) und MERS. Später kamen Tabletop, Magic und Battletech hinzu. Mal wurde mehr gespielt, mal weniger. Hauskauf, Umbau und Nachwuchs verschoben die Prioritäten. Den entscheidenden Anstoß für die heutige Trollbox gab schließlich sein Sohn Robin. "Als der dann so mit etwa zwölf Jahren gefühlt zu viel am Handy oder Computer gezockt hat, habe ich gesagt: Das kann jetzt nicht sein", erinnert sich Hilgert im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Schließlich lagerten noch zahlreiche Brett- und Rollenspiele im Keller. "Dann habe ich gesagt: Okay, wir fangen jetzt einfach mal an, Pen & Paper zu spielen." Vom Digitalen ging es ins Analoge. Erst testen, dann den Geldbeutel würfeln lassen
Wer die Trollbox besucht, muss nicht blind irgendeine Box aus dem Regal ziehen. "Eigentlich fast alles, was ich hier im Laden stehen habe, habe ich selber schon gespielt", sagt der Betreiber. Viele Spiele können deshalb ausprobiert werden. Das ist gerade bei einem Hobby sinnvoll, dessen finanzielle Einstiegshürde hoch sein kann. "Hier sind auch Spiele drin, da kannst du bis zu 200 oder 300 Euro ausgeben. Es gibt aber natürlich auch günstigere Einstiegsspiele." Umso wichtiger ist Hilgert die Beratung. Denn nicht jedes Spiel passt zu dem Kunden oder funktioniert in jeder Gruppengröße gleich gut. Wer mit Freunden etwas ausprobieren möchte, kann dafür auch einen Termin vereinbaren. Drei Stunden Schnee malen? Klar.
Zur Trollbox gehören auch Spieltreffen, Turniere und Workshops. Dabei kann es durchaus speziell werden: Wie bekommt man beispielsweise eine überzeugende Schneelandschaft unter eine wenige Zentimeter große Miniatur? Bei entsprechenden Workshops werden Techniken und Spezialfarben ausprobiert. "Dann wird hier entsprechend mal drei Stunden irgendwas experimentiert. Maltechnik. Oder wie gesagt auch Spiele." Was für den einen eine kleine Plastikfigur ist, kann für den anderen schließlich eine Leinwand im Taschenformat sein. Hobby anstatt Arbeitsdruck
Einen weiteren Vorteil sieht Hilgert in seiner Erfahrung - und im fehlenden Verkaufsdruck. "Der erste Vorteil ist ganz klar: Ich habe über 40 Jahre Erfahrung." Der zweite: "Ich habe keine Not." Die Trollbox ist Nebenjob und Hobby zugleich. "Klar, ich versuche auch immer, was zu verkaufen. Aber ich muss halt nicht." Wenn an einem Tag wenig verkauft wird, wurde eben mit Kunden und Bekannten über das Hobby gesprochen. "Das ist dann kein Weltuntergang, denn ich habe keinen Druck." Alternative. Taktik. Kunst.
Wofür letztendlich die Trollbox steht, fasst Hilgert mit drei Begriffen zusammen: Alternative, Taktik, Kunst. Taktik steckt in Brettspielen und Tabletop ohnehin zuhauf. Kunst in aufwendig bemalten Miniaturen. "Es gibt Profipainter, die wirklich auch ihr Geld damit verdienen", erzählt Hilgert. Und die Alternative? Die besteht darin, Freizeit nicht ausschließlich vor einem Bildschirm zu verbringen. Natürlich haben viele Welten in der Trollbox digitale Wurzeln oder Ableger. Skyrim ist genauso vertreten wie andere bekannte Gaming-Franchises. Aber Hilgert bevorzugt am Ende doch die Variante mit echten Menschen an einem Tisch.