Bedeutende Mediziner-Ehrung
Medizin-Nobelpreis an zwei Deutsche und einen US-Forscher
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05.10.2026 / STOCKHOLM -
Gleich zwei Deutsche erhalten den diesjährigen Medizin-Nobelpreis. Für Forschung zur gezielten Veränderung von Zellen wird zudem auch ein US-Amerikaner geehrt. Ihre Erkenntnisse werden schon genutzt.
Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die beiden Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth. Ausgezeichnet werden ihre Entdeckungen im Bereich lichtgesteuerter Ionenkanäle und Optogenetik, wie das Karolinska-Institut in Stockholm mitteilte. "Die Optogenetik bietet Möglichkeiten, das Gehirn auf eine Weise zu kartieren, von der wir früher nur träumen konnten", erläuterte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Svenningsson. Hegemann forscht an der Humboldt-Universität Berlin, Nagel an der Universität Würzburg. Die Forscher erhalten jeweils ein Drittel des Preisgelds von umgerechnet rund einer Million Euro.
Mit einem Protein lassen sich Gehirnzellen aktivieren
Hegemann (71) und Nagel (73) entdeckten Anfang der 2000er Jahre - damals noch an den Max-Planck-Instituten für Biochemie und Biophysik - in einer einzelligen Alge das Protein Kanalrhodopsin (Channelrhodopsin), das Zellen empfindlich für Licht macht. Unter Einfluss von blauem Licht öffnet sich ein sogenannter Ionenkanal, der für elektrische Impulse sorgt.Therapie für die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa
Ein Beispiel für die praktische Anwendung ist etwa die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa, bei der durch verschiedene Erbgut-Mutationen die Lichtrezeptoren der Netzhaut - der Retina - zugrunde gehen. Mit Hilfe einer optogenetischen Therapie ermöglichten Forscher vor einigen Jahren einem Patienten, der durch die Netzhauterkrankung seit Jahrzehnten blind war, ein rudimentäres Sehen.In der Studie - einem Machbarkeitsnachweis - injizierte das Team in das schwerer betroffene Auge des damals 58-Jährigen einmalig Viren, die den Bauplan für das Kanalrhodopsin ChrimsonR enthielten. Mit dem in bestimmten Zellen der unteren Netzhaut entstehenden Ionenkanal konnten die Zellen aus einfallendem Licht elektrische Signale erzeugen, die sie an das Sehzentrum im Gehirn weiterleiteten. Nach der Therapie konnte der Patient mit einer Spezialbrille im Labor Gegenstände erkennen und greifen. Im Alltag registrierte er etwa ein Telefon, eine Tür oder einen Zebrastreifen.
Erste Preisträger war auch ein Deutscher
Vor 125 Jahren war der erste Medizin-Nobelpreisträger ebenfalls ein Deutscher, Emil von Behring. Zuletzt war im Jahr 2013 ein Medizin-Nobelpreis an einen deutschen Forscher gegangen: Thomas Südhof. 1995 hatte als erste und bislang einzige deutsche Frau die Tübinger Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard den Medizin-Nobelpreis erhalten.Im vergangenen Jahr ging der Nobelpreis für Medizin an Mary Brunkow, Fred Ramsdell (beide USA) und Shimon Sakaguchi (Japan). Ausgezeichnet wurden ihre Entdeckungen zur sogenannten peripheren Immuntoleranz, die verhindert, dass das Immunsystem dem Körper schadet.
Erster Preis ging an deutschen Bakteriologen
Vor dem diesjährigen Preis haben seit 1901 insgesamt 232 Menschen den Medizin-Nobelpreis erhalten, darunter 14 Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.Preisverleihung am 10. Dezember
Die feierliche Übergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Bereits am 30. September waren in Stockholm die diesjährigen Träger des Right Livelihood Awards bekanntgegeben worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird. (dpa) +++