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Geburtsparty auf dem Bauhof: Bürgermeister feiert 50. mit Bratwurst und Bier

Bürgermeister Heiko Siemon hat seinen 50. Geburtstag in Schlitz gefeiert.
Fotos: Christoph Blum

01.10.2026 / SCHLITZ - Keine Gästeliste, kein Festsaal, keine Geschenke – dafür Bier, Bratwurst und eine Spendenbox. Es war ein Stelldichein auf dem Bauhof, das beinahe schon die Anmutung eines Volksfestes hatte: Volle Hütte beim 50. Geburtstag des Schlitzer Bürgermeisters Heiko Siemon (CDU). Bei bestem Spätsommerwetter und hemdsärmeliger Verköstigung wurde aus der offenen Einladung ein rauschendes Fest. "Ich bin total begeistert", sagte Siemon im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.



Freunde und Bekannte, Schlitzer Unternehmer, Vertreter der CDU und der Opposition sowie Kollegen aus der benachbarten Kommunalpolitik, darunter auch Lauterbachs Bürgermeister Holger Marx, waren gekommen. Über rund zwei Stunden hinweg habe es eine Schlange von Gratulanten gegeben, erzählte Siemon. Die Nachwuchsgarde des Karnevalsvereins Ützhausen trat auf, Mitglieder des Reitervereins ritten auf ihren Pferden auf das Gelände, die Band Just4Fun heizte ordentlich ein und zu späterer Stunde legte ein DJ auf.

Für Freunde einfach Heiko

"Wer kommt, ist da!" hatte auf der Einladung gestanden. Willkommen war jeder, der sich Siemon verbunden fühlt. Einen förmlichen Festakt habe der Bürgermeister anfangs mal erwogen, die Idee aber wieder verworfen: "Das bin ich einfach nicht." Er wollte mit den Menschen zusammen sein, mit denen er sein bisheriges Leben geteilt hat. Beim Blick in die Gesichter fielen ihm Verbindungen aus dem Beruf, der Politik, dem Sport und persönlichen Freundschaften ein. Manche davon bestehen seit über 40 Jahren. "Es gibt einen Kern von Menschen, die weiterhin einfach nur meine Freunde sind", erzählte Siemon. Einige davon standen an diesem Abend am Grill oder halfen bei den Getränken und trugen so zum Gelingen des Festes bei. Für sie ist er noch immer der Heiko, den sie lange vor seiner Rathaus-Zeit schon kannten.

Ein besonderer Dank an die Familie

Besonders emotional wurde Siemon in seiner Rede beim Dank an seine Familie. Die vielen Termine bringen es mit sich, dass er häufig unterwegs ist. Umso mehr bedeute ihm der Rückhalt seiner Kinder und seiner Frau, die ihn oft entbehren müssen. Auch im Interview mit OSTHESSEN|NEWS sprach Siemon offen darüber, dass Beruf und Karriere schon vor dem Bürgermeisteramt viel Zeit beansprucht hätten. "Das haben auch meine Kinder gespürt. Ich habe zwar versucht, immer wieder da zu sein, doch manchmal war und ist es nicht einfach", sagte er. Inzwischen habe die Familie einen gemeinsamen Weg gefunden, mit den Anforderungen des Amtes umzugehen.

Seit fast viereinhalb Jahren im Rathaus

Seit dem 1. April 2022 steht Siemon an der Spitze der Burgenstadt, inzwischen also seit fast viereinhalb Jahren. Zuvor hatte er bei der Sparkasse Karriere gemacht und sich über viele Jahre ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert – 16 Jahre war er Stadtrat und Stadtverordneter. Als die Stadt einen neuen Rathauschef brauchte, fiel die Entscheidung gemeinsam mit der Familie. Die meisten älteren Schlitzer kannten ihn schon als Kind, "weil sie früher in Opas Fahrschule den Führerschein gemacht haben". Das alles erfülle ihn mit Stolz, "aber dazu gehört auch Demut. Das Amt ist eine Herausforderung und man darf nicht abheben." Wie eng persönliche Erinnerungen und seine Arbeit für Schlitz verbunden sind, zeigt seine Geschichte vom Freibad. Dort traf sich früher seine Generation, oft ohne sich zu verabreden. Auch die Sprünge vom Fünfer gehören zu diesen Erinnerungen. Zur Wiedereröffnung des Burgenbades 2024 sprang Siemon erneut und diesmal als Bürgermeister vom Turm. Das hatte er öffentlich angekündigt. "Wenn ich sowas sage, dann mache ich das auch", erklärte er im Interview.

Eine seiner bisher größten Herausforderungen habe er von seinen Vorgängern übernommen: den Hahnekiez auf dem alten Brauereigelände. Für die Zukunft sieht er vor allem die Finanzen als Aufgabe, denn "die Ausgaben steigen und die Spielräume werden kleiner. Wir sind das letzte Glied in der Kette. Bund, Land, Kreis – es ist immer einfach, alles auf die Ebene darunter zu wälzen. Und wir stehen hier vor Ort täglich im direkten Dialog mit den Bürgern."

"Das sage ich ohne Häme" – Wertschätzung über Parteigrenzen hinweg

Dass an diesem Abend Vertreter unterschiedlicher politischer Lager zusammenkamen, passte zu den Worten von Frank Döring. Er sitzt für die SPD im Magistrat: "Heiko ist meines Erachtens ein sehr guter Bürgermeister, das sage ich ohne jede Häme. Er hat eine klare Meinung, die er streitbar vertritt, lässt sich aber auch überzeugen. Wenn jemand eine gute Idee hat, ist es mir persönlich egal, ob die schwarz, rot, gelb oder grün ist." Wer sich am Bauhof umschaue, sehe, was den Bürgermeister ausmache: "Hier sind Unternehmer, hier sind die kleinen Leute, er hat einfach einen Draht zu allen."

Oliver Rohde vom Stadtmarketing erlebt im Rathaus inzwischen den vierten Chef, zählt man die kommissarische Zeit von Willy Kreuzer mit. Was sich mit Siemon verändert habe? "Die Offenheit für neue Ideen – auch mal verrückte, die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, auch im Tourismus und im Stadtmarketing." Das hole die junge Generation ab: "Man sieht es daran, wer heute alles hier ist."

Statt Geschenke: Spenden an wertvolle Einrichtungen im Schlitzerland

Was in der Spendenbox lag, wollte Siemon erst zu Hause zählen. Wohin es geht, weiß er schon: "Unter anderem an die Jugendfeuerwehr im Schlitzerland. Wir brauchen Nachwuchs, das sehe ich täglich. Aber auch an die Senioren, an die Kinderkrebshilfe, die in Schlitz super Arbeit macht. Und an Vereine und Einrichtungen wie das "B-Haus" und den Kulturladen." Seine Amtszeit läuft bis zum Frühjahr 2028. Dass er wieder antreten will, hatte er am Morgen im O|N-Interview gesagt. Und worauf er sich in der Dekade bis 60 freue: Vielleicht Opa werden und ein bisschen mehr Zeit haben. Zu alt jedenfalls fühlt er sich nicht: "Jetzt bin ich 50 und komme mir im Kopf noch total jung vor. Ich bin aber auch gern mit jüngeren Leuten zusammen – das ist erfrischend." Wie sein Leben einmal ohne Bürgermeisteramt aussehen könnte, sei für ihn derzeit schwer zu beantworten. "Im Moment bin ich mittendrin und morgen früh gehts weiter."

"Wer kommt, ist da", hatte auf der Einladung gestanden. Am Ende waren es 500 Gäste – und 500 Bratwürste. Die Rechnung des Sparkassenbetriebswirts ist damit auf die Wurst genau aufgegangen. (Christoph Blum)+++

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