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Von Speck bis Selfie

Fast 80 Stände: Tag der Regionen: Ein Ort zeigt, was in ihm steckt

Tag der Regionen in Hosenfeld
Fotos: Marvin Hucke

27.09.2026 / HOSENFELD - Vom Sägewerk in fünfter Generation über Maschinenbau für Südtiroler Speck bis zu Spezial-Seife, die Feuerwehren unterstützt: Beim Tag der Regionen hat sich Hosenfeld (Landkreis Fulda) am Sonntag von seiner vielfältigsten Seite gezeigt.



Unter dem Motto "Hosenfeld erleben & regional genießen" präsentierten sich von 10 bis 18 Uhr rund um das Bürgerhaus fast 80 regionale Betriebe, Vereine, Institutionen und Dienstleister. Für manche Aussteller war der Tag zugleich eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln.

Fast 80 Stände rund ums Bürgerhaus

Veranstalterin war die Gemeinde Hosenfeld, beteiligt war auch das Regionalforum Fulda Südwest. Hosenfeld reihte sich damit in den bundesweiten Tag der Regionen ein, der rund um das Erntedankfest regionale Wirtschaftskreisläufe in den Mittelpunkt rückt. Die Ausstellerliste reichte vom Handwerksbetrieb über Kindergärten, Feuerwehren und Rettungsdienste bis zu Direktvermarktern, Gastronomen und Sportvereinen. Besucher konnten ins Gespräch kommen und die Menschen hinter den Angeboten kennenlernen. Genau das war der Kern der Idee: die heimische Wirtschaft und das Vereinsleben einmal an einem Ort sichtbar zu machen.

Holz aus der Region, vom Stamm bis zum Pellet

Einer der Aussteller trägt den Ortsnamen sogar im Firmennamen: das Sägewerk Gebr. Hosenfeld. "Wir sind momentan in der fünften Generation und stellen unterschiedliche Schnittholzerzeugnisse her", erklärt Christian Hosenfeld aus der Geschäftsleitung. Spezialisiert hat sich der Betrieb auf heimische Holzarten wie Lärche, Douglasie und Kiefer. "Unser Holz beziehen wir regional, im Umkreis von rund 100 Kilometern Luftlinie." Rund 100 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt.

Was beim Sägen übrig bleibt, wird nicht abtransportiert, sondern direkt vor Ort veredelt. "Im Pelletwerk EnergiePellets Hosenfeld verarbeiten wir die Nebenprodukte, die bei uns im Sägewerk anfallen, also Sägespäne und Hackschnitzel", erläutert Anna-Lena Hosenfeld, ebenfalls in der Geschäftsleitung. Den regionalen Vertrieb zu den Endkunden übernimmt Hessen-Pellets.

Nachhaltig bis zur Auslieferung

Dabei legt das Familienunternehmen besonderen Wert auf eine nachhaltige Ausrichtung. "Wir produzieren unseren Strom größtenteils selbst, über große PV-Anlagen, darunter eine Freiflächenanlage, und haben zusätzlich Batteriespeicher", so Anna-Lena Hosenfeld. Auch bei der Auslieferung setzt man auf erneuerbare Energie: Hessen-Pellets bringt die Pellets unter anderem mit einem Elektro-Lkw zu den Kunden. "Da sind wir wirklich mit vorne dran, die Pellets so nachhaltig wie möglich zu den Kunden zu bringen."

Weltweit gefragt: Maschinenbau aus Hosenfeld

Dass aus einem kleinen Ort Produkte für die ganze Welt kommen, zeigte die Rudolf Schad GmbH & Co. KG. "Wir sind seit 1960 hier in Hosenfeld", berichtet Jana Schad, Assistenz der Geschäftsführung. Den Anfang machte eine Schlaufenknotmaschine, mit der Fleisch zum Reifen aufgehängt wird, etwa Südtiroler Schinken. Entsprechend stark ist das Unternehmen im Südtiroler Raum vertreten, liefert aber längst weltweit aus, sogar bis nach Australien und Mexiko.

Heute ist der Betrieb in zwei Sparten aufgestellt: Zur Lebensmitteltechnik gehören neben der Schlaufenknotmaschine weitere Maschinen für die Lebensmittelverarbeitung. Die Metalltechnik umfasst Sondermaschinen, Blechfertigung, Schweißen, Kanten, Drehen und Fräsen. "Wir haben uns mittlerweile einen Kundenstamm erarbeitet, auf den wir echt stolz sind", sagt Jana Schad. Der Tag der Regionen sei die perfekte Gelegenheit, "allen mal wieder zu zeigen, wer wir sind hier im kleinen Örtchen Hosenfeld, und wo wir überall auf der Welt vertreten sind".

"Chefsache": Leinweber kehrt zu seinen Wurzeln zurück

Für das Leinweber Baucentrum war die Teilnahme eine Herzensangelegenheit. "Wir sind seit 1984 mit unserem Standort in der Gemeinde Hosenfeld ansässig, hier kommt das Leinweber Baucentrum her", erklärt Geschäftsführer Sebastian Leinweber. "Deshalb haben wir es heute zur Chefsache erklärt, beim Tag der Regionen dabei zu sein." Aus den Hosenfelder Anfängen ist ein Unternehmen mit mehreren Standorten geworden, darunter ein großer Baustoffhandel in Fulda. Hinzu kommen eine Spedition und ein Betonwerk. Mit 170 Mitarbeitern ist Leinweber heute in der Region vertreten und versteht sich als kompetenter Baustoff-Fachhandel.

Seife als Helfer für die Feuerwehr?

Eine besonders sympathische Idee brachte die Seifenküche Hainzell mit. Unter der eigenen Linie "Bad Wehr" stellt das Team um Michael Knoth und Björn Pürkner Kosmetik her, die gezielt die Feuerwehren unterstützt. "Wir sind selbst sehr feuerwehrverbunden, was unsere Mitarbeiter und uns selbst betrifft", erklärt Knoth. Auf den Produkten sind deshalb aktive Feuerwehrkameraden abgebildet.

Für jedes verkaufte Produkt kommt eine Spendensumme zusammen, die direkt an die Wehren vor Ort zurückfließt. "Zur Unterstützung der Jugendarbeit und der Kinderfeuerwehren, oder für Ausstattung, die man sich vom Budget her vielleicht nicht so kaufen kann", so Knoth. Die Seifenküche gibt es bereits seit 2013, die Linie "Bad Wehr" seit 2024.

Wie ein Tag der Region ein Schwimmbad rettete

Die vielleicht schönste Geschichte des Tages erzählte Christine Schad vom Förderverein Schwimmbad Hosenfeld. Denn für das Waldschwimmbad schließt sich an diesem Sonntag ein Kreis: Schon 2004 fand in Hosenfeld ein Tag der Region statt. Damals stellte Schad spontan einen Stand mit einer Tombola für das Schwimmbad auf, mit tollen Preisen und großer Resonanz.

Daraus wurde weit mehr als eine einmalige Aktion. Das Bad war in die Jahre gekommen, eine Sanierung stand an, doch es fehlte das Geld. "Es musste mal was passieren", erinnert sich Schad. Also gründete sich eine Bürgerinitiative, die bis 2016 aktiv war. Um an Fördergelder zu gelangen, folgte dann die Gründung des Fördervereins. "Damit sind wir besser aufgestellt und werden mehr wahrgenommen. Und die Gemeinde hat uns dabei immer unterstützt."

Eine der ersten Arbeiten war die Neupflasterung des Weges vom Eingang bis zum Planschbecken, mit viel Muskelkraft und Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger. 2010 erhielt das Nichtschwimmerbecken ein neues Edelstahlbecken, 2024 begann der große Umbau der Anlage samt Erneuerung des Schwimmerbeckens. In diesem Jahr wurden mithilfe von Fördergeldern auch die Sanitäranlagen erneuert. Schads Fazit fällt begeistert aus: "Es ist wie aus dem Ei gepellt, eine sehr schöne Schwimmbadanlage für Jung und Alt, Groß und Klein geworden."

Ganz fertig ist das Projekt allerdings noch nicht. "Als Nächstes ist das Planschbecken dran, dafür kämpfen wir noch", sagt Schad, die dabei auf einen neuen, tatkräftigen Vorstand setzt. Rund 350 Mitglieder unterstützen den Verein mit einem kleinen Jahresbeitrag, "der für jeden erschwinglich ist". Auch das Vereinsleben rund ums Bad floriert: In dieser Saison gastierten Synchronschwimmer der Wasserfreunde Fulda, es gab ein Volleyballturnier, und das Abschwimmen wurde als italienischer Abend mit Pizza und Wein zum vollen Erfolg. Ihr Appell an alle: "Leute, kommt vorbei!"

Mittelstand mit gemeinsamer Stimme

Dass viele der Betriebe mehr verbindet als der Standort, erläuterte Gangolf Hosenfeld, stellvertretender Vorsitzender der MIT Fulda-Süd. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion ist ein Zusammenschluss mittelständischer Unternehmen im Kreis Fulda, die Gruppe Fulda-Süd vertritt die südlichen Gemeinden. "Wir stammen aus ganz verschiedenen Gewerben, haben aber gewerbeübergreifend dieselben Themen, die uns vor allem wirtschaftspolitisch betreffen. Da tauschen wir uns aus und engagieren uns", so Hosenfeld.

Die MIT ist die unternehmerische Vertretung der CDU. Nach Hosenfelds Worten sind darin aber auch viele Nicht-CDU-Mitglieder aktiv, weil die wirtschaftspolitische Idee dahinter breit getragen werde. "Viele Unternehmen, die sich heute hier am Tag der Regionen präsentieren, sind Mitglieder der MIT Fulda-Süd."

Programm für die ganze Familie

Neben den Ständen bot der Tag ein volles Bühnenprogramm. Eröffnet wurde er um 10 Uhr mit einem Gottesdienst auf der Sparkassenbühne im Bürgerhaus, musikalisch begleitet vom Gesangverein Blankenau. Parallel fand im Obergeschoss des Feuerwehrhauses ein Kindergottesdienst statt. Um 11 Uhr folgten die offizielle Eröffnung und die Grußworte, anschließend trat der Shanty-Chor Hainzell auf.

Ab 12 Uhr servierte der Partyservice von Keitz im Bürgerhaus einen Mittagstisch, am Nachmittag lockten Kaffee und Kuchen des Gesangvereins Hosenfeld. Auf der Bühne zeigten die TSA der Spvgg. Hosenfeld sowie die Flying Emotions des TV Hosenfeld Tanzvorführungen, am Dorfplatz spielte der Musikverein Hosenfeld. Für die jüngsten Besucher gab es eine Zaubershow mit dem Zauberer Tassini, Glitzertattoos, eine Buttonmaschine und ein Tierspuren-Quiz. (Marvin Hucke) +++

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