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Fröhliches Durcheinander

Interkulturelle Woche im Landkreis: Wenn Integration klingt

Im Interkulturellen Zentrum – dem IKUZ – in Bad Hersfeld herrscht an diesem Nachmittag ein lebendiges, warmes Durcheinander.
Fotos: Interkulturelles Zentrum (IKUZ)

27.09.2026 / BAD HERSFELD - Im Interkulturellen Zentrum – dem IKUZ – in Bad Hersfeld herrscht an diesem Nachmittag ein lebendiges, warmes Durcheinander. Stimmen mischen sich zu einem fröhlichen Klangteppich, Kinder huschen zwischen den Stuhlreihen hindurch, irgendwo wird gekichert, während nebenan noch schnell ein Instrument weitergereicht wird. Von einer strengen, stillen Probe ist hier nichts zu spüren – und genau das macht die Atmosphäre aus. Hier darf es lebhaft sein, hier entsteht Musik mitten im Miteinander.



Denn schließlich geht es um Begegnung und um Musik. Auf den Stühlen liegen ungewöhnliche Instrumente aus Bambus. Das Angklung stammt aus Indonesien und wird traditionell aus Bambus gefertigt. Jedes Instrument erzeugt nur wenige Töne. Für ein ganzes Musikstück braucht es deshalb viele Menschen. Genau darin liegt der besondere Zauber: Niemand muss alles können. Jeder trägt nur einen kleinen Teil bei. Erst gemeinsam entsteht der Klang. Davon gibt es an diesem Nachmittag reichlich.

Viele Menschen, viele Töne und ein gemeinsamer Klang

Mitten im bunten Treiben versucht ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks, den Überblick zu behalten. Iris Plass-Geißler, Michael Langlotz und Bandleaderin Revy Anandita werben immer wieder charmant um ein wenig Ruhe. Mal funktioniert das besser, mal weniger gut. Aber dieses kleine Chaos ist das perfekte Bild für das, worum es hier eigentlich geht.

Menschen unterschiedlicher Herkunft sitzen nebeneinander. Kinder und Erwachsene, jüngere und ältere Teilnehmer. Manche kennen das Angklung bereits, andere halten zum ersten Mal eines dieser Bambusinstrumente in der Hand. Berührungsängste sind schnell verflogen.

Notenkenntnisse? Nicht erforderlich. Gespielt wird nach Zahlen. Jeder Teilnehmer übernimmt wenige Töne und muss aufmerksam auf die anderen hören. Einer allein kann damit noch keine Melodie spielen. Erst wenn viele Menschen ihre jeweiligen Töne im richtigen Moment zusammenbringen, entsteht Musik. Ein durchaus treffendes Bild für das gesellschaftliche Miteinander: Jeder bringt etwas Eigenes mit und gemeinsam kann daraus etwas Größeres entstehen.

Musik als gemeinsame Sprache

Dass der Hessische Rundfunk auf diese besondere Probe aufmerksam geworden ist, dürfte deshalb nicht allein am exotischen Instrument liegen. Das Angklung ist vielmehr ein Türöffner. Es bringt Menschen zusammen, die sich im Alltag vielleicht nie begegnet wären. Die offene Probe ist Teil der Interkulturellen Woche im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Im IKUZ wird daraus an diesem Nachmittag etwas sehr Konkretes: Man sitzt nebeneinander, probiert etwas Neues aus, hört aufeinander und hat gemeinsam Spaß.

Dabei entstehen Gespräche fast automatisch. Über das Instrument, über Musik, über Herkunft und Sprache. Manchmal braucht es eben kein großes Podium und keine langen Reden, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Es reicht ein Bambusinstrument. Tanja, die aus der Ukraine stammt, erlebt diese Verbindung ganz unmittelbar. "Musik verbindet. Außerdem lernen wir hier voneinander etwas über Sprache und Kultur. Und es macht Spaß."

Viel mehr muss man über den Sinn dieses Nachmittags eigentlich nicht sagen. Denn Integration zeigt sich nicht nur in politischen Programmen oder gut gemeinten Appellen. Sie findet dort statt, wo Menschen tatsächlich miteinander in Kontakt kommen. Beim gemeinsamen Essen, beim Sport, in der Schule oder eben beim Musizieren. Das Angklung eignet sich dafür besonders gut. Es verlangt Aufmerksamkeit für die anderen. Wer nur auf sich selbst hört, verpasst seinen Einsatz. Wer zuhört, kann Teil des Ganzen werden.

Wenn aus vielen einzelnen Tönen Musik wird

Während das Fernsehteam seine Bilder sammelt, die Kinder weiter wuseln und die Instrumente immer wieder neu angesetzt werden, entsteht nach und nach ein gemeinsamer Rhythmus. Noch ist nicht jeder Ton perfekt. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht um das gemeinsame Ausprobieren.

Darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Nachmittags: Miteinander muss nicht perfekt beginnen. Es muss nur beginnen. Am Ende sind es viele einzelne Menschen, viele unterschiedliche Stimmen und viele kleine Töne. Jeder bringt seine eigene Geschichte, seine Sprache und seine Erfahrungen mit. Zusammen bilden sie einen großen Resonanzkörper.

Die "Hessenschau" des Hessischen Rundfunks wird in der kommenden Woche über die besondere Angklung-Probe im IKUZ berichten. Vielleicht lässt sich dann sogar im Fernsehen hören, wie Integration klingt. Im IKUZ weiß man längst: Sie klingt ziemlich fröhlich. (mis/pm) +++

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