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Falsche Reisekostenabrechnungen

Ex-Prokuristin von großem Unternehmen wegen Veruntreuung angeklagt

Die Angeklagte und ihr Verteidiger RA Michael Weil
Fotos: ci

24.09.2026 / FULDA - Am Amtsgericht Fulda hat am Donnerstag das Verfahren gegen die ehemalige Prokuristin eines bekannten Fuldaer Unternehmens wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung begonnen. Der 62-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft Fulda vor, in ihren persönlichen Steuererklärungen der Jahre 2010 bis 2018 erhebliche Einkünfte verschwiegen und so Steuern in Höhe von mehr als 800.000 Euro hinterzogen zu haben. Sie habe in 137 einzelnen Fällen zwischen dem 6. Februar und dem 30. November 2018 "ihre Befugnis über fremdes Vermögen missbraucht", wie es in der Anklage heißt.


Die gelernte Steuerfachangestellte war nach eigener Aussage ab 1995 bei dem Fuldaer Konzern beschäftigt, stieg später zur Prokuristin auf und übernahm ab 2000 das Personal- und Lohnabrechnungswesen. Zwischen 2010 und 2018 hatte sie auch teilweise geschäftsführende Aufgaben der verschiedenen Gesellschaften innerhalb des Unternehmens inne. Ab 2017 war sie für zwei Jahre auch Ehefrau des damaligen Vorstandsvorsitzenden und Firmengründers. Nach Trennung und Scheidung arbeitete sie noch bis zum Jahresende 2019 in der Firma und schied dann aus. Derzeit ist sie arbeitslos.

Die heute 62-Jährige soll in den angeklagten Fällen jeweils Geld von Firmenkonten abgehoben haben, die als Spesengelder angeblich wöchentlich bar an angestellte Monteure ausbezahlt wurden. Diese wohnten in Brandenburg und waren auf dortigen Baustellen des Fuldaer Unternehmens beschäftigt. Doch von den ihnen angeblich ausbezahlten Spesensummen wussten die Monteure nichts und hatten auch keine Quittungsbelege unterschrieben. Diese enthielten jeweils ausschließlich die Unterschrift der Angeklagten. So sei die Summe von 137.749,50 Euro zusammengekommen, "denen kein unternehmerischer Zweck zugrundelag", so die Anklage.

"Da ist völlig dilettantisch vorgegangen worden!"

Der Konzern hatte 2021 eine so genannte Berichtigungsanzeige beim Finanzamt eingereicht und damit eine umfangreiche nachträgliche Steuerprüfung ausgelöst. Das führte zunächst zu Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gegen die Prokuristin, doch das Hauptverfahren am Landgericht wurde nicht eröffnet, sondern in eine Anklage wegen Untreue modifiziert und an das Amtsgericht überwiesen. Als Zeuge sagte am Donnerstag ein Steuerfahnder vom Finanzamt Kassel aus, der mit den Ermittlungen befasst war. Demnach hatten alle befragten Monteure der Firma übereinstimmend bestätigt, niemals Spesen in bar erhalten zu haben. "Es wäre ja auch völlig unplausibel, wenn ein Monteur einmal in der Woche über 300 Kilometer nach Fulda und wieder zurückfährt, um sich sein Geld in bar abzuholen", so der Zeuge. Schließlich sei der Lohn ja auch auf deren Konten überwiesen worden. Seine abschließende Einschätzung zu dem Fall lautete: "Da ist völlig dilettantisch vorgegangen worden!"

Das bestätigten im Anschluss auch drei Monteure aus Brandenburg, die als Zeugen aussagten. Sie hätten weder Spesen noch sonstige Summen bar ausgezahlt bekommen. Alle drei verneinten auch nachdrücklich, jemals Schwarzgeld erhalten zu haben. Die Angeklagte hat bisher zu den Vorwürfen geschwiegen, will sich aber laut ihrem Verteidiger bei einem späteren Termin zur Sache einlassen.

Die Verhandlung wird am 15. Oktober 2026 um 14 Uhr fortgesetzt. (ci)+++

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