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Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: Tag der Deutsche Einheit

Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

03.10.2026 / FULDA - "Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen." (vgl. Mt 19,6). Dieser Satz aus dem Evangelium wird normalerweise bei einer Trauung gelesen. Aber er passt auch erstaunlich gut zu unserem heutigen Tag: dem Tag der Deutschen Einheit.



Am 3. Oktober 1990 wurde zusammengefügt, was über Jahrzehnte getrennt war. Eine Grenze, die Menschen voneinander geschieden hatte, verlor ihre Macht. Was lange unmöglich schien, wurde Wirklichkeit: Deutschland wurde wieder eins.

Wir wissen heute: Einheit ist mehr als das Entfernen einer Grenze. Einheit entsteht nicht automatisch dadurch, dass ein Staat wieder zusammengehört. Einheit muss wachsen – in den Herzen, in den Familien, zwischen Ost und West, zwischen unterschiedlichen Generationen und politischen Überzeugungen.

Vielleicht ist das gerade heute eine wichtige Botschaft. Denn auch wenn die deutsche Teilung Geschichte ist, erleben wir neue Gräben: zwischen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, zwischen Stadt und Land, zwischen Jung und Alt, zwischen denen, die sich abgehängt fühlen, und denen, die von Veränderungen profitieren. Manchmal scheint es, als würden wir wieder mehr übereinander als miteinander reden.

Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Epheser: "Bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält."(Eph. 4,3). Das ist mehr als ein frommer Wunsch. Es ist ein Auftrag.

Einheit bedeutet nicht, dass alle dasselbe denken. Einheit heißt nicht, Unterschiede zuzudecken. Einheit bedeutet, Verschiedenheit auszuhalten und trotzdem miteinander verbunden zu bleiben. Sie bedeutet, den anderen nicht zum Feind zu machen, nur weil er anders denkt.

Der 3. Oktober erinnert uns deshalb nicht nur an einen glücklichen Tag unserer Geschichte. Er erinnert uns daran, dass Frieden und Einheit möglich sind – wenn Menschen den Mut haben, Mauern abzubauen und Brücken zu bauen.

Wir dürfen heute dankbar zurückblicken. Dankbar für Menschen, die damals auf die Straße gingen. Dankbar für den Mut, die Geduld und auch für die politische Klugheit, die zur Wiedervereinigung geführt haben. Aber wir dürfen nicht stehen bleiben.

Bitten wir Gott heute darum, dass er unser Land zusammenhält. Dass er uns die Kraft gibt, einander zuzuhören. Dass er uns bewahrt vor Hass und Ausgrenzung. Und dass wir immer wieder Menschen werden, die Brücken bauen, statt neue Mauern zu errichten.

Denn Einheit ist ein Geschenk. Aber Einheit bleibt auch eine Aufgabe. Und vielleicht beginnt sie ganz einfach dort, wo einer zum anderen sagt: Du gehörst dazu. (Stefan Buß)+++

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