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Vize-Landrat im Interview

CDU nach den Wahlniederlagen: Frederik Schmitt fordert mutige Reformen

Fuldas CDU-Kreisvorsitzender und Vize-Landrat Frederik Schmitt
Fotos: Moritz Pappert

28.09.2026 / FULDA - Nach den Wahlschlappen der CDU fordert Fuldas CDU-Kreisvorsitzender Frederik Schmitt vor allem eines: "Weiter mutig an grundlegenden Reformen arbeiten." Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS erklärt der Vize-Landrat, warum er Friedrich Merz und der Bundesregierung den Rücken stärkt, welche Reformen jetzt nötig sind – und weshalb er Boris Rheins Kurs im Umgang mit der AfD unterstützt.



Die vergangenen drei Landtagswahlen waren eine Enttäuschung für die CDU. Gleichzeitig ist die AfD stärker geworden und in Berlin haben die Linken gewonnen. Den Satz von Hessens Ministerpräsidenten Boris Rhein (CDU): "Wir brauchen Abgrenzung und keine Ausgrenzung", findet Frederik Schmitt gut. Für ihn bedeutet das aber ausdrücklich keine Zusammenarbeit mit der AfD oder der Linkspartei. "Aber wenn Brandmauer so interpretiert wird, dass man Menschen nicht die Hand geben und nicht mit ihnen sprechen darf, dann konnte ich damit noch nie etwas anfangen."

Gleichzeitig hält er eine klare politische Abgrenzung sowohl zur AfD als auch zur Linkspartei für notwendig. Mit Blick auf Berlin sagt er: "Es ist ja für alle sichtbar, was da passiert bei der Linken in Berlin, welche strukturellen Probleme es mit Antisemitismus gibt und dass offensichtlich auch Verfassungsfeinde und Terrorunterstützer enge Verbindungen in die Linke haben."

Was wird jetzt wichtig für Deutschland?

Aber was wird jetzt wichtig für Deutschland? "Es braucht auf der einen Seite einfach Konzentration, Ruhe und Geduld, aber eben auch Rückgrat und Durchsetzungsvermögen, um das umzusetzen, was Deutschland braucht. Nämlich unseren Wohlstand zu sichern, Wirtschaftswachstum zu erzeugen, wettbewerbsfähig zu sein." Er ist sicher: "Wenn wir kein Wirtschaftswachstum in Deutschland generieren, wird alles schwieriger und nichts einfacher werden."

Zweitens müssen wir innere und äußere Sicherheit gewährleisten. Ein weiterer wichtiger Schritt sei laut Schmitt mit dem Entwurf zur Neuordnung des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes gerade gemacht worden. "Diese werden endlich so aufgestellt, dass sie auf die hybriden Bedrohungen auch adäquat reagieren können." Der Vize-Landrat betont: "Das Gesetz ist sehr wichtig für die Sicherheit Deutschlands."

Und ein drittes Thema ist für den CDU-Politiker essentiell: Freiheit. "Damit meine ich so wenig Staat wie nötig und so viel Eigenverantwortung wie möglich. Daran arbeiten wir beispielsweise beim Bürokratieabbau."

Blick auf die kommunale Ebene

Für die kommunale Ebene muss laut Schmitt besonders in den sozialen Bereichen noch einiges getan werden, die die Landkreise deutschlandweit unter extremen finanziellen Druck stellen. Da seien die Eingliederungshilfe für Behinderte und die Jugendhilfe zu nennen. "Hier brauchen wir aufgrund der Ausweitungen von Leistungen in den letzten zehn Jahren dringend gesetzgeberische Korrekturen. Das Geld muss in Zukunft viel zielgenauer und effizienter eingesetzt werden." Gleichzeitig wünscht er sich mehr Handlungsmöglichkeiten bei der Bekämpfung von Sozialleistungsmissbrauch und auch im Ausländerrecht. "Beispielsweise bei abgelehnten Asylbewerbern, die aber aus Ländern kommen, die nicht kooperieren und eine Abschiebung damit praktisch unmöglich machen", so Schmitt.

Dass viele Wähler ungeduldig geworden sind, kann der CDU-Politiker nachvollziehen. "Auch ich wünsche mir, dass vieles schneller geht", räumt Schmitt ein. Gleichzeitig verweist er auf die Komplexität vieler Reformen – etwa bei Rente und Gesundheit. Deutschland braucht endlich eine echte Kapitaldeckung in der Rente nach skandinavischem Vorbild. "Das führt zu höheren Renten und macht sie insgesamt generationengerechter."

"Dinge mutig und schnell verändern"

Dennoch hält der Vize-Landrat die Personaldebatte um Bundeskanzler Friedrich Merz für den falschen Weg. "Auch an der Basis nehme ich wahr, dass die Leute sagen: Setzt euch hin, macht eure Hausaufgaben, konzentriert euch auf das, was ansteht, und hört auf, diese Debatten zu führen, die uns nicht weiterbringen." Die sicherheitspolitische und wirtschaftliche Lage sei in Deutschland viel zu ernst für solche Debatten.

Und auch nicht jeder Bundeskanzler müsse laut dem CDU-Kreisvorsitzenden der beliebteste sein. "Gerhard Schröder war während der Agenda 2010 ebenfalls auf einem Tiefpunkt seiner Beliebtheit – rückblickend waren die Reformen aber ein wichtiger Baustein für Deutschlands Erfolg." Dabei macht er klar: "Deutschland würde es gut tun, wenn es sich auf seine Stärken besinnt, weil wir deutlich stärker sind, als wir es uns oft selbst zugestehen."

Abschließend zeigt sich Frederik Schmitt optimistisch: "Wir müssen Dinge mutig, grundlegend und auch schnell verändern." Für Vize-Landrat ist das die entscheidende Aufgabe der kommenden Monate – für die Bundesregierung genauso wie für die CDU. (Moritz Pappert) +++

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