Wir haben nachgefragt
Nach Wahl-Desaster: Das sagen hessische Politiker zu den Ergebnissen
Arichvfotos: ON
21.09.2026 / REGION -
Die Ergebnisse der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind eine Zäsur - besonders für die CDU. In Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD besonders stark, in Berlin die Linke. In beiden Bundesländern mit jeweils historischen Ergebnissen. Für die CDU sind die Wahlen eine große Niederlage. Wir haben die Stimmen hessischer Politiker dazu gesammelt:
Bundestagsabgeordneter Wilhelm Gebhard (CDU)
"Bei beiden Wahlen liegen extreme Parteien vorne. Das ist die eigentliche Schlagzeile und das muss jetzt auch den letzten wachrütteln. Für mich als überzeugten Christdemokraten sind beide Ergebnisse bitter. Einerseits das enorme Erstarken der AfD und andererseits eine starke Linke in der Stadt, die sich 1989 über den Fall der Mauer und über die Befreiung vom Sozialismus gefreut hat.
Und am Ende wünsche ich mir gerne auch wieder etwas mehr gesunden Patriotismus und mehr Liebe zum Land, zur Flagge und zu Europa. Hierzu hat unser Fussball-Bundestrainer Jürgen Klopp kürzlich etwas sehr Bemerkenswertes gesagt. Nur mit starker Identität zu Deutschland und zu Europa schaffen wir wieder mehr Gemeinschaftssinn. Wir alle müssen wieder Lust bekommen, gemeinschaftlich unser Land nach vorne zu bringen und eine gemeinsame Vision von Deutschland in 2030 bzw. in 2035 beschreiben. Abschließend wünsche ich mir, dass unsere Gesellschaft wieder enger zusammenwächst und wir es schaffen, dass in Deutschland ein neues WIR-Gefühl entsteht. Dazu kann ein Jeder und eine Jede einen Beitrag leisten, jeden Tag. Die Politik muss dafür Vorbild sein."
"Wer nach solchen Ergebnissen nicht nachdenkt, der hat nichts im Kopf. Dabei dürfen wir aber auch nicht in Panik verfallen, gerade in der Krise ist klarer Kopf gefragt. Meine vielen Gespräche vor Ort ergeben ein klares Bild: Die Mehrheit der Leute weiß sehr gut, dass wir was ändern müssen, wenn wir halten wollen, was wir haben - weil uns sonst die anderen abhängen und wir in Deutschland dafür einen sehr hohen Preis bezahlen müssten.
Bundestagsabgeordneter Pierre Lamely (AfD)
"In der Lagebeurteilung hat der Kanzler ausnahmsweise recht. Es ist ein Desaster; nur eben seines", sagte Lamely. "Eine Kanzlerpartei, die in einem ganzen Bundesland um den Wiedereinzug ins Parlament zittert, hat kein Kommunikationsproblem, sondern ein Politikproblem. Wer in dieser Lage nicht die Vertrauensfrage stellt, klammert sich an ein Amt, für das ihm die Wähler gerade die Grundlage entzogen haben."
Besonders für den ländlichen Raum sei die Fortsetzung dieser Politik teuer. "Wer in Hünfeld, Tann oder Neuhof wohnt und in Fulda arbeitet, fährt nicht aus Vergnügen Auto. Jeder Cent an der Zapfsäule ist hier eine Steuer auf Arbeit. Jede weitere Auflage im Wohnungsbau ist hier ein Mietaufschlag. Wer das ignoriert, darf sich über Wahlergebnisse wie heute Abend nicht wundern." Und er betont: "Ein Kanzler ohne Mehrheit im Land regiert auf Abruf. Die ehrlichste Antwort auf diesen Abend sind Neuwahlen."
Dr. Jens Mischak (CDU), Landrat Vogelsbergkreis
"Der Ausgang der Wahlen für die CDU ist bitter, aber das treibt mich nicht allein um. Wenn ich nun von allen Seiten höre, dass es "so nicht weitergehen kann", dann frage ich mich, was diese Aussage eigentlich bedeutet; auch für die Ansage, man "müsse besser kommunizieren". Was meinen die Verantwortlichen damit? Dass man keine Wahlen verlieren will? Logisch. Aber jedem vernünftig Denkenden muss doch klar sein, dass wir aus Frust vor den Ergebnissen der Wahlen jetzt nicht das sein lassen können, was nun mal notwendig ist.
Patrick Krug, Vorsitzender der Vogelsberger SPD und Vize-Landrat
"Auch wenn es am Ende nicht ganz für Platz 1 gereicht hat, zeigt die beeindruckende Aufholjagd von Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern, dass die SPD mit einer klaren Haltung, überzeugendem Personal, einer optimistischen Botschaft und einer guten Kampagne grundsätzlich noch in der Lage ist, Ergebnisse von deutlich über 30% bei Wahlen zu holen. Viele Ergebnisse im Wahljahr 2026 belegen aber, dass all das in der Bundes-SPD fehlt und die momentane Aufstellung der Bundes-SPD eine Belastung für die Arbeit vor Ort darstellt.
Ines Claus, CDU-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag
"Die Ergebnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern tun weh. Wenn in Berlin eine linke radikale Partei und in Mecklenburg-Vorpommern eine rechte radikale Partei die stärkste parlamentarische Kraft werden, haben wir es mit tektonischen Veränderungen zu tun. Diese Ergebnisse zeigen, wie groß die Polarisierung ist.
Die Menschen erwarten von der politischen Mitte jetzt vor allem eines: Stabilität. Und Stabilität besteht aus Haltung und Handlung. Die tektonischen Verschiebungen im Wahlverhalten haben viele Ursachen. Es wäre zu einfach, sie allein an einer Person festzumachen. Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen. Wir müssen die Herausforderungen anpacken, die Chancen unserer Lösungsvorschlägen besser erklären und das umsetzen, was wir den Menschen versprochen haben. Dafür braucht es jetzt Zusammenhalt und einen klaren Blick nach vorne."
Der Landesvorsitzende der CDU Hessen, Ministerpräsident Boris Rhein, auf X:
1. Teuer-Stopp beim Tanken und Heizen.
2. Keine Kürzungen beim Elterngeld.
3. Keine Steuererhöhungen auf Lebensmittel.
Der Staat muss die Preiskrise bekämpfen, nicht beschleunigen. Nur dann gewinnen wir Vertrauen zurück." (mp) +++