Wiesn 2026
Bilderbuchstart und Söder-Lob: Krause eröffnet Oktoberfest
Foto: Sven Hoppe/dpa
19.09.2026 / MÜNCHEN -
Perfekter Einstand für den neuen Münchner Oberbürgermeister: Dominik Krause hat seinen ersten Oktoberfest-Anstich souverän mit zwei Schlägen gemeistert - auch wenn er einräumt, sich dafür etwas Mut angetrunken zu haben. Zwei Bier habe er am Abend vorher getrunken und dann wunderbar geschlafen, sagt Krause. Die erste Maß reicht er Ministerpräsident Markus Söder (CSU), um mit ihm anzustoßen: "Auf eine friedliche Wiesn!"
Tosender Applaus für die grüne Anzapfpremiere, versöhnliche Töne vom CSU-Kontrahenten Söder - und dann herrscht auch noch perfektes Wiesn-Wetter. Von einem "Bilderbuchstart" in das Millionen-Spektakel spricht Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD).
Seite an Seite stehen der grüne OB und der schwarze Ministerpräsident nicht nur beim Wiesn-Auftakt, sondern auch bei der Bewerbung Münchens als deutsche Olympia-Stadt. Kurz vor der Entscheidung über die deutsche Bewerbung am 26. September sagt Söder: "Wir arbeiten da sehr gut zusammen. Da bin ich sehr froh drüber." Das müsse nicht automatisch so sein, sagt Söder noch mit einem kleinen Seitenhieb: "Früher waren die Grünen ja gegen Olympia."
Pause von der Krise?
Jetzt sei Zeit, jenseits der Politik zu feiern. "Ich glaube, je schwerer die Zeit, desto eher ist wichtig, auch mal auszuspannen von dem Ärger, mal Pause zu machen in der Krise", sagt Söder. "Grad heut feiern wir mal und versuchen, das Leben ein bisschen zu genießen und Kraft zu tanken für das, was eh noch alles auf uns zukommt." Das 191. Oktoberfest dauert bis zum 4. Oktober, jährlich kommen mehr als sechs Millionen Besucher auf das Volksfest, das als größtes der Welt gilt.Krause betont: "Auf der Wiesn gibt es eigentlich keine Parteifarben, hier kommen alle zusammen." Er habe die Zusammenarbeit mit ihm und Söder als stets gut und zuverlässig wahrgenommen. Der große Fokus sei derzeit Olympia.
Unter den Gästen im Schottenhamelzelt sind zahlreiche Prominente wie FC-Bayern-Star Joshua Kimmich, der mit seiner Frau Lina, Herzog Franz von Bayern und dem Chefdirigenten der Münchner Philharmoniker, Lahav Shani, an Krauses Tisch sitzt. Moderator Florian Silbereisen, DJ Ötzi und das Schlager-Duo Marianne und Michael mischen sich ebenfalls unter die Feiernden - und ein paar Zelte weiter zapft Schauspieler Ralf Moeller ebenfalls ein erstes Fass an, ebenfalls mit zwei Schlägen.
Gedenken an die Opfer des Wiesn-Attentats
Soweit, so traditionell. Doch Krause hat für seine erste Wiesn als OB auch eine Neuerung mitgebracht: Beim Einzug der Wiesnwirte und Brauereien auf das Festgelände hielt seine Kutsche am Haupteingang zu einem kurzen Gedenken an die Opfer des Wiesn-Attentats 1980. Am Abend des 26. September 1980 hatte dort eine Bombe zwölf Wiesn-Besucher in den Tod gerissen und rund 200 verletzt. Auch der rechtsextreme Täter Gundolf Köhler starb.Mehr Sicherheit nach Überfüllung
Das Sicherheitskonzept wurde nachgeschärft, nachdem es im Vorjahr am zweiten Samstag auf der überfüllten Wiesn zu gefährlichen Situationen gekommen war. Von einer neuen Koordinierungsstelle für Sicherheitskräfte und Stadt auf dem Gelände sollen die Besucherströme auf dem Festgelände beobachtet und bei Bedarf gesteuert werden.Mehr als 50 KI-gestützte Kameras sollen rechtzeitig gefährliche Ansammlungen von Menschen erkennen lassen. Zudem ist an den besucherstarken Tagen ein sogenannter Crowdspotter im Einsatz, der die Besucherströme im Blick behält - und bei Bedarf Durchsagen an die Gäste macht.
Etwa 600 Polizeibeamte und Hunderte Ordner der Stadt München wie auch der Festwirte sind rund um das Fest im Einsatz. Die Polizei sieht sich auch mit Blick auf die jüngsten Drohnen-Vorfälle gut vorbereitet. Es gebe dabei auch Unterstützung vom neuen Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum.
Erste Zahlen von Polizei und Sanitätern
Laut Polizei waren rund 55.000 Zuschauer beim Einzug der Wiesnwirte dabei, im vergangenen Jahr waren es demnach nur etwa 40.000. Es habe bis zum Nachmittag keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben.Der Sanitätsdienst auf der Wiesn hatte schon vor dem Anstich von etwa 50 Einsätzen berichtet. Kurz nach der offiziellen Eröffnung wurde ein Patient mit Herz-Kreislauf-Symptomen in ein Krankenhaus gebracht.
Am Sonntag geht es weiter auf dem Festgelände - beziehungsweise mit einem großen Umzug von Trachtlern, Schützen und Blaskapellen durch die Münchner Innenstadt. (Julian Degler, Sabine Dobel, Britta Schultejans und Kathrin Zeilmann, dpa) +++