"Wir brauchen mehr Praxistauglichkeit"

Ministerin Diana Stolz macht Fulda zur Hauptstadt der Gesundheit

Die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz wird im kommenden Jahr den Vorsitz der 100. Gesundheitsministerkonferenz in Fulda haben.
Fotos: Maurice Schumacher

22.09.2026 / FULDA - Fulda wird zur Bundeshauptstadt im Thema Gesundheitspolitik! Grund dafür ist die 100. Konferenz der Gesundheitsminister (GMK), die am 2. und 3. Juni 2027 in der Domstadt ausgetragen wird. Den Vorsitz wird dann die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) übernehmen. Im OSTHESSEN|NEWS-Redaktionsgespräch hat sie bereits jetzt verraten: Schwerpunkt wird unter anderem das Thema Frauengesundheit.



Die 16 Landesgesundheitsminister treffen sich turnusmäßig jedes Jahr im Juni zu einer zweitägigen Konferenz, diskutieren und verabschieden Beschlüsse, die sich meist mit Forderungen an die Bundespolitik richten. Auch der Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann wird erwartet.

"Das, was hier in Fulda besprochen und beschlossen wird, hat Bedeutung weit über Hessen hinaus und gestaltet dann die Gesundheit für ganz Deutschland", gibt Gesundheitsministerin Stolz gleich zu Beginn bekannt. "Ende des Jahres sollen die Vorschläge der Expertenkommission für eine Strukturreform der GVK eröffentlicht werden, die Umsetzung dessen läuft dann in 2027." Auch deshalb stehe im kommenden Jahr ein ganz besonderes Versorgungsjahr an.

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Weshalb die Domstadt jetzt Ausrichter der GMK werden darf, erläutert Stolz im Gespräch mit den beiden O|N-Geschäftsführern Christian P. Stadtfeld und Hendrik Urbin. "Fulda verbindet eine pulsierende Metropole und den ländlichen Raum. Für mich ist wichtig, dass man in der medizinischen Versorgung beides im Blick behält - da ist Fulda wirklich symbolisch."

Hausärzte-Mangel entgegenwirken

Die aktuellen Herausforderungen in der hausärztlichen Versorgung sind jedoch auch in Osthessen ein großes Thema. Viele Hausärzte finden keinen Nachfolger, Patienten gehen dann in der Akutversorgung direkt in die Notaufnahme oder wählen die 112. "Wie soll das aufgefangen werden?", fragt O|N-Chefreporter Stadtfeld. Für die hessische Ministerin spielt da die Entbürokratisierung eine große Rolle. "Es muss ganzheitlich gedacht werden und Patienten müssen gelotst werden, dass sie, egal wohin sie sich wenden, in die richtige Versorgungsstruktur gelangen."

Seit mehr als 20 Jahren macht die gebürtige Frankfurterin Gesundheitspolitik. Seit Januar 2024 ist sie Ministerin für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege im Kabinett von Ministerpräsident Boris Rhein. Für sie ist Gesundheitspolitik eine Säule der Demokratie. "Wenn Gesundheitsversorgung nicht funktioniert, dann haben wir ein echtes Problem." Eine bedeutsame Antriebsfeder für ihre Arbeit: "Man gestaltet die Lebenswirklichkeit der Menschen - damit sich alle darauf verlassen können, im Notfall gut versorgt zu sein."

Nina Seikel und Luisa Heinz aus der O|N-Redaktionsleitung richten den Blick auf die GMK im Juni 2027: "Wieso sehen Sie großen Handlungsbedarf in der Frauengesundheit?" Die Medizin habe Frauen lange behandelt "wie Männer mit Gebärmutter. Geschlechtsspezifische Unterschiede etwa bei Medikamentenwirkungen wurden zu wenig berücksichtigt, Krankheiten wie Endometriose häufig nicht ernst genommen oder zu spät erkannt." Mehr Aufklärung und Sichtbarkeit seien deshalb dringend notwendig.

Damit dürfte die 100. GMK in Fulda nicht nur zum gesundheitspolitischen Großereignis werden, sondern auch zur Bühne für die Frage, wie eine moderne Gesundheitsversorgung künftig aussehen soll. (Nina Seikel) +++

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