O|N-Arzt Dr. Böhm klärt auf

Sinkende Temperaturen, steigende Infekte: Das hilft bei der Erkältungswelle

Mit den sinkenden Temperaturen im September verbringen nun viele Menschen wieder mehr Zeit in Innenräumen. Damit beginnt auch wieder die Zeit der Erkältungen und Atemwegsinfekte in Deutschland.
Symbolfoto: pixabay

21.09.2026 / REGION - Der Sommer 2026 war ungewöhnlich heiß. In Osthessen wie in der gesamten Bundesrepublik ächzten die Menschen unter den hohen Temperaturen und suchten schattige Plätze und Abkühlung. Mit den sinkenden Temperaturen im September verbringen nun viele Menschen wieder mehr Zeit in Innenräumen. Damit beginnt auch wieder die Zeit der Erkältungen und Atemwegsinfekte in Deutschland.



Noch ist die Lage allerdings vergleichsweise ruhig. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) litten in der 36. Kalenderwoche schätzungsweise rund 3,8 Millionen Menschen in Deutschland unter einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung. Das entspricht etwa 4.500 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Seit dem Tiefpunkt in der 33. Kalenderwoche ist die Zahl der Atemwegsinfekte damit bereits wieder deutlich gestiegen. Das RKI bewertet die Aktivität insgesamt jedoch weiterhin als niedrig und für diese Jahreszeit üblich. Atemwegserkrankungen verbreiten sich vor allem dort, wo viele Menschen in Innenräumen zusammenkommen. Die Erreger werden insbesondere über Tröpfchen und Aerosole übertragen, die beim Atmen, Sprechen, Husten oder Niesen entstehen.

Das kann in der Erkältungszeit helfen

Die Corona-Pandemie liegt mittlerweile allerdings einige Jahre zurück. Viele der damals besonders präsenten Regeln zum Schutz vor Atemwegsinfektionen sind aber weiterhin sinnvoll. Dazu gehören eine gute Handhygiene, Abstand zu Erkrankten und insbesondere zum Schutz besonders gefährdeter Menschen situationsabhängig auch das Tragen einer Maske. Wer selbst krank ist, sollte nach Möglichkeit zu Hause bleiben, um andere nicht anzustecken und dem eigenen Körper Zeit zur Erholung zu geben.

Darüber hinaus kann jeder etwas für seine allgemeine Gesundheit und ein funktionierendes Immunsystem tun: Eine ausgewogene Ernährung mit frischem Gemüse und Obst, regelmäßige körperliche Aktivität, möglichst an der frischen Luft, und ausreichend Schlaf gehören dazu. Auf gesundheitsschädliche Substanzen wie Nikotin sollte möglichst verzichtet und Alkohol nur in möglichst geringen Mengen konsumiert werden.

Impfschutz vor Grippewelle – Impfung im Herbst

Eine der wichtigsten Waffen der Medizin im Kampf gegen schwere Atemwegsinfektionen sind Impfungen. Besonders relevant für die kommende Erkältungs- und Infektsaison sind die Impfungen gegen die echte Virusgrippe, die sogenannte Influenza, gegen COVID-19 und gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Allerdings werden diese Impfungen nicht allen Menschen gleichermaßen empfohlen. Gerade bei COVID-19 haben sich die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2026 verändert. Für gesunde Erwachsene besteht keine allgemeine Empfehlung mehr, eine COVID-19-Basisimmunität durch Impfungen oder Infektionen aufzubauen.

Eine jährliche COVID-19-Impfung wird als Standardimpfung nun für Menschen ab 75 Jahren empfohlen. Darüber hinaus bleibt sie unter anderem für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen und einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf sowie für bestimmte beruflich exponierte Personengruppen empfohlen. Die jährliche Influenza-Impfung wird unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen sowie Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeeinrichtungen empfohlen.

Da der Impfschutz rechtzeitig vor der Grippewelle aufgebaut sein sollte, wird die Impfung in der Regel im Herbst durchgeführt. Auch gegen RSV gibt es mittlerweile eine Impfung für ältere Menschen. Die STIKO empfiehlt eine einmalige RSV-Impfung für alle Menschen ab 75 Jahren. Für Menschen zwischen 60 und 74 Jahren wird sie empfohlen, wenn aufgrund einer schweren Grunderkrankung ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren RSV-Verlauf besteht oder sie in einer Pflegeeinrichtung leben. Die RSV-Impfung ist nach aktuellem Stand keine jährlich zu wiederholende Impfung. Auch Säuglinge können vor schweren RSV-Erkrankungen geschützt werden. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um eine klassische Impfung: Neugeborene und Säuglinge sollen in ihrer ersten RSV-Saison eine passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab erhalten. Dadurch stehen dem Kind unmittelbar Antikörper gegen RSV zur Verfügung.

Die besten Ansprechpartner für Fragen zu den genannten Impfungen sind Hausärztinnen und Hausärzte. Dort kann auch individuell geklärt werden, welche Impfungen empfohlen und sinnvoll sind. Also: Rechtzeitig einen Termin vereinbaren und gut gerüstet in die Erkältungssaison 2026 starten. (Dr. med. Adrian Böhm) +++

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