Tanken immer teurer
Spritpreis-Entlastung: Preisdeckel oder Mehrwertsteuersenkung?
Foto: Michael Kappeler/dpa
18.09.2026 / BERLIN -
Wann tut sich was gegen die hohen Spritpreise? In der Bundesregierung wird noch verhandelt. Der Vizekanzler erwartet aber ein "schnelles Signal".
Die Bundesregierung ringt weiter um Maßnahmen gegen die hohen Spritpreise. Auch eine hochrangig besetzte Runde am Donnerstagabend brachte keine endgültige Einigung - obwohl vor allem die CDU vor den anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin enorm unter Druck steht, schnell etwas zu liefern.
"Wir suchen jetzt gerade nach Lösungen", sagte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) am Morgen vor einem Treffen europäischer Finanzminister in Dublin. "Ich will jetzt ein klares, schnelles Signal an den Zapfsäulen", betonte der Vizekanzler. "Daran arbeiten wir und ich bin auch guter Dinge, dass wir das jetzt sehr zügig hinbekommen."
Die Ideen des Finanzministers
Klingbeil wirbt bereits seit Monaten für einen Preisdeckel, also einen staatlich vorgegebenen Maximalpreis an der Zapfsäule. Außerdem dringt er auf eine europäische Übergewinnsteuer für die Mineralölkonzerne. Damit müssten auf besonders hohe Gewinne zusätzliche Steuern gezahlt werden, die Einnahmen könnten an die Bürger weitergegeben werden. Umstritten ist allerdings die Definition des Übergewinns.Die Ideen der CDU-Seite
In der Union werden Übergewinnsteuer und Preisdeckel dagegen kritisch gesehen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plädierte zunächst für eine Direktzahlung für Menschen mit wenig Einkommen - doch das kann der Bund technisch noch nicht. Dann brachte sie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 19 auf 7 Prozent ins Spiel.Nach Berechnung des Steuerexperten Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung würde das bei einem Spritpreis von 2,30 Euro pro Liter rechnerisch eine Preissenkung von 23,2 Cent bedeuten. Das sei eine größere Entlastung als der im Frühjahr temporär eingeführte Tankrabatt, erklärte Bach auf X.
Entlastung #Spritpreise durch Senkung der #Mehrwertsteuer auf 7%: Bei 2,30 Euro/l an der Tanke bedeutet das rechnerisch eine Preissenkung von 23,2 Cent/l. Beim Tankrabatt waren es nur 16,7 Cent/l. https://t.co/GX16zcUitW— Stefan Bach (@SBachTax) September 17, 2026Allerdings ist auch eine Steuersenkung nicht unproblematisch. Nicht nur würde sie zu geringeren Steuereinnahmen für Bund und Länder führen - die Länder müssten deshalb auch einverstanden sein. Die EU setzt einer Steuersenkung auch Grenzen. Für Benzin und Diesel sind ermäßigte Mehrwertsteuersätze nach der EU-Mehrwertsteuerrichtlinie grundsätzlich nicht zulässig. Bei Verbrauchsteuern wie der Energiesteuer gelten Mindestsätze, die man nur mit besonderer Genehmigung unterschreiten darf. (dpa) +++
Foto: Katharina Redanz/dpa