"Violence as a Service" im Fokus
Hessen geht konsequent gegen neue Formen der organisierten Kriminalität vor
Archivfoto: O|N / Hendrik Urbin
18.09.2026 / WIESBADEN -
Vor dem Hintergrund von fünf Sprengstoffexplosionen im Rhein-Main-Gebiet in den letzten Tagen kündigte Innenminister Roman Poseck heute in Wiesbaden ein konsequentes Vorgehen der Sicherheitsbehörden an: "Wir nehmen die aktuellen Entwicklungen sehr ernst. Organisierte Kriminalität hat eine neue Dimension erreicht, wenn gezielt Explosionen eingesetzt werden, um andere, die nicht selten selbst in kriminelle Machenschaften verstrickt sind, einzuschüchtern und zu bedrohen.
Diese Taten richten sich nach Ansicht des Innenministers zwar nicht gegen Unbeteiligte und in der Regel auch gar nicht gegen Leib und Leben, sie sind aber hochgefährlich. " Ich verstehe die Sorgen der Menschen, die durch Explosionen in der Nachbarschaft verängstigt sind", so Poseck.
"Wir werden in Hessen alles dafür tun, dem Anstieg dieser Fälle wirksam zu begegnen. Ich bin zuversichtlich, dass dies auch gelingen wird. Die Verhaftungen nach den Taten der letzten Tage zeigen, dass die Strafverfolgungsbehörden den Tätern auf den Fersen sind. Die Ermittler werden die aktuellen Fälle sehr sorgfältig und mit Hochdruck bearbeiten, so dass hoffentlich auch Strukturen aufgedeckt und Hintermänner zur Rechenschaft gezogen werden können", erklärte der Innenminister.
Da Spuren immer wieder in die Niederlande führen, werde man die Zusammenarbeit mit den dortigen Sicherheitsbehörden intensivieren. Auch Aktionstage gegen den organisierten Sozialbetrug leisten einen Beitrag, indem zum Beispiel auf Autobahnen gezielt kontrolliert wird. "Ich werde das Thema auch in die nächste Innenministerkonferenz einbringen. Es handelt sich um ein deutschlandweites Phänomen. Deshalb ist es richtig, Bekämpfungsstrategien aufeinander abzustimmen", so Roman Poseck.
Zum Phänomen "Violence as a Service"
Das Phänomen "Violence as a Service" stellt eine neue Dimension der schweren und organisierten Kriminalität dar, deren Taten ohne erkennbare Verbindung zwischen den Beteiligten verübt werden. Was für die Auftraggeber äußerst lukrativ ist, birgt für Unbeteiligte und für die öffentliche Sicherheit erhebliche Gefahren.Charakteristisch für dieses Phänomen ist das gezielte Anwerben leicht beeinflussbarer und häufig Minderjähriger oder junger Erwachsener im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. Oft stammen diese aus dem Ausland, wo sie polizeilich schon in Erscheinung getreten sind, und reisen nur für die Begehung von Straftaten nach Deutschland ein. Vereinzelt wurde jedoch auch schon die Rekrutierung entsprechender Personen in Deutschland registriert.
Hessen reagiert auf diese Entwicklung unter anderem mit den folgenden Maßnahmen:
- Im November 2025 wurde die Task Force "Violence as a Service" im Hessischen Landeskriminalamt eingerichtet. Somit besteht eine spezialisierte Struktur, die operative, analytische und strategische Kompetenzen bündelt.
- Landesweite Aktionstage mit Schwerpunkt VaaS, insbesondere unter Nutzung von Schleierfahndungsmaßnahmen auf hessischen Bundesautobahnen sind fester Bestandteil zur Bekämpfung der schweren, strukturellen und organisierten Kriminalität.
- Datenanalyse, insbesondere Nutzung von hessenDATA.
- Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit (Europol, Niederlande, BKA).
- Sensibilisierungsmaßnahmen innerhalb der Polizei und in der Öffentlichkeit.
- Es bestehen regionale Einheiten, die sich gezielt auf die Bekämpfung organisierter und struktureller Kriminalität konzentrieren, darunter auch die Bekämpfung von VaaS.