Nationalmannschaft wieder Herzenssache?
Mehr als nur ein DFB-Kader: Jürgen Klopp will Schwarz-Rot-Gold zurückholen
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17.09.2026 / KOMMENTAR -
Jürgen Klopp braucht nicht lange, um deutlich zu machen, dass er diesen Job größer denkt als die Frage, ob Joshua Kimmich künftig im Mittelfeld spielt oder wer die Nummer eins im Tor ist. Bei seiner ersten Kadernominierung als Bundestrainer am Donnerstag spricht er über Fußball. Über außergewöhnliches Talent, über 44 Spieler für zwei Kader, über junge und erfahrene Profis und darüber, wie er in wenigen Trainingseinheiten eine Mannschaft entwickeln will. Doch er spricht auch über etwas, das rund um die deutsche Nationalmannschaft lange erstaunlich schwer auszusprechen war: Stolz.
Es sind nur ein paar Deutschland-Kappen, die Klopp zu seiner ersten Kadernominierung als Bundestrainer mitgebracht hat. Am Ende führen sie jedoch zu dem vielleicht wichtigsten Satz dieser Pressekonferenz - einem Satz, der weit über den Fußball hinausgeht. "Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen", sagt Klopp. Wenn jemand die deutsche Fahne schwenke, solle die Reaktion nicht sein: "Was ist mit dir denn nicht in Ordnung?" Dann folgt der entscheidende Satz: "Nationalstolz will ich nicht den falschen Leuten überlassen."
Gerade der Fußball hat oft genug gezeigt, wie das aussehen kann. Eine Nationalmannschaft kann Menschen zusammenbringen, die ansonsten wenig miteinander verbindet. Für einen Abend zählt nicht, wo jemand geboren wurde, welche Partei er wählt oder welchen Beruf er ausübt. Man trägt dasselbe Trikot, ärgert sich über dieselbe vergebene Chance und jubelt bei einem oder mehreren Krügen Bier über dasselbe Tor. Genau dieses Gefühl möchte Klopp offenbar wieder stärker machen.
Spaß und Gemeinschaftsgefühl wieder zurückkriegen
"Wir müssen hinkriegen, wieder Spaß zu haben an der ganzen Nummer", sagt er. Denn rund um die Nationalmannschaft ist in den vergangenen Jahren vieles schwer geworden. Debatten über Ergebnisse, Personalien, Erwartungen, gesellschaftliche Fragen und die Bedeutung des DFB überlagerten immer wieder das, worum es eigentlich gehen sollte: Fußball - und die gemeinsame Freude daran. Vielleicht braucht diese Nationalmannschaft genau diese Selbstverständlichkeit wieder. Aufbruch statt Revolution
Damit dieses Gefühl zurückkommt, reichen allerdings weder Deutschland-Kappen noch emotionale Reden. Begeisterung entsteht am Ende vor allem durch guten Fußball. Klopp schwärmt deshalb von der Qualität, die er in den vergangenen Wochen entdeckt habe. "Es hat mir höllisch viel Spaß gemacht. Wir haben ganz viel Fußballtalent gefunden. Und jedem von ihnen bedeutet es unglaublich viel, das Nationaltrikot tragen zu dürfen."Selbst bei der U21 - deren Nominierung wohl am Freitag ansteht - gebe es Stürmer, die ebenso gut bei der A-Nationalmannschaft hätten dabei sein können. Im Tor sieht Klopp trotz der öffentlichen Diskussionen kein grundsätzliches Problem, sondern "außergewöhnliche Talente". Kimmich soll zurück ins Mittelfeld, ter Stegen ins Tor. Andere "Systemspieler" sind auch wieder dabei. Gleichzeitig öffnet Klopp aber auch bewusst die Tür für neue Spieler: "Wer Bock hat, kann dabei sein." Es ist ein Aufbruch, ohne dafür alles Vorherige schlechtreden zu müssen.
Klopp nimmt die Medien in die Pflicht
Bemerkenswert ist dabei, dass der frühere Vereinstrainer die Verantwortung nicht allein bei sich und seinen Spielern sieht. Er richtet sich ausdrücklich und zurecht auch an die Medien: "Es ist auch an euch, wie die Jungen damit umgehen, ob wir ihnen den Weg schwerer oder leichter machen." Kritik gehört zum Profifußball, ebenso wie der Druck. Das ist klar. Klopp selbst spricht von "Spaß unter Druck". Aber gerade bei jungen Nationalspielern sollte nicht jeder Fehler sofort zur Grundsatzfrage und nicht jedes schwächere Länderspiel zum Beweis mangelnder internationaler Klasse aufgeblasen werden. Eine neue Generation braucht Bewertung und Kritik - aber eben auch Zeit.Dafür wird "Kloppo" Spiele gewinnen müssen. Das wissen alle, und niemand weiß es besser als er. Nationalstolz lässt sich nicht verordnen, Begeisterung nicht auf einer Pressekonferenz beschließen und Gemeinschaftsgefühl nicht mit Deutschland-Kappen herstellen. Das erste Spiel steht bereits am 24. September in Amsterdam gegen die Niederlande an. Aber man darf wieder den Mut haben, all das als Ziel auszusprechen. Und man darf den Mut haben, sich mit stolzer Brust zu präsentieren.