Erinnerung, Aufarbeitung, Versöhnung
80 Jahre nach Kriegsende: Poseck betont Bedeutung der Erinnerungskultur
Foto: HMdI / Frank Zinn
17.09.2026 / WIESBADEN -
Anlässlich der Fachtagung "80 Jahre nach Flucht und Vertreibung der Deutschen im Kontext des Zweiten Weltkrieges: Historische Bilanzen im Lichte neuer Gewaltmigration" hat Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck (CDU) die Bedeutung der Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung hervorgehoben. Die Tagung fand am Mittwoch und Donnerstag unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) im Hessischen Landtag statt. Veranstalter sind die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung.
Beim Abendempfang nach dem ersten Veranstaltungstag erklärt Innenminister Poseck: "Flucht und Vertreibung haben sich tief in die deutsche und europäische Geschichte eingeschrieben. Millionen Menschen verloren während und nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat. Hinter diesen Zahlen stehen Lebensgeschichten von Verlust, Leid und Entwurzelung, aber ebenso von Mut, Neuanfang und großer Aufbauleistung. Diese Erinnerung gehört zu unserem historischen und kulturellen Gedächtnis. Dabei ist es wichtig, Flucht und Vertreibung in den Zusammenhang des Zweiten Weltkrieges und seiner Folgen für die Menschen in Europa einzuordnen."
Wie konkret dieser Beitrag war, zeigen Beispiele aus Hessen: Heimatvertriebene brachten berufliche Kenntnisse, handwerkliche Fähigkeiten und unternehmerische Erfahrungen mit. Sie begründeten oder stärkten den Musikinstrumentenbau in Nauheim bei Groß-Gerau, die Kunstblumenherstellung in Trutzhain sowie die Glaserzeugung und den Glasvertrieb in Stadtallendorf. Auch beim Wohnungs- und Siedlungsbau wirkten sie mit und bauten Häuser teilweise in Eigenleistung. Eine wichtige Grundlage für ihr Ankommen bildete der Hessenplan, der Arbeitsplätze und Wohnraum mit der wirtschaftlichen Entwicklung verband. Die Heimatvertriebenen haben nicht nur in Hessen eine neue Heimat gefunden – sie haben am Aufbau unseres Landes maßgeblich mitgewirkt.
"Eine Fachtagung wie die heutige verbindet historische Forschung mit Fragen unserer Gegenwart und schafft Raum für Austausch und neue Perspektiven. Ich wünsche mir, dass von ihr Impulse ausgehen, die über diese beiden Tage hinausreichen. Mein Dank gilt den Veranstaltern, Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, den Referenten und allen Mitwirkenden für ihr Engagement und ihren Beitrag zu dieser wichtigen Fachtagung. Aus Wissen kann Verständnis entstehen, aus Verständnis Dialog und aus Dialog Versöhnung. Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung mahnt uns, für Frieden, Menschenrechte und Verständigung einzutreten."
Hintergrund: Zentrum gegen Vertreibungen
Die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen (ZgV) wurde 2000 gegründet und hat ihren Sitz in Wiesbaden. Sie widmet sich der Erinnerung und Aufarbeitung von Flucht, Deportation und Vertreibung der Deutschen aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und betrachtet Vertreibung zugleich als europäisches und weltweites Phänomen. Zu ihren zentralen Anliegen gehören Völkerverständigung und Versöhnung.Seit 2025 steht der frühere Hessische Innenminister Peter Beuth als Vorsitzender an der Spitze der Stiftung. Das Land Hessen fördert das ZgV seit 2026 erstmals institutionell mit jährlich 100.000 Euro. Die Stiftung arbeitet seit mehreren Jahren eng mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung zusammen, die unter anderem Veranstaltungen zum Franz-Werfel-Menschenrechtspreis und die Fortführung eines digitalen Zeitzeugenportals unterstützt. Die aktuelle Fachtagung wird zudem aus Mitteln der Landeszentrale gefördert. (pm/jk) +++