Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: Dürfen wir mal an den Brunnen?

Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

23.09.2026 / FULDA - Diesen Satz hören die Schwestern der Benediktinerinnenabtei St. Maria immer wieder. Gemeint ist zunächst ganz konkret der Brunnen im Garten des Kreuzganges, gestaltet von der Künstlerschwester Lioba Munz (1913-97).



Aber vielleicht steckt in dieser Frage viel mehr: Dürfen wir mal an den Brunnen? Dürfen wir kommen mit dem, was uns beschäftigt? Mit unserer Sehnsucht, unserer Müdigkeit, unseren Fragen? Dürfen wir hier ein wenig zur Ruhe kommen und etwas von dem finden, was uns im Alltag manchmal fehlt?

Bischof Dr. Michael Gerber hat diese Frage der Besucher auch in seiner Festpredigt zum 400. Jubiläum der Abtei aufgegriffen. Ein Brunnen ist ein besonderer Ort. Menschen kommen zu ihm, weil sie Wasser brauchen – etwas, das Leben schenkt, erfrischt und neue Kraft gibt. Auch ein Kloster kann ein solcher Brunnen sein.

Seit 1626 ist die Abtei St. Maria ein Ort, an dem Menschen aus einer anderen Quelle schöpfen: aus dem Glauben, aus dem Gebet, aus der Stille, aus der Gemeinschaft mit Gott. Was hier geschieht, bleibt nicht hinter den Klostermauern. Es wirkt hinein in unsere Stadt.

Denn wer selbst aus einer Quelle schöpfen kann, der kann auch anderen etwas weitergeben.

Vielleicht ist das eine der schönsten Aufgaben der Abtei: ein geistlicher Brunnen für Fulda zu sein. Ein Ort, an dem Menschen erfahren: Da ist etwas, das tiefer reicht als die täglichen Nachrichten, Sorgen und Termine. Da ist Gott. Da ist Hoffnung. Da ist eine Quelle, die nicht versiegt.

Und so könnten wir die Frage "Dürfen wir mal an den Brunnen?" auch als Einladung verstehen: Komm. Halt inne. Schöpfe neue Kraft. Lass dich von Gott berühren. Und nimm etwas von dieser Quelle mit in deinen Alltag.

400 Jahre Abtei St. Maria – das bedeutet auch 400 Jahre gelebter Glaube, Gebet und Hoffnung. Möge dieser Brunnen mitten in unserer Stadt weiter sprudeln – für die Schwestern selbst und für alle Menschen, die auf der Suche sind nach dem, was ihrer Seele guttut.

Und vielleicht dürfen wir uns selbst immer wieder fragen: Aus welcher Quelle lebe ich? Wo schöpfe ich Kraft? Und was kann durch mich zu einer Quelle für andere werden? Denn am Ende geht es nicht nur darum, an den Brunnen zu kommen. Es geht darum, selbst zu einem Brunnen für andere zu werden. (Stefan Buß)+++

Brunnen der Abtei St. Maria Fulda
Foto: Rhönkanal

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