Bürgermeister warnt vor Spekulationen

Wirbel um Ex-Kita-Mitarbeiter: Missbrauchsverdacht sorgt für Entsetzen

Wir sind alle sehr betroffen von den Vorwürfen, die dort im Raum stehen. Diese sind uns vor wenigen Wochen so zugetragen worden", erklärt Bürgermeister Dominik Brasch im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS in seinem Büro.
Fotos: Mathias Schmidt

17.09.2026 / BAD SODEN-SALMÜNSTER - Die Nachricht verbreitete sich am Mittwoch im Main-Kinzig-Kreis wie ein Lauffeuer: Die Stadt Bad Soden-Salmünster informierte in einer offiziellen Mitteilung über laufende Ermittlungen im Zusammenhang mit einem ehemaligen Mitarbeiter einer städtischen Kindertagesstätte (wir berichteten bereits). Im Raum stehen Vorwürfe unangemessenen Verhaltens gegenüber Kindern. Auch ein möglicher sexueller Missbrauch ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Vorwürfe sorgen für große Betroffenheit - und für zahlreiche Diskussionen.



"Wir sind alle sehr betroffen von den Vorwürfen, die dort im Raum stehen. Diese sind uns vor wenigen Wochen so zugetragen worden", erklärt Bürgermeister Dominik Brasch (CDU) im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS in seinem Büro. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Stadt unverzüglich reagiert und den Sachverhalt an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergegeben. Die Ermittlungen laufen. "Mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren, insbesondere aber auch zum Schutz der betroffenen Familien und aller Beteiligten, können wir zum Gegenstand der Ermittlungen nichts weiter sagen", betont Brasch und hofft dabei, dass der Fall vollständig aufgeklärt wird. Für die Stadt stehe dabei eines an erster Stelle: "Der Schutz und das Wohlergehen der Kinder haben für uns oberste Priorität. Wir werden dazu alles beitragen, was von unserer Seite aus möglich ist."

Eltern kurzfristig über Situation informiert

Die Eltern der Kita-Kinder wurden am Dienstagabend bei einer kurzfristig einberufenen Informationsveranstaltung über die Situation und das weitere Vorgehen informiert. Bei Bedarf sollen weitere Informationsangebote, Gesprächstermine und Unterstützungsleistungen organisiert werden. Auch das zuständige Jugendamt wurde als Fachaufsicht eingeschaltet. Nach Angaben der Stadt arbeitet man eng mit den ermittelnden Behörden zusammen und stellt sämtliche für die Aufklärung relevanten Unterlagen und Informationen zur Verfügung. Darüber hinaus soll eine unabhängige externe Fachperson für Kinderschutz und Krisenbegleitung hinzugezogen werden. Sie soll die Einrichtung fachlich begleiten, Unterstützungsangebote für Kinder, Eltern und Beschäftigte koordinieren und als Ansprechperson für Betroffene zur Verfügung stehen.

Nach Informationen von OSTHESSEN|NEWS handelt es sich bei der betroffenen Einrichtung um die Kindertagesstätte Spatzennest im Bad Soden-Salmünsterer Stadtteil Romsthal.

Ehemaliger Mitarbeiter nicht mehr in der Kita beschäftigt

Der Fall sorgt inzwischen auch in den sozialen Netzwerken für Diskussionen. In einer öffentlichen Facebook-Gruppe werden unterschiedliche Behauptungen und Vermutungen verbreitet. Unter anderem ist dort davon die Rede, bereits im Jahr 2024 seien "mehrere Auffälligkeiten" des ehemaligen Mitarbeiters gemeldet worden. Andere Nutzer behaupteten, der Mann sei weiterhin in der Kita beschäftigt. Ob und in welchem Zusammenhang es zu früheren Meldungen gekommen sein soll, ist derzeit nicht abschließend geklärt. Der Behauptung, der ehemalige Mitarbeiter sei nach Bekanntwerden der aktuell untersuchten Vorwürfe weiterbeschäftigt worden, widerspricht die Stadt jedoch ausdrücklich.

Bürgermeister Brasch sah sich angesichts der Diskussionen zu einer öffentlichen Klarstellung in der Gruppe veranlasst: "Die aktuell untersuchten Vorwürfe wurden uns erst vor Kurzem bekannt. Unmittelbar danach haben wir selbst Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Der ehemalige Mitarbeiter war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr in der Einrichtung tätig. Die Behauptung, er sei nach Kenntnis dieser Vorwürfe weiterbeschäftigt worden, ist daher falsch."

Brasch: "Sehen Sie von Spekulationen ab"

Zugleich appelliert der Bürgermeister daran, unterschiedliche Sachverhalte und Zeitpunkte nicht miteinander zu vermischen. "Bitte vermischen Sie unterschiedliche Sachverhalte und Zeitpunkte nicht miteinander und sehen Sie von Spekulationen ab. Ebenso wenig akzeptieren wir, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung oder der Stadtverwaltung aufgrund unzutreffender Darstellungen pauschal diskreditiert oder unter Verdacht gestellt werden." Es gehe um ein laufendes Ermittlungsverfahren und die Rechte aller Beteiligten – "vor allem um den Schutz der Kinder", unterstreicht Brasch.

Die Debatte in den sozialen Medien ging offenbar noch weiter. Nach Angaben des Bürgermeisters wurden dort auch Mitglieder seiner Familie in die Diskussion hineingezogen. Brasch reagierte darauf deutlich: "Auch meine Familie und insbesondere meine Kinder haben mit diesem Vorgang nichts zu tun und sind aus dieser Diskussion herauszuhalten." Der betreffende Kommentar sei inzwischen gelöscht worden. Zugleich kündigte er an: "Nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen werden wir dokumentieren und gegebenenfalls rechtlich prüfen lassen."

Was genau dem ehemaligen Erzieher vorgeworfen wird und wie die Ermittlungsbehörden die Vorwürfe bewerten, ist derzeit offen. OSTHESSEN|NEWS bleibt an dem Fall dran und berichtet über weitere Entwicklungen. (ms)

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