Rhöner Platt liegt ihm am Herzen
Langjähriger Bürgermeister und Urgestein: Eberhardt Lauer wird heute 80
Eberhardt Lauer aus Hofbieber mit seiner Übersetzung des Kleinen Prinzen in Rhöner Platt 'Es klei Prinzee'
O|N-Archivbilder (3): Michelle Kedmenec
16.09.2026 / HOFBIEBER -
Eberhardt Lauer ist als langjähriger Bürgermeister nicht nur in Hofbieber bekannt wie der berüchtigte bunte Hund, aber sehr viel beliebter. Denn der Senior, der die Rhön wie seine Westentasche kennt, ist ein ausgewiesener Menschenfreund, mit einem sonnigen Gemüt und ansteckendem Humor gesegnet. Der gebürtige Nüstaler, der am 16. September in Silges zur Welt kam, hat am heutigen Mittwoch einen schönen Grund zu feiern, denn er vollendet im Kreis seiner Lieben das 80. Lebensjahr. Auch OSTHESSEN|NEWS gratuliert dem Jubilar zu diesem Anlass ganz herzlich.
Eberhardt Lauer ist in der Rhön großgeworden und fest in seiner Heimat verwurzelt, deren Munart ihm schon immer sehr am Herzen lag. Er begeistert seit Jahren Jung und Alt mit seinen Gedichten und Vorträgen auf Rhöner Platt. Seine Heimat? Die liebt der Rhöner Jong: "Wenn ich nach dem Urlaub aus Norden in Richtung Fulda fahre, der Michelsrombacher Wald passiert ist und sich das ganze Rhöner Land vor mir aufbaut, da springt auch heute noch mein Herz vor lauter Freude."
Lauer besuchte die Volks- und Handelsschule und machte eine Ausbildung im Landratsamt von Hünfeld. Seinen Wehrdienst absolvierte er allerdings fernab der Rhön bei der Bundesmarine. Als er mit 17 Jahren seine spätere Frau Brunhilde bei einem Tanzabend in Hofbieber kennenlernte, war die Sache klar: Das Paar heiratete im Mai 1971 in der dortigen Kirche und der Diplom-Verwaltungswirt Lauer fand hier in der Gemeindeverwaltung seine neue Stelle und seinen Lebensmittelpunkt. 1991 stand ein Berufswechsel mit noch mehr Aufgaben und Verantwortung an. Eberhardt Lauer hieß der neue Bürgermeister von Hofbieber, der von den Gemeindevertretern einstimmig gewählt wurde. Sechs Jahre später wurde er mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt und füllte das Amt bis 2003 aus. Als er damals bekanntgab, dass er "nach reiflicher Überlegung" einem Jüngeren Platz machen wolle, zumal vierzig Jahre im öffentlichen Dienst "genug" seien, war das Bedauern in Hofbieber groß. Aber sein Entschluss stand fest: Ihm sei es lieber, er bestimme den Rückzug von der politischen Bühne selbst, bevor andere ihn dazu drängten, erklärte er.
Langweilig wurde und wird es dem Bürgermeister a. D. aber offensichtlich nie. Sein unermüdliches Engagement für seine Muttersprache, das Rhöner Platt, und die Fastnacht in Hofbieber hielten und halten ihn auf Trab. Bei den beliebten und immer bis auf den letzten Platz gefüllten Fremdensitzungen der Ho-Bi-Fa-Karnevalsgesellschaft stand er viele Jahre mit großem Erfolg in der Bütt und war Mitbegründer der Band "Pladde Stoarn". Seine Übersetzungen des kleinen Prinzen ('Es klei Prinzee') und zuletzt des Struwwelpeters in Mundart fanden allerseits großen Anklang.
Seine Berufung ist nach wie vor sein Einsatz als Botschafter für das Rhöner Platt. Lauer hat genaue Vorstellungen, wie der Erhalt gefördert werden sollte: "Wenn ich etwas zu sagen hätte, dann gäbe es muttersprachlichen Unterricht in den Schulen". Für ihn hat der Dialekt eine ganz wichtige Funktion: "Als die Grenze geöffnet wurde, habe ich etwas sehr Berührendes erlebt. Wir fuhren in die Teile der Rhön, die in der ehemaligen DDR lagen, und besuchten dort die Menschen. Sie sprachen das exakt gleiche Platt wie wir - und das trotz Stacheldrahtzaun und unterbundenem Kontakt. Der Dialekt verbindet Menschen und das will ich beibehalten." (ci)+++