Krisensitzung anberaumt

Druck auf Friedrich Merz wächst: Wie lange bleibt er noch Kanzler?

Für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sind das harte Zeiten
Archivfotos: ON/ Hendrik Urbin

15.09.2026 / BERLIN - Es sind schwere Zeiten für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Nach der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, bei der die CDU auf 17 Prozent kam, wird zunehmend über einen Kanzlertausch debattiert - gerade auch mit Blick auf die anstehenden Wahlen am Sonntag in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.


Besonders in Mecklenburg-Vorpommern könnte die Klatsche für die CDU ähnlich hart ausfallen wie schon in Sachsen-Anhalt. Nach aktuellen Umfragen kommt die Union dort auf gerade einmal sieben Prozent. In Berlin auf 20 Prozent, dort liegt sie gleichauf mit der Linkspartei.

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, plant Merz am Wahlabend eine Krisensitzung des CDU-Präsidiums im Konrad-Adenauer-Haus. Die Gerüchte über einen Sturz des Kanzlers machen in Parteikreisen die Runde. Der Druck auf den Kanzler wird immer größer. Kein Wunder: Merz wird für das schlechte Abschneiden seiner Partei in Sachsen-Anhalt mitverantwortlich gemacht.

Der Umgang mit Krisen und Reformen und kürzlich die Zuckersteuer-Debatte haben zuletzt weiter auf das Negativ-Konto des Kanzlers eingezahlt. Das alles hat zu der verheerenden Wahlschlappe der CDU beigetragen. Die Forderungen nach einem Rücktritt und einem Kanzlertausch werden immer häufiger. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagt zur Personaldebatte gegenüber der BILD allerdings: "Unser Land braucht jetzt keine Personaldiskussionen, sondern entschlossenes Handeln und mutige Reformen."

Der Wahlkreisabgeordnete für Fulda im Deutschen Bundestag, Michael Brand (CDU), sagt auf Nachfrage von OSTHESSSEN|NEWS dazu: "Ich beteilige mich nicht an dieser bizarren Debatte, als ob wir über einen Trainerwechsel sprechen würden und nicht über die Führung der stärksten Volkswirtschaft Europas in einer globalen Krise, die nicht auf unser Land beschränkt ist. Wir müssen alle ernsthaft bleiben und gewaltige Probleme Schritt für Schritt lösen, das geht, und genau das passiert übrigens, mühsam, aber jeden Tag, obwohl fast nur noch über Prozente, Personal und die in Wahrheit haltlosen Versprechen der AfD berichtet wird. Wer jetzt alles kaputt redet, würde wichtige Reformvorhaben riskieren, das wäre eine schwere Tortur für Konjunktur und Beschäftigung bei uns, auch Sicherheitsrisiken um uns herum deutlich erhöhen. Auch wenn es zu viele nicht sehen: Deutschland ist ein Stabilitätsanker in Europa und darüber hinaus. Wir sollten uns mehr zutrauen, nicht den Weltuntergangspropheten nachgeben. Wer Stabilität will, sollte Friedrich Merz den Rücken stärken. Zerstört ist schnell, erst Recht in diesen Zeiten. Spieler-Mentalität können wir uns nicht erlauben, dafür ist die Lage zu ernst."

Vize-Generalsekretärin wehrt sich gegen Merz - ohne Erfolg

Und dann ist da noch CDU-Vize-Generalsekretärin Christina Stumpp. Ihren Posten hatte Merz mit Beginn seiner Kanzlerschaft neu geschaffen, um mehr Frauen im Präsidium zu haben. Jetzt hat Merz beschlossen, dass sie wieder gehen muss - er sei unzufrieden mit ihrer Leistung. Stumpp wollte das aber nicht hinnehmen.

Table-Media-Chefredakteur Michael Bröcker meldete am vergangenen Mittwoch, dass die 38-Jährige ihren Posten aufgeben wird. Einen Tag später schreibt Stumpp: "Das ist unzutreffend. Ich bin weiterhin stellvertretende Generalsekretärin der CDU Deutschlands." Damit wehrte sie sich gegen Ihre Abberufung von Merz - und degradierte dadurch zusätzlich seine Macht, die immer weiter schwindet.

Nach einer Runde der sogenannten Teppichhändler von CDU und CSU, also den Vorsitzenden der Landesgruppen, war es aber für sie dann vorbei. Hier wurde mitgeteilt: "Friedrich Merz MdB und Christina Stumpp MdB haben in persönlichen Gesprächen gemeinsam entschieden, dass Stumpp ihr Amt niederlegen wird." Christina Stumpp soll nun agrarpolitische Sprecherin der Unionsfraktion werden. (Moritz Pappert) +++

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