In Vierter Generation

125 Jahre Frohnapfel & Sohn: Vom Ein-Raum-Betrieb zur Möbelwerkstatt

Mit einem feierlichen Festakt und einem Tag der offenen Tür hat die Schreinerei Frohnapfel & Sohn ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert.
Fotos: Marvin Hucke

13.09.2026 / EBERSBURG (RHÖN) - Volle Werkstatt, warmes Licht, prickelnder Sekt: Mit einem feierlichen Festakt und einem Tag der offenen Tür hat die Schreinerei Frohnapfel & Sohn aus Ebersburg-Weyhers ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 200 Gäste kamen zum Jubiläumswochenende – darunter Vertreter aus Politik und Handwerk, langjährige Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner sowie Freunde und Familie.


Ein Fest in besonderer Kulisse

Die stimmungsvoll ausgeleuchtete Werkstatt bildete den passenden Rahmen für den Festakt. Auf einer großen Leinwand hieß es "125 – Herzlich willkommen zum feierlichen Festakt". Der Andrang war groß, die Halle gut gefüllt, und zahlreiche Gäste brachten Geschenke mit.

Geschäftsführer Dominik Frohnapfel eröffnete die Feier mit sichtlicher Freude: "Herzlich willkommen zu unserer 125-Jahr-Feier. Auch wenn sich das Wetter heute etwas verregnet zeigt, hoffe ich doch auf einen schönen Tag." Sein erster Applaus galt dabei nicht den anwesenden Gästen, sondern natürlich dem eigenen Team: "Erst einmal einen herzlichen Applaus für alle Mitarbeiter!"

Pünktlich zum Jubiläum hat sich der Betrieb auch nach außen neu aufgestellt: Neben einem eigens gestalteten Jubiläumslogo, das Baumringe zeigt – ein Sinnbild für gewachsene Zeit und den Werkstoff Holz zugleich –, ging eine vollständig neue Website in modernem Design an den Start.

Die Anfänge: ein Raum, eine Schubkarre

In ihrem Vortrag zeichneten Dominik Frohnapfel und seine Frau Carolin die Firmengeschichte nach – und die beginnt denkbar bescheiden. 1901 gründete Karl Frohnapfel die Schreinerei in der Schmiedegasse in Weyhers. Untergebracht war der Betrieb in einem einzigen Raum, der Haupterwerb der Familie blieb zunächst die Landwirtschaft. Später kamen weitere Grundstücke hinzu.

Wie herausfordernd die Anfangsjahre waren, macht ein Blick auf die Infrastruktur deutlich: Elektrifiziert wurde der Ort Weyhers erst 1911, fließendes Wasser gab es ab 1913. Die Aufträge ergaben sich aus den Bedürfnissen der bäuerlich geprägten Dorfstruktur, und die fertigen Produkte wurden meist mit der Schubkarre transportiert. "Man kann sich also vorstellen, wie herausfordernd die ersten Jahre waren", so Frohnapfel.

Zwei Weltkriege, zwei Generationen

Beide Weltkriege schrieben sich tief in die Familiengeschichte ein. Karl Frohnapfel wurde 1914 zum Kriegsdienst herangezogen. Sein Sohn August, der 1925 in die Lehre eintrat, 1928 die Gesellenprüfung und 1932 die Meisterprüfung ablegte, übernahm den Betrieb 1935 – inzwischen in einem eigenen Gebäude.

Einen technischen Sprung brachte ausgerechnet die Heirat: Als August Frohnapfel 1937 Maria, geborene Erb, heiratete, brachte sie als Teil ihrer Aussteuer die erste Hobelmaschine und eine Kreissäge mit in die Ehe. Bis dahin war sämtliche Arbeit von Hand ausgeführt worden: 1939 wurde August Frohnapfel zum Kriegsdienst eingezogen. Während dieser Zeit ruhte die Schreinerei; die Versorgung der Familie übernahm die von seiner Ehefrau geführte Landwirtschaft. Er kehrte schwer verletzt zurück. Eine Bilderserie zeigte den Gästen, wie Grundstück und Werkstatt über die Jahrzehnte Stück für Stück wuchsen.

Der Neubau am Fuldaer Kreuz

1945 trat Hugo Detig als erster Lehrling in den Betrieb ein – inzwischen sind es 78 Auszubildende, die bei Frohnapfel & Sohn gelernt haben. Im selben Jahr wurde Winfried Frohnapfel geboren, der als einziger Sohn mit vier Schwestern aufwuchs. Mit 13 Jahren ging er 1958 bei seinem Vater in die Lehre, 1962 folgte die Gesellen-, 1967 nach der Meisterschule in Kaiserslautern die Meisterprüfung.

Der wohl mutigste Schritt der Firmengeschichte fiel in seine Zeit: 1971 entstand der Neubau der Werkstatt am Fuldaer Kreuz, dem heutigen Standort. Ein Jahr später übernahm Winfried Frohnapfel den Betrieb. 1985 folgte eine Erweiterung auf 1.000 Quadratmeter Werkstattfläche, 1993 kam ein großzügiger Ausstellungsraum hinzu.

Rückblickend sagt der Seniorchef: "Im Nachhinein mag es vielleicht etwas waghalsig klingen, aus der kleinen Schreinerei heraus ein 50 Meter langes Werkstattgebäude auf der grünen Wiese zu bauen. Aber ich habe diesen Schritt keinen Tag bereut, denn ich liebe meinen Beruf." Gemeinsam mit fleißigen Mitarbeitern und langjährigen Kunden habe man den Betrieb weiterentwickeln und viele besondere Projekte verwirklichen können.

"Warum geht heute noch jemand zum Schreiner?"

Eine besonders originelle Antwort auf diese Frage lieferte Carolin Frohnapfel in ihrem Vortragsteil. Statt zu spekulieren, ging sie empirisch vor: "Warum geht heute noch jemand zum Schreiner – und dann auch noch ausgerechnet zu Frohnapfel? Wir haben sämtliche Google-Bewertungen gecheckt." Das Ergebnis ließ sich auf wenige, immer wiederkehrende Begriffe zuspitzen: echte Möbel, Persönlichkeit, Leidenschaft, Professionalität – und die Mitarbeiter. Genau jene Punkte also, die sich nicht aus einem Katalog bestellen lassen.

Vierte Generation mit klarem Anspruch

Seit 1993 arbeitet Tochter Simone Dammhahn, geborene Frohnapfel, im Büro der Schreinerei. 2014 übernahm Dominik Frohnapfel den Betrieb und gründete die "Frohnapfel und Sohn Möbelwerkstätten KG" – damit führt die vierte Generation das Unternehmen.

Seither wurde kräftig modernisiert: Ein 4-Achs-Bearbeitungszentrum, eine horizontale Plattenaufteilsäge, neue Kantenanleimmaschine und Unterflurkreissäge sowie eine CAD-Software mit direkter Anbindung an die CNC-Maschine samt Barcode-Scanner gehören heute zur Ausstattung. Damit lässt sich jedes Möbelteil vom Zuschnitt bis zum Zusammenbau nachverfolgen.

"Was uns besonders auszeichnet, ist für mich das familiäre Umfeld, das sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter erleben", sagt Dominik Frohnapfel. "Gleichzeitig haben wir einen klaren Anspruch: Wir wollen echte, hochwertige Möbel und Innenausbauten schaffen, mit besonderem Augenmerk auf Massivholz, gute Gestaltung und eine professionelle Umsetzung." Sein Dank gilt ausdrücklich den Generationen vor ihm – besonders seinem Vater – sowie allen heutigen und ehemaligen Mitarbeitern. "Kein Projekt gleicht dem anderen, und genau das macht unser Handwerk für mich bis heute so besonders."

Vom Kreuzfahrtschiff bis zur Jugendstilvilla

Die Referenzliste zeigt, wie weit die Wege eines Rhöner Handwerksbetriebs führen können. 2007 stattete das Unternehmen ein Sommerhaus in Griechenland aus, 2013 folgte Ladenbau auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Albatros". 2025 wurde eine Jugendstilvilla in München ausgestattet – mit acht Küchen, 65 Zimmertüren, Haustür sowie Garderobenmöbeln und Einbauschränken.

Regional verbunden ist der Betrieb unter anderem mit der Hessenmühle, für die bereits Winfried Frohnapfel Tenne, Mühlenstube, Zimmer und Chalets fertigte – eine Zusammenarbeit, die heute Dominik Frohnapfel mit Panoramazimmern, neuer Theke, Fischerhütte und Wohlfühlappartements fortsetzt. Hinzu kommen Projekte wie das Lindengut Dipperz sowie Kita-Spielebenen aus naturbelassenen Materialien in verschiedenen hessischen Gemeinden.

Ein Betrieb mit langem Atem

Aktuell beschäftigt das Unternehmen zwölf Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende. Wie familiär es zugeht, zeigt die Betriebszugehörigkeit: Mehrfach konnten bereits 25-, 40- und sogar 50-jährige Arbeitsjubiläen gefeiert werden. Auch Seniorchef Winfried Frohnapfel ist mit 81 Jahren weiterhin im Betrieb präsent und bringt seine Erfahrung unter anderem beim Einkauf von Massivholz und Furnieren ein. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth steht er allen Mitarbeitern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Werkstatt zum Anfassen

An beiden Tagen konnten Besucher von 12 bis 18 Uhr hinter die Kulissen schauen. Auf dem Programm standen Werkstattführungen, Maschinen- und CNC-Vorführungen sowie Live-CAD-Planung, bei der die Entstehung individueller Projekte von der ersten Idee an mitzuverfolgen war.

Für die jüngsten Gäste gab es Basteln mit Holz, außerdem konnten Frühstücksbrettchen selbst geschliffen, gebohrt und mit dem Lasercutter personalisiert werden. Ein besonderer Hingucker: Eine 30-Meter-Hubbühne brachte Besucher hoch hinaus und eröffnete den Blick über die Werkstatt in die Rhön. Auch die Erlenmühle aus Kleinlüder war mit Mehl aus regionalen Getreiden, Backmischungen und Müslis vertreten.

Kulinarisch verwöhnte ein reichhaltiges Bio-Catering des LindenGut die Gäste – mit Sandwiches, "Omas Kartoffelsalat mit Frikadelle", Lachscrêpe, Quiche und Bulgursalat. Dazu kam Live-Cooking an beiden Tagen. Der Festakt selbst endete nach Vorträgen, Grußworten, der Übergabe einer Urkunde und dem offiziellen Fototermin mit einem Sektempfang – und reichlich Gelegenheit zum persönlichen Austausch in entspannter Atmosphäre. (Marvin Hucke) +++

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