Schicksalen ein Gesicht geben
Tag der wohnungslosen Menschen: Aktion schafft Sichtbarkeit für Betroffene
Fotos: Justin Klenner
11.09.2026 / FULDA -
Passend zum bundesweiten "Tag der wohnungslosen Menschen" hat die Fuldaer Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnotfallhilfe auf dem Bahnhofsvorplatz eine besondere Aktion organisiert. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Betroffene konnten sich an mehreren Infoständen über Hilfsangebote informieren, miteinander ins Gespräch kommen und persönliche Erfahrungen austauschen.
Der "Tag der wohnungslosen Menschen" findet jährlich am 11. September statt. Ziel des Aktionstages ist es, die Öffentlichkeit auf die Lebenssituation wohnungsloser Menschen aufmerksam zu machen und Betroffenen ein Gesicht zu geben. Verbände und Kommunen informieren dabei über bestehende Herausforderungen und Hilfsangebote – so auch in der Fuldaer Innenstadt.
Mit persönlichen Geschichten für mehr Verständnis werben
Die Fuldaer AG Wohnungsnotfallhilfe hatte sich für den bundesweiten Aktionstag eine besondere Form der Aufklärung überlegt. An einem Informationsstand erhielten Besucher Einblicke in den Alltag wohnungsloser Menschen. Ein nachgestellter Schlafplatz verdeutlichte, mit wie wenigen Besitztümern viele Betroffene auskommen müssen. Zu sehen waren unter anderem eine Schlafmatte, Kleidung und Schuhe – Gegenstände, die oft den gesamten Besitz darstellen. "Wir wollen damit sensibilisieren und anhand von Informationen zeigen, was für die Menschen wichtig ist", erläutert Janina Wübbelsmann, Fachbereichsleiterin der AG Wohnungsnotfallhilfe im Caritas-Haus Jakobsbrunnen. Wohnungslosigkeit ist oft nicht sichtbar
Viele Menschen verbinden Wohnungslosigkeit ausschließlich mit dem Leben auf der Straße. "Tatsächlich gibt es jedoch zahlreiche Fälle verdeckter Wohnungslosigkeit", erklärt Daniela Drilling, Abteilungsleiterin für Soziales und Integration der Stadt Fulda. Insbesondere Frauen lebten häufig vorübergehend bei Freunden oder Bekannten und verfügten dennoch über keinen eigenen festen Wohnsitz. Zu den verbreitetsten Vorurteilen gehöre die Annahme, wohnungslose Menschen seien grundsätzlich gefährlich, aufdringlich oder alkoholabhängig. Solche Klischees träfen allenfalls auf Einzelne zu, nicht jedoch auf die gesamte Gruppe der Betroffenen, betont Mölleney. Großes Interesse und viele Nachfragen
Bereits während der Stand aufgebaut wurde, kamen die Organisatoren mit Passanten und Betroffenen ins Gespräch. Das Interesse an gesellschaftlichen Themen sei dabei deutlich spürbar gewesen. "Es waren sehr positive Kontakte, bei denen wir das Gefühl hatten, dass ein echtes Interesse vorhanden ist", berichtet Wübbelsmann.