Große Preisverleihung
Osthessen ganz oben: Das sind die Gewinner des 40. Denkmalschutzpreises
Foto: HMWK
11.09.2026 / MARBURG -
Seit 40 Jahren ehrt das Land mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis Menschen, die mit Leidenschaft, Mut und Ausdauer unser kulturelles Erbe bewahren. Bei der Preisverleihung im Lokschuppen Marburg wurde dieser runde Geburtstag gefeiert. Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels hat den Preisträgerinnen und Preisträgern den Hessischen Denkmalschutzpreis 2026 überreicht.
Neben Preisträgern aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, Limburg, dem Schwalm-Eder-Kreis, dem Hochtaunuskreis und dem Wetteraukreis spielten auch Projekte aus Osthessen ganz oben mit. Die Loheland-Stiftung aus Künzell (Kreis Fulda) erhielt neben dem ersten Preis von 5.000 Euro sogar einen Ehrenpreis. Der Saalbau am Fuldaer Hof in Maberzell sowie die Grafenscheune in Schlitz (Vogelsbergkreis) erhielten den zweiten Preis von 3.000 Euro. In den vergangenen Jahren wurden seit 1986 rund 280 Objekte ausgezeichnet.
Es geht um mehr als den Erhalt alter Gebäude
Drei erste Preise und ein Ehrenpreis
Einen Ehrenpreis der Jury, einen von drei ersten Preisen und 5.000 Euro Preisgeld erhält die Loheland-Stiftung für die Instandsetzung der "Waggonia" in der Reformsiedlung Loheland in Künzell (Landkreis Fulda). Im Jahr 1919 errichteten Frauen hier eine Siedlung. Lernen, Arbeiten und Leben sollten Hand in Hand gehen. Herzstück ist die "Waggonia", ausrangierte und zu Wohnungen und Ateliers ausgebaute Waggons der Reichsbahn. Die Jury wertete die Instandsetzung der "Waggonia" als außerordentliches Zeugnis der Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts.Zwei zweite Preise gehen nach Osthessen
Ein weiterer zweiter Preis und 3.000 Euro Preisgeld gehen an Claudia und Hartmut Dietz für die Sanierung der Grafenscheune in Schlitz. Die seit Jahren leerstehende Grafenscheune am Schlosspark drohte zu verfallen. Die Eigentümer retteten das Kulturdenkmal und nutzten es zu einem Mehrfamilienwohnhaus mit barrierefreien Wohnungen um – inklusive Wärmepumpe, Fußbodenheizung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer Photovoltaikanlage.
Zwei dritte Preise
Auch der dritte Preis wird zweimal vergeben und ist mit je 2.000 Euro dotiert. Geehrt werden Dr. Astrid Wegener und Ernst Wegener für den Erhalt eines Ackerbürgerhauses in Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis). Sie haben das Anwesen in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden schrittweise saniert. Dabei war es ihr Ziel, so viel historische Bausubstanz wie möglich zu erhalten und Zeugnisse der Geschichte der seit dem 19. Jahrhundert betriebenen Spedition ebenso zu erhalten wie die Spuren der nach dem Krieg einquartierten Flüchtlingsfamilien.Ein weiterer dritter Preis und 2.000 Euro Preisgeld gehen an Iris Meenken und Matthias Meenken sowie Paulina Meenken und Thomas Scheller für die Instandsetzung des Hauses Hembus in Kronberg (Hochtaunuskreis). Das 1689 erbaute Fachwerkgebäude in Kronberg gelangte 2023 in den Besitz der Familie Meenken. Eindringende Feuchtigkeit hatte dem Gebäude über viele Jahre zugesetzt. Für die Eigentümer ist die Sanierung ein generationenübergreifendes Familienprojekt. Mit großem Respekt vor der Geschichte des Hauses ist es ihnen gelungen, zeitgemäßen Wohnkomfort in vorbildlicher Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden und Handwerksbetrieben zu verwirklichen.
Der Ehrenamtspreis der Hessischen Staatskanzlei
Der mit jeweils 2.500 Euro dotierte, von der Hessischen Staatskanzlei gestiftete Ehrenamtspreis geht an drei Vereine: Nassauische Touristik-Bahn, Darmstadtia und an die Freunde des Steinbruchs Michelnau.Der Verein Darmstadtia bekommt den Ehrenamtspreis für die Restaurierung und Wiederaufstellung des historischen Altstadtbrunnens in Darmstadt. Er wurde 1862 errichtet und stand bis zur Zerstörung der Darmstädter Altstadt vor dem heutigen Justus-Liebig-Haus. Nun hat die Stadt einen der wenigen baulichen Zeitzeugen zurückgewonnen.
Die Freunde des Steinbruchs Michelnau in Nidda wiederum bekommen die Auszeichnung für den Schutz und Erhalt eines unter Denkmal- und Naturschutz stehenden Steinbruchs. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Stilllegung Ende der 1980er Jahre wurde in Michelnau der Michelnauer Tuffstein abgebaut. Der Verein vermittelt Kulturgeschichte, Geologie und Naturkunde des Ortes.
Der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Staatssekretär Benedikt Kuhn, lobt den leidenschaftlichen Einsatz der Menschen für Denkmäler: "Ehrenamt in der Denkmalpflege ist mehr als die Pflege von Gebäuden – es ist ein lebendiger Ausdruck unserer kulturellen Identität und unserer Verbundenheit mit der Geschichte unseres Landes. Menschen, die sich mit Leidenschaft und großer Hingabe für den Erhalt historischer Bauwerke einsetzen, leisten damit einen wichtigen Beitrag zum sozialen Miteinander und stärken den Zusammenhalt in ihren Gemeinden und Städten. Dieses Engagement verdient unsere besondere Wertschätzung und Unterstützung."
"Als Land Hessen honorieren wir es daher mit dem Ehrenamtspreis in Höhe von 7.500 Euro. Mit der Nassauischen Touristik-Bahn, Darmstadtia und den Freunden des Steinbruchs Michelnau ehren wir heute drei Vereine, die Geschichte nicht nur bewahren, sondern lebendig machen: Sie setzen technische Denkmäler instand, holen vergessene Brunnen zurück ins Stadtbild und schützen einzigartige Natur- und Kulturorte. Ihr Engagement zeigt, dass Ehrenamt mehr ist als Hilfe – es ist Heimatpflege mit Herz und Verstand", so Kuhn. (pg/pm) +++