Unfassbare Szenen

"Ein Armutszeugnis": Influencer mieten Elefanten für Klicks in winziges Studio

Ist das noch Unterhaltung oder geht das einfach viel zu weit?
Screenshot: O|N/ YouTube Jordan_Semih

11.09.2026 / STUTTGART - Es sind Szenen, bei denen man zweimal hinschauen muss: Die deutschen Influencer Jordan und Semih hatten für ihren Livestream am Mittwochabend einen Elefanten gemietet und in ihrem winzigen Studio präsentiert. Wer anfangs vielleicht noch an KI oder aufwendigem Green-Screen dachte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Offenbar handelte es sich dabei um ein Tier des "Elefantenhofs Platschow" - einer Zirkusdompteurs-Familie, die in einer stationären Einrichtung Tiere zur Schau stellt. Zudem bieten sie die Elefanten für Veranstaltungen wie beispielsweise Fotoshootings an. Im Netz hagelt es jetzt massive Kritik.


Jordan und Semih sind für außergewöhnliche und teils völlig absurde Aktionen in ihren Livestreams bekannt. Doch mit ihrem jüngsten Auftritt haben die beiden offenbar für viele Zuschauer eine Grenze überschritten: In ihrem Studio präsentierten sie einen echten Elefanten. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie das Tier gemeinsam mit einem Begleiter in dem vergleichsweise kleinen Raum steht. Viel Platz bleibt dem Elefanten dabei augenscheinlich nicht.

Die Szenen verbreiteten sich anschließend in den sozialen Netzwerken und sorgten dort für zahlreiche kritische Reaktionen. Auch andere Streamer reagierten auf die Bilder. Besonders diskutiert wurden die Bewegungen des Elefanten, der sich während des Streams immer wieder hin und her bewegt. Ob und in welchem Maße das Tier tatsächlich unter Stress stand oder tierschutzwidrig behandelt wurde, lässt sich allein anhand der Aufnahmen allerdings nicht abschließend beurteilen. Inzwischen haben die Influencer das Video auf YouTube privat gestellt. Dennoch kursieren die Szenen weiter.

PETA: "Hat mit verantwortungsvoller Unterhaltung nichts zu tun"

Deutliche Kritik kommt nun von der Tierrechtsorganisation PETA. Auch nach deren Angaben handelt es sich bei dem Tier um einen Elefanten des "Elefantenhof Platschow". Die Einrichtung in Mecklenburg-Vorpommern hält mehrere Elefanten und andere Tiere und bietet unter anderem Vorführungen sowie persönliche "Erlebnisstunden" mit den Dickhäutern an. Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA, kritisiert den Einsatz des Tieres scharf: "Dass im Jahr 2026 noch immer Elefanten an Influencer 'vermietet' werden, ist ein Armutszeugnis. Ein hochsensibles Tier für Reichweite und Klicks zur lebenden Kulisse zu machen, hat mit verantwortungsvoller Unterhaltung nichts zu tun."

Besonders kritisch bewertet PETA die mutmaßliche Herkunft des Elefanten. Der Elefantenhof Platschow stand bereits in der Vergangenheit im Fokus der Tierrechtsorganisation. PETA hatte beispielsweise 2021 den Umgang mit den dort gehaltenen Elefanten im Zusammenhang mit einem Video zur "Jerusalema"-Challenge scharf kritisiert.

"Wildtiere sind keine buchbaren Accessoires"

Für Würz geht die Debatte deshalb weit über den einzelnen Livestream von Jordan und Semih hinaus. Es gehe grundsätzlich um die Frage, ob Wildtiere für Unterhaltung und Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken eingesetzt werden sollten. "Wildtiere sind keine buchbaren Accessoires für den nächsten viralen Moment, sondern fühlende Individuen mit komplexen Bedürfnissen", erklärt die Biologin. Wer Tiere auf diese Weise für Content instrumentalisiere, nehme nach Auffassung der Organisation deren Leid "für die eigene Selbstdarstellung billigend in Kauf".

Der Elefantenhof selbst wirbt auf seiner Internetseite damit, seinen Besuchern Elefanten aus nächster Nähe zu zeigen. Zum Angebot gehören neben mehrmals täglich stattfindenden Vorführungen auch individuell gestaltete Erlebnisstunden mit den Tieren.

Aktion sorgt im Netz für Diskussionen

Auch unabhängig von PETAs Kritik stößt der Auftritt im Netz auf deutlichen Widerspruch. Es wird dazu aufgerufen, die Streamer nicht weiter zu unterstützen. Unter den verbreiteten Ausschnitten äußern Nutzer Unverständnis darüber, einen Elefanten für einen Livestream in einem derart begrenzten Raum zu präsentieren. Viele Kommentare fragen empört: Wie kann man so etwas einem Tier für Klicks antun? (ms) +++

Die meisten User sind sich einig.
Screenshot: O|N/tiktok meme.hopecore

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